ifo Standpunkt: Kollateralschäden der Rettungspolitik
Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts
In einem aktuellen "Standpunkt" schreibt Hans-Werner Sinn, Professor für
Nationalökonomie und Finanzwissenschaft und Präsident des ifo Instituts:
Italien entscheidet über den Euro-Kurs. Erst treibt Mario Draghi den Kurs
mit seiner Ankündigung nach oben, dass die EZB die Rückzahlung der Staats-
schulden der Länder Südeuropas zulasten der Steuerzahler der noch gesunden
Länder garantiert. Und nun treibt ihn Silvio Berlusconi wieder nach unten.
Das offenbart ein fundamentales Dilemma der Euro-Rettungspolitik. Maßnahmen,
die die Finanzmärkte stabilisieren, treiben nicht nur, wie geplant, die Kurse
der Staatspapiere hoch, sondern auch den Euro. Das ist gut für die Bilanzen
der Gläubiger der südlichen Länder, doch schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit
der dortigen Wirtschaft. Da sich Inländer und Ausländer gleichermaßen von den
Waren des Krisenlandes abwenden und verstärkt im Ausland kaufen, leiden die
Exporteure und die Hersteller der mit den Importen konkurrierenden Güter
gleichermaßen. Die angebliche Rettungspolitik verschlimmert also die Rezession
und erzeugt noch mehr Arbeitslosigkeit, als ohnehin schon vorhanden ist. Umge-
kehrt führen Ereignisse, die die Finanzmärkte destabilisieren, zur Stabi-
lisierung der Realwirtschaft. Ein Glück, dass es Silvio Berlusconi gibt.
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