J. Safra Sarasin Finanzmarktkolumne: Inflationsraten nähern sich den Zentralbankzielen
Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin
In seiner aktuellen Einschätzung schreibt Karsten Junius, Chefökonom
bei der Bank J. Safra Sarasin zum Thema Inflation:
"Inflationsgefahren können nach den Erfahrungen der letzten Jahre leicht
unterschätzt werden. Zentralbanken hatten Mühe ihre Inflationsziele zu
erreichen, da Globalisierung, technologischer Wandel, fallende Rohstoff-
preise und globale Überkapazitäten die Preisentwicklung gedämpft haben.
Eine Lehre dieser Zeit war auch, dass Inflation inzwischen viel stärker
von globalen als nationalen Faktoren beeinflusst wird. Dies konnte er-
klären, warum die Lohnsteigerungen auch in den Ländern moderat blieben,
in denen annähernd Vollbeschäftigung herrschte. Ökonomen sprechen in dem
Fall verwundert von flachen Philipps-Kurven. Internationale Wertschöpfungs-
ketten, integrierte Produkt- und Arbeitsmärkte machen es auch in Zukunft
wahrscheinlich, dass globale Inflationsdeterminanten wichtig bleiben. Das
bedeutet aber nicht, dass Inflationsgefahren nicht mehr bestehen. Statt-
dessen könnten sich in mehreren Ländern entwickelnde Inflationserhöhungen
auch gegenseitig verstärken. Dies wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn
es sich wie derzeit um einen global synchronen Aufschwung handelt. Es
sollte daher nicht überraschen, dass die Inflation wieder in den Fokus
der Finanzmärkte rückt.
Das Wirtschaftswachstum liegt in den meisten Ländern deutlich über dem
Potenzial, die Arbeitslosenquoten sinken, die Realzinsen sind sehr niedrig,
daher haben die Zentralbanken signalisiert, dass sie erwägen, die geld-
politischen Impulse zu reduzieren. Verständlich, dass der Finanzmarkt nervös
reagiert. In den USA wächst die Wirtschaft bereits länger über ihrem Potenzial
und wird dies dank der expansiven Fiskalpolitik voraussichtlich auch bis 2019
fortsetzen. So baut die Wirtschaft ihre Reservekapazitäten nach und nach ab.
Die aktuell noch bei 4,1% liegende Arbeitslosenquote wird in den kommenden
Monaten voraussichtlich sogar auf unter 4% sinken, was höhere Löhne wahr-
scheinlicher macht. Dazu kommt, dass Energie- und Importpreise zu einer
Aufwärtsüberraschung der Preise im späten Frühjahr in den USA beitragen
dürften.
Im Euroraum dämpft die Aufwertung des Euro von rund 7% gegenüber Vorjahr
die Importpreise, sodass die Erzeugerpreise ohne Energie in den letzten
sechs Monaten nicht angestiegen sind. Allerdings haben sich mit der starken
Konjunktur die Preiserwartungen der Verbraucher und der Unternehmen erholt.
Die Arbeitskostenindikatoren zeigen eine gewisse Verbesserung, bleiben aber
deutlich unter dem Niveau, das mit dem Inflationsziel der EZB übereinstimmen
würde, was die nach wie vor hohen Arbeitslosenquoten in vielen europäischen
Ländern widerspiegelt: Pro Stunde stiegen die Arbeitskosten um leidglich 1,5%
gegenüber Vorjahr. Das führt bei einem Wachstum der Arbeitsproduktivität von
nahezu 1% dazu, dass die Lohnstückkosten bisher nur wenig anstiegen. Das mag
sich ändern, wie die jüngsten Tarifabschlüssen in Deutschland zeigen. Infolge-
dessen rechnen wir damit, dass die Inflationsrate in der Währungsunion bis
zum Jahresende auf 1,6% ansteigt."
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.