DPAM-Kommentar: Notenbanken werden Geldpolitik schneller straffen als es die Märkte einpreisen
Hans Bevers, Chefökonom bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM)
- Schon vor Jackson Hole stand fest: Zentralbanken wollen ihre
ultralockere Geldpolitik sukzessive zurückführen und lassen sich
dabei alle Optionen offen
- Die Geldpolitik rund um den Globus dürfte sich nach Ansicht von
DPAM etwas schneller normalisieren als vielfach erwartet wird
- USA, Europa, England, Japan: Wie DPAM den Fahrplan der Notenbanken
bis 2019 einschätzt
Keine ‚Breaking News‘ aus Wyoming
Beim Treffen der wichtigsten Notenbanker und Finanzpolitiker im US-
amerikanischen Jackson Hole blieben konkrete Entscheidungen über die
zukünftige Geldpolitik erwartungsgemäß aus. Vor drei Jahren hatte
Mario Draghi in einer spektakulären Rede die Anleihekäufe im Rahmen
des Quantitative Easing-Programms der Europäischen Zentralbank ange-
kündigt. In diesem Jahr verlief die Sitzung unspektakulärer. Einig
sind sich die meisten Notenbankchefs allerdings darüber, die ultra-
lockere Geldpolitik sukzessive zurückzufahren – ohne konkrete Aussagen
zu treffen über Art und Umfang sowie Zeitpunkte von möglichen Tapering-
und Zinserhöhungsmaßnahmen.
„Es ist nachvollziehbar, dass sich die Notenbanken zurückhalten und
sich alle Optionen offen halten“, sagt Hans Bevers, Chefökonom bei
Degroof Petercam Asset Management (DPAM). „Auf der makroökonomischen
wie geopolitischen Seite gibt es weltweit neben viel Licht auch viel
Schatten. Außerdem bleibt ungewiss, wie sich Wachstum, Beschäftigung
und Inflation zukünftig tatsächlich entwickeln. Hinzu kommen die Un-
sicherheiten, die vom zunehmenden Populismus und der weltweiten Un-
gleichverteilung von Einkommen und Vermögen ausgehen. Da möchte niemand
frühzeitig konkret werden. Außerdem betreten die Notenbanken Neuland
bei der Rückführung ihrer unkonventionellen Maßnahmen. Schließlich haben
diese nie dagewesene Dimensionen erreicht. Von der technischen Seite mag
der Prozess zwar einfach erscheinen, von Seiten der Marktpsychologie ist
er es jedoch nicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen
und politischen Gemengelage sollten durch sukzessiv wieder steigende
Zinsen und die Straffung von quantitativen Maßnahmen die Risiken ten-
denziell zunehmen“.
DPAM-Experte Bevers geht davon aus, dass sich die Geldpolitik rund um
den Globus etwas schneller normalisieren wird als dies von den Märkten
derzeit eingepreist wird. Die aktuellen Bewertungen spiegeln bis Herbst
2019 zwei Zinsschritte der US-Fed wider sowie jeweils eine Zinserhöhung
der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Von der Bank of
Japan erwarten die Märkte hingegen, dass sie ihre extreme Niedrigzins-
politik unverändert fortsetzt und keinerlei Zinsschritte veranlassen
wird.
Im Einzelnen erwartet Hans Bevers folgende Entwicklungen:
US-Federal Reserve
Die USA zeichnen ein gemischtes wirtschaftliches Bild. Während einer-
seits Stimmungsindikatoren ein solides Momentum zeigen und der Konsum
zuletzt angestiegen ist, bleibt die Produktivität insgesamt schwach und
die vom Präsidenten ausgehende politische Unsicherheit hoch.
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