Vontobel: Schwellenländer-Anleihen - «Liebesentzug» dürfte nur temporär sein
Dr. Sven Schubert, Vontobel, Spezialist Investment Strategy Currencies
Aktien und Anleihen von Schwellenländern haben zwischen Mitte Mai und Ende Juni die
stärkste Korrektur seit der Finanzmarktkrise im 2008/09 verzeichnet. Verantwortlich
hierfür sind unter anderem die vielerorts steigenden Außenhandelsdefizite und die
erhöhte Abhängigkeit dieser Länder von den internationalen Kapitalmärkten.
Enttäuschende Wirtschaftsdaten, soziale Unruhen in der Türkei sowie Brasilien
und insbesondere steigende US-Renditen haben zum Verlust des Investorenvertrauens
beigetragen. Die starken Kapitalabflüsse könnten kurzfristig anhalten. Doch die
Erfahrung zeigt, dass der «Liebesentzug» der Investoren gewöhnlich nicht lange
anhält. Ein Grund hierfür ist, dass die Korrektur für steigende Anleihenrenditen
sorgt und somit die Attraktivität wieder erhöht.
Konjunkturhoffnungen für drittes Quartal 2013
Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Schwellenländermärkte bleibt
der Wirtschaftsausblick, mit Implikationen für die Geldpolitik und somit die
Zinsentwicklung, insbesondere für Währungen und Anleihen. Was die Aktien
betrifft, so sind die Unternehmensgewinne ausschlaggebend. Die enttäuschenden
Wirtschaftsdaten in den Schwellenländern für das erste Quartal 2013 und die
eher durchwachsenen Ergebnisse für das zweite Quartal zogen reihenweise
Revisionen der Wachstumsprognosen nach sich. Unser eigener Momentum-Indikator
der Wirtschaft – dieser misst den Anteil der Wirtschaftsindikatoren, die
gegenüber dem Zwölfmonatsdurchschnitt eine Verbesserung zeigen – deutet
gegenwärtig auf anhaltende Enttäuschungen hin: Er bleibt weiterhin im
Durchschnitt der letzten drei Monate unter der 50-Prozent-Marke, die eine
Bodenbildung der Volkswirtschaften bedeuten würde. Allerdings stimmt uns
der zu beobachtende Trend in Richtung der 50-Prozent-Marke optimistisch,
dass sich die Wirtschaft im dritten Quartal auffangen kann.
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