SafraSarasin: EZB bereitet für Oktober eine geldpolitische Änderung vor
Florian Weber, Fixed Income Stratege, Bank J. Safra Sarasin AG
Florian Weber, Fixed Income Stratege, Bank J. Safra Sarasin AG,
schreibt in seiner aktuellen Finanzmarktkolumne:
Die EZB-Sitzung letzte Woche legte den Grundstein für eine Änderung
des EZB-QE-Programms im Oktober. Die Prognose für das 2017 BIP-Wachstum
wurde auf 2,2% hochrevidiert – der höchste Wert seit 2007. Die Infla-
tionsprojektionen wurden trotz der stärkeren Währung nur um 0,1% gesenkt.
Die Entscheidung über die Zukunft des Anleihekaufprogramms der EZB
wurde auf Oktober verschoben. Während der Pressekonferenz sagte der
EZB-Präsident Draghi, dass der Regierungsrat das QE-Programm, insbe-
sondere die Länge und die Größe, erörtert habe und die EZB die Aus-
schüsse beauftragt habe, verschiedene Optionen zu analysieren. Ein
wichtiger Teil der Diskussion war die Auswirkung auf den geldpoli-
tischen Übertragungskanal dieser verschiedenen Optionen. Dies könnte
ein Hinweis darauf sein, dass die EZB auch auf die Veränderung der
Zusammensetzung ihres Programms analysiert – z.B. könnte sie die
Staatsanleihekäufe vor den Unternehmensanleihekäufen beenden.
Die Projektionen der EZB zeigten eine erhebliche Aufwärtsrevision
für das BIP-Wachstum von 2017. Die EZB erwartet nun ein Wachstum von
2,2% – das höchste Niveau seit 2007. Die Inflationsprojektionen wurden
im Jahr 2019 nur geringfügig um 0,1% auf 1,5% gesenkt, was aufgrund
der Euro-Aufwertung geringer als erwartet ausfiel. Die Sensitivitäts-
analyse der EZB deutet darauf hin, dass eine 10% Aufwertung des Euro
die Inflation um 0,5% in 12 Monaten senken sollte. Angesichts der 5%
Aufwertung des handelsgewichteten Euro deutet die kleine Revision auf
ein starkes Vertrauen der EZB hin, die Inflation wieder auf das
mittelfristige Ziel von 2% zu bringen.
FX Marktreaktion: EZB ist noch kein Gegenwind für eine weitere Euroaufwertung
Die Zins- und Devisenmärkte schienen an zwei verschiedenen Presse-
konferenzen teilgenommen zu haben. Die FX-Investoren nahmen das Treffen
als hawkisch wahr und der Euro stieg gegen die meisten anderen Währungen.
Der EUR/USD-Wechselkurs stieg über 1,20 und der EUR / CHF stieg wieder
über 1,14. Diese erscheint seltsam angesichts Draghis Beharren, dass
die Revision im Inflationsprofil ganz auf die stärkere Währung zurück-
zuführen war.
Der starke Anstieg des Euro ist daher ein Problem für die EZB. Die
Projektionen gehen davon aus, dass der EUR/USD-Wechselkurs 2018 und
2019 bei 1,18 bleibt. Darüber hinaus dürfte der handelsgewichtete Euro
im Jahr 2018 nur noch um 2,6% ansteigen und im Jahr 2019 unverändert
bleiben. EZB-Präsident Draghi hat in der Pressekonferenz auch mehrfach
hervorgehoben, dass ein zu starker Euro ein Risiko ist. Die einleitende
Bemerkung zur EZB Pressekonferenz enthielt sogar einen Satz, dass
«die jüngsten Wechselkursschwankungen ein Unsicherheitsfaktor [sind],
den es wegen seiner möglichen Auswirkungen auf die mittelfristigen
Aussichten für die Preisstabilität zu beobachten gilt»1 – eine Phrase,
welche Zentralbanken benutzen, wenn sie Einfluss auf die Währung nehmen
will.
Die Reaktion des Euro ist noch rätselhafter angesichts der Zinsmarkt-
bewegung. Die reale Zinsspanne zwischen 2 jährigen US- und EUR-Zinsen
in zwei Jahren (2y2y) blieb seit Anfang 2017 bei rund 150bp extrem
stabil. Allerdings hat sich der EUR in dieser Zeit von 1,05 auf 1,20
gestärkt. Wir glauben weiterhin, dass diese Divergenz nicht langfristig
aufrechterhalten werden kann. Entweder muss die Zinsspanne – unser er-
wartetes Szenario – enger werden oder der Euro dürfte gegen den US-Dollar
abwerten.
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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