Fidelity Makroausblick: Moderate Belebung des globalen Wirtschaftswachstums erwartet
Anna Stupnytska, Volkswirtin bei Fidelity Worldwide Investment
Anna Stupnytska, Volkswirtin bei Fidelity Worldwide Investment,
schreibt in einer aktuellen Einschätzung:
- Nachlassender Sparzwang, lockere Finanzierungsbedingungen und
niedrige Rohstoffpreise begünstigen das weltweite Makroumfeld
- Aufschwung in der Eurozone nimmt in der zweiten Jahreshälfte Fahrt auf
- Asien zeigt sich am widerstandsfähigsten gegenüber geopolitischen
Risiken wie der Krise in Russland oder der Situation in Griechenland
Globales Wachstum: Rückläufige Inflation dürfte im ersten Halbjahr anhalten
"Aktuell sehe ich vor allem drei positive Entwicklungen, die in diesem
Jahr eine moderate Belebung des Weltwirtschaftswachstums begünstigen
könnten. Erstens hat in vielen Industrieländern der Sparzwang der öffent-
lichen Hand etwas nachgelassen. Zweitens wurden die Finanzierungsbedingungen
gelockert: So hat die Europäische Zentralbank EZB quantitative Lockerungen
angekündigt und die chinesische Zentralbank ihre Liquiditätsspritzen
verstärkt. In Kanada, Indien und der Türkei haben die Zentralbanken die
Zinsen im Januar gesenkt, und auch von der Bank of Japan werden wohl
weitere Stimulusmaßnahmen kommen. Drittens helfen niedrige Rohstoffpreise
den Konsumenten auf der ganzen Welt und sorgen für eine entspanntere Haus-
haltslage in ölimportierenden Ländern. Es dürfte jedoch noch drei bis sechs
Monate dauern, bis sich die niedrigeren Energiepreise spürbar positiv beim
Wachstum bemerkbar machen. Der starke rückläufige Inflationstrend dürfte
zumindest im ersten Halbjahr 2015 anhalten, während die Aussichten für das
zweite Halbjahr von der Entwicklung beim Ölpreis abhängen. Die größten
Risiken gehen meiner Ansicht nach von der Russlandkrise und einem unerwartet
schnellen Anstieg der Inflation und der Löhne in den USA aus.
USA: Erste Zinserhöhung im vierten Quartal erwartet
Die US-Wirtschaft erholt sich weiter, getragen von niedrigen Kreditzinsen,
nachlassendem Sparzwang der Regierung und gesunkenen Energiepreisen. Für
die jüngste Schwäche einiger Indikatoren, wie etwa des Einkaufsmanager-
indexes, waren Energiekomponenten verantwortlich. Das Gleiche gilt für
die realen Einzelhandelsumsätze oder den Kernverbraucherpreisindex. In
den kommenden Monaten jedenfalls dürfte sich der Rückenwind für den Konsum
und sinkende Produktionskosten infolge fallender Energiepreise zunehmend
in den Daten niederschlagen. Diese Entwicklung findet mit gewisser Ver-
zögerung statt. So kann es durchaus noch drei bis sechs Monate dauern,
bis die positiven Auswirkungen der niedrigen Energiepreise umfassend
beim Wachstum durchschlagen. Allerdings wird sich das Wachstumstempo
in den USA in diesem Jahr wohl nicht so kräftig beschleunigen wie 2014.
Gerade einige auf Umfragen basierende Indikatoren werden deshalb ihren
aktuellen Höchststand wohl nicht halten können. Unterdessen verhindern
eine sinkende Inflationsrate und ein stärkerer Dollar vorerst, dass die
Fed auf einen restriktiven Kurs umschwenkt. Nach wie vor bin ich über-
zeugt, dass die erste Zinserhöhung im vierten Quartal kommen wird.
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