21.07.2011
Hansainvest: Mit Fremdwährungsanleihen Euro-Schwäche ausnutzen
Köln, den 21.07.2011 (Investmentfonds.de) - Der Eurokurs bewegt sich derzeit
nach den Spielregeln der Politik. Je nach Situation in den europäischen Krisen-
staaten und dem Rettungswillen der europäischen Regierungen bewegt sich der
Eurokurs auf und ab. Christian Bender, Fondsmanager bei der Hansainvest Hanse-
atische Investment-GmbH, zeigt in einem aktuellen Marktkommentar, mit welchen
Fremdwährungsanleihen Anleger die Stärke anderer Währungen ausnutzen können.
Bender ist verantwortlicher Fondsmanager des HANSAinternational (WKN 847908).
Die Politik bestimmt derzeit die Entwicklung des Euro. Wird an der Rettung der
europäischen Problemländer gezweifelt, geht der Euro auf Talfahrt. Stellen sich
Europa und der Internationale Währungsfonds (IWF) hinter die in Not geratenen
Staaten und schnüren ein weiteres Rettungspaket, gewinnt der Euro an Stärke.
Professionelle Anleger können diese Schwankungsintensität an den Devisenmärkten
ausnutzen, indem sie ihr Kapital über verschiedene Währungen streuen. Wer dabei
neben dem Wechselkursverhältnis auch von gegebenenfalls höheren Zinsen in einem
anderen Währungsraum profitieren möchte, für den könnten Fremdwährungsanleihen
die richtige Wahl sein. Das sind Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die
aus Euro-Sicht auf eine fremde Währung lauten.
„Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist schon viel Unsicherheit an den Märkten
in den Kurs des Euro eingepreist – und die Marktteilnehmer haben gelernt, dass
trotz Staatsschuldenkrise der Euro nicht über Bord geworfen wird“, sagt Christian
Bender, Fondsmanager des HANSAinternational. „Dennoch rutscht der Kurs der
Gemeinschaftswährung ab, sobald es in einem der PIIGS-Staaten – also Portugal,
Italien, Irland, Griechenland und Spanien – kriselt.“ Das Ergebnis: Der Euro-Kurs
vollzieht seit Anfang Mai im Vergleich zum US-Dollar eine sehr volatile Kurs-
bewegung.
US-Dollar untergewichten
Anleger könnten derartige Schwankungen ausnutzen, indem sie auf den US-Dollar
setzen, wenn es im Euroland kriselt. „Von derartig kurzfristigen Spekulationen
raten wir Anlegern jedoch ab“, so Bender. „Die Wechselkursverhältnisse ändern
sich derzeit einfach zu schnell und Anleger müssten die Märkte schon sehr genau
beobachten und zukünftige Entwicklungen rechtzeitig absehen, um das optimale
Timing zu finden. Hinzu kommen die Zweifel am US-Dollar. Denn auch dort ist eine
Lösung der Schuldenproblematik nicht in Sicht. Wir selbst glauben zwar weiter
an den Fortbestand des Greenbacks, haben allerdings US-Dollar-Anleihen in unserem
Fonds im Vergleich zur Benchmark deutlich untergewichtet.“
Stattdessen empfiehlt Bender auf Wirtschaftsregionen zu setzen, die stabiler
dastehen. Das sind zum Beispiel die skandinavischen Staaten sowie rohstoffreiche
Länder wie Australien und Kanada.
Hohe Zinsen und Sicherheit in Skandinavien
Dänemark, Schweden und Norwegen sind sehr gut durch die Krise gekommen und mussten
infolge einer sehr dynamisch verlaufenden Konjunktur mit als erste Staaten nach
der Krise die Zinsen wieder anheben. Die drei Staaten verfügen über solide Haushalte
und eine geringe Staatsverschuldung. Das macht Anleihen in diesen Währungen stabiler
und damit attraktiver. Norwegen verfügt zudem über hohe Öl- und Gasvorkommen, die
dem Land zu Wohlstand verhelfen. So erzielt das Land im hohen Norden regelmäßig
Haushaltsüberschüsse und die Staatsfinanzen sind solide. Zudem liegt der norwe-
gische Leitzins mit aktuell 2,25 Prozent einen dreiviertel Prozentpunkt über dem
der Eurozone. „Anleger sollten allerdings auch bedenken, dass die Norwegische
Krone bereits relativ teuer ist. Denn ihre Stärke macht sie bei Anlegern weltweit
beliebt“, gibt Bender zu bedenken. Deshalb hat er in den letzten Tagen Teile seiner
skandinavischen Währungen auch vorübergehend abgesichert.
Mit Rohstoffwährungen vom Wirtschaftsboom profitieren
Neben der Norwegischen Krone können Anleger auch mit anderen Rohstoffwährungen
wie dem Australischen und dem Kanadischen Dollar vom globalen Wirtschaftsboom
profitieren. Während Australien seine Bodenschätze zu einem großen Teil in auf-
strebende Schwellenländer wie China und Indien exportiert, gehen nahezu drei
Viertel der Ausfuhren Kanadas in die USA. Auch orientiert sich das kanadische
Zinsniveau an dem der USA. Damit ist der Aussie-Dollar deutlich weniger von den
USA abhängig und profitiert zudem deutlich stärker vom Rohstoffhunger Asiens.
„Anlegern muss im Falle von Australien aber auch klar sein, dass der Australische
Dollar automatisch unter Druck gerät, sobald der Wirtschaftsboom in China
abflaut“, sagt Bender. „In Punkto Leitzinsen gehen wir davon aus, dass die
kanadische Notenbank die Zinsen dieses Jahr nur geringfügig auf 1,25 Prozent
anheben wird. In Australien dagegen bekommen Anleger für Geldmarktanlagen heute
4,75 Prozent. Und Australische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren
bieten einen Renditeaufschlag von rund 2,6 Prozent gegenüber deutschen Papieren.
Zusätzlich bergen sie die Chance auf Währungsgewinne.“ Anleger sollten jedoch
bedenken, dass Rohstoffwährungen an die Entwicklung der Rohstoffpreise gekoppelt
sind. Das macht sie riskanter: Schwächelt die Konjunktur, fallen die Preise
für Rohstoffe und mit ihnen die entsprechenden Währungen.
Türkische Lira bietet Potenzial
Abseits der Rohstoffwährungen sieht Bender Potenzial in der Türkischen Lira.
Sie hat seit Anfang April gegenüber dem Euro zwar abgewertet, dennoch bleibt
die türkische Wirtschaft langfristig auf Wachstumskurs. „Wir haben in den
vergangenen Wochen Anleihen, die auf Türkische Lira lauten, in unser Portfolio
neu aufgenommen“, sagt Bender. „Die Verzinsung im Geldmarktbereich dort liegt
mehr als sechs Prozentpunkte über dem Euro-Niveau.“ Das heißt de facto, dass
die Türkische Lira um sechs Prozent pro Jahr im Vergleich zum Euro abwerten
kann. Erst dann wäre der jährliche Zinsvorsprung aufgebraucht, den die Lira-
Anlage bietet.
Quelle: Investmentfonds.de