J.P. Morgan AM: Anleger müssen sich höherer Volatilität bewusst werden
Tilmann Galler, Kundenportfoliomanager und Kapitalmarktstratege
bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt
Die Experten von J.P. Morgan Asset Management sehen die globale
Erholung weiterhin auf Kurs, auch wenn für Aktienanleger das erste
Quartal 2014 eher holprig verlief. Allerdings betont Tilmann Galler,
Kundenportfoliomanager und Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan
Asset Management in Frankfurt, dass die Welt weiterhin noch ein
gutes Stück von dem „Normalzustand“ entfernt sei. „Wir haben für
2014 mit höherer Volatilität gerechnet und genau das hat sich
bisher an den Märkten gezeigt“, unterstreicht Galler. Dabei habe
sich jedoch kaum ein Marktsegment genau „nach Plan“ entwickelt.
So sei das Sentiment derzeit eher gemischt als euphorisch. Umso
wichtiger sei es für Anleger, breit diversifiziert zu investieren.
Konjunkturerholung in Europa reicht noch nicht für einen
nachhaltigen Wachstumstrend
Das europäische Wachstum fiel zum Ende 2013 dank der Exporte und
Investitionen überraschend hoch aus und auch die Daten für das
erste Quartal 2014 deuten darauf hin, dass die Erholung weiter
fortschreitet. Bisher konnte die Konjunktur aber noch nicht genug
Fahrt aufnehmen, um auch die Unternehmensgewinne zu unterstützen.
So liegen die Umsatz- und Gewinnergebnisse nach wie vor unter
historischen Höchstwerten. Doch „eine bessere Wachstumsdynamik
in Europa dürfte für die Umsätze förderlich sein. Da zudem Spiel-
raum für Margensteigerungen besteht, sollte das Gewinnwachstum
2014 ins Plus drehen“, so der Experte. Er verweist darauf, dass
europäische Aktien nach wie vor fair bewertet sind, es aber ins-
besondere auf Sektorebene Chancen für aktive Investoren gebe.
Die meisten zyklischen Sektoren sind nicht nur weiterhin attraktiv
bewertet, sie bieten zudem eine größere Sensitivität bei Ver-
änderungen des breiten Marktes und leiden weniger stark bei
Zinserhöhungen.
Ebenfalls spricht für europäische Aktien, dass die durchschnitt-
liche Dividendenrendite mit 3,3 Prozent derzeit doppelt so hoch
wie die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen ist. Da im
Jahr 2014 für europäische Unternehmen mit Gewinnwachstum zu rechnen
ist, sollten sie entsprechend Spielraum für Dividendenerhöhungen
haben.
Langfristige strukturelle Argumente für Schwellenländer bleiben intakt
In den letzten Monaten zeigten sich die Schwellenländer sehr un-
beständig: Schon die bloße Erwähnung der US-Notenbank (Fed), ihre
Anleihenkäufe zu drosseln (Tapering), löste im vergangenen Sommer
eine neue Welle der Volatilität aus. Diese hat viele Schwellen-
länder erfasst, was dazu führte, dass die jeweiligen Währungen
in massivem Umfang abgestoßen wurden. Das belastete die Aktienper-
formance bis in den Februar dieses Jahres hinein. Doch auch wenn
es noch zahlreiche Fragen und Probleme zu lösen gilt, ergeben sich
aus der Verkaufswelle bei Anleihen und Aktien laut Tilmann Galler
auch Chancen für Investoren, die mit vorübergehenden Phasen hoher
Volatilität umgehen können. Denn die strukturelle Dynamik sei nach
wie vor intakt: Die zunehmende Urbanisierung in den aufstrebenden
Ländern führt zu höheren Einkommen und steigendem Konsum, was das
stärkere Wachstum in den Ländern nachhaltig stützt. Dies schafft
eine solide wirtschaftliche Basis für Aktien aus den aufstrebenden
Märkten. „Anleger dürfen jedoch nicht vergessen, dass man in Unter-
nehmen und nicht in Länder investiert. Es gilt daher, sich auf die
Fundamentaldaten zu konzentrieren und sich immer vor Augen zu
führen, dass nicht alle Schwellenländer gleich sind“, unterstreicht
Galler. Außerdem seien Aktien aus Schwellenländern immer als lang-
fristige Investition zu betrachten.
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