Capital | Die Dominanz des Dollars kehrt zurück, während die Fed unter Warsh das Narrativ ändert.
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de | Der US-Dollar hat sich aus der Sitzung der Federal Reserve letzte Woche als einer der größten Gewinner erwiesen und ist auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gestiegen, da die Anleger unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh die Aussichten für die US-Zinsen neu bewerten. Der Dollar-Index (DXY) hat die psychologische Marke von 100 deutlich durchbrochen und notiert nun auf einem 13-Monats-Hoch und setzt damit eine Rally fort, die begann, als die Märkte zu dem Schluss kamen, dass die Fed trotz nachlassender geopolitischer Spannungen und fallender Ölpreise weiterhin fest auf die Inflation fokussiert ist. Der Schritt ist besonders bemerkenswert, weil er stattfand, obwohl andere große Zentralbanken ihre Geldpolitik weiterhin verschärften. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Bank of Japan haben kürzlich die Zinsen angehoben, doch weder der Euro noch der Yen konnten mit dem Dollar mithalten. Der Grund liegt nicht darin, wo sich die Zinsen heute befinden, sondern darin, wohin die Anleger als nächstes gehen. Während die EZB und die BOJ die erwarteten Zinserhöhungen durchführten, interpretierte der Markt Warshs erste Fed-Sitzung als Signal, dass die US-Zinsen länger restriktiv bleiben könnten und dass eine weitere Straffung eine realistische Möglichkeit bleibt, wenn sich die Inflation nicht verbessert.
Die allgemeine Botschaft der Märkte lautet, dass die Anleger zunehmend darauf vertrauen, dass die Fed der Preisstabilität Vorrang einräumt. Die erste Sitzung unter Warsh war von einer minimalistischen Kommunikationsweise geprägt: Es gab kaum explizite Hinweise auf den weiteren Kurs, während die Bedeutung der Inflationsbekämpfung wiederholt betont wurde. Dies hat die Erwartung bestärkt, dass die Zinsen zunächst steigen könnten, bevor sie wieder sinken, was sowohl die Renditen von Staatsanleihen als auch den Dollar gestützt hat.
Aus technischer Sicht deutet der Ausbruch des Dollars darauf hin, dass die Bullen weiterhin klar das Momentum auf ihrer Seite haben. Die nächste Phase der Rallye dürfte jedoch von den eingehenden Wirtschaftsdaten abhängen. Sollten die Inflations- und Arbeitsmarktdaten weiterhin das Szenario „längerfristig höhere Zinsen“ stützen, könnte der Dollar weiterhin gut behauptet bleiben. Sollte der Preisdruck hingegen rascher nachlassen, könnten die Märkte beginnen zu hinterfragen, ob die aktuellen Zinserwartungen zu aggressiv sind.
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