Robeco: US-Aktienmarkt - Double Dip unwahrscheinlich
Gewinne und Bewertung bleiben Schlüssel
In Amerika geht die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession um.
Der S&P 500 Index ist seit dem Höchststand von 1.217 Punkten im April
dieses Jahres auf aktuell rund 1.050 Punkten gefallen. Die Anleger
zweifeln an der Zukunft der USA. Zu unrecht, meint Joseph F. Feeney,
Chief Investment Officer und Co-CEO Robeco Investment Management in
Boston. „Zwar ist die Situation in den USA weiterhin angespannt. Aber
die schwachen Daten werden überwertet. Die Gefahr eines Double Dip
ist gering“, so Feeney.
Die Stimmung an den weltweiten Aktienmärkten ist gedrückt. Die Gründe reichen von der Staatsverschuldung einiger europäischer Peripherieländer über bevorstehende scharfe Finanzmarktreformen in den USA und Europa bis hin zu Wachstumssorgen bezüglich China. Risikoanlagen wie Aktien leiden unter der Verunsicherung. Aber das Bild ist bei weitem nicht so düster wie es auf den ersten Blick scheint, ist Joseph F. Feeney, Chief Investment Officer und Co-CEO Robeco Investment Management in Boston, überzeugt. „Trotz der aktuellen Baisse bleiben Aktien sowohl absolut als auch relativ betrachtet eine attraktive Anlageklasse. Denn die Aktienkurse werden durch die anhaltende Erholung der Unternehmensgewinne weiter angetrieben.“ So haben zum Beispiel 80 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen im ersten Quartal 2010 die Analystenerwartungen übertroffen und die besten Gewinnzahlen seit 30 Jahren vorgelegt. Dieser Trend wird sich Feeney zufolge fortsetzen. „In den kommenden Monaten werden die stabilen Unternehmensgewinne die Aktienkurse antreiben“, so Feeney. „Denn während die Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse die Märkte zu Beginn einer Erholungsphase vom Tiefpunkt aus antreibt, ist diese Triebfeder nun gedeckelt durch Faktoren wie beispielsweise den Druck zu höheren Zinssätze oder Wachstumsbe- schränkungen durch ein hohes Schuldenlevel insbesondere im öffentlichen Sektor.“ Im Gegensatz dazu bleibt laut Feeney die Antriebskraft der Unternehmensgewinne intakt. Feeney: „Anleger können sich an die „goldene Regel“ halten: Während die Aktienkurse letzten Endes durch die Unternehmensgewinne getrieben werden, entscheiden die Bewertungs- multiplikatoren (ausdrückt im Kurs-Gewinn-Verhältnis) über die Erträge für die Aktionäre“. Keine grundlegende Korrektur am US-Aktienmarkt Viele Marktteilnehmer rechnen am US-Aktienmarkt aufgrund der Out- Performance im letzten Jahr mit einer Korrektur. Der S&P 500 Index hat seit dem Tiefstand im Mai 2009 um rund 60 Prozent zugelegt. Aber auch die Unternehmensgewinne sind sprunghaft angestiegen. „Es ist bemerkenswert, aber sicherlich kein Zufall, dass das Verhältnis von Gewinn je Aktie der S&P 500-Unternehmen ebenfalls über ein Jahr um 60 Prozent gestiegen ist“, so Feeney. Eine Gegenüberstellung der Aktienpreise und des Gewinn-je-Aktien-Verhältnisses über den Zeitraum von 1960 bis 2009 zeigt dem USA-Experten zufolge eines sehr deutlich: Wenn sich die Unternehmensgewinnen nach oben bewegen, bewegt sich auch der Markt nach oben. Ebenso funktioniert die Abhängigkeit auch umgekehrt: Lassen die Unternehmensgewinne nach, so sinken parallel auch die Aktienkurse. Weltweite makroökonomische Ereignisse sind daher nur in dem Umfang bedeutsam, in dem sie Unternehmensgewinne, Zinssätze und Risikoprämien beeinflussen. Denn diese Faktoren beeinflussen wiederum das Kurs-Gewinn- Verhältnis. „Negative Schlagzeilen aus dem makroökonomischen Umfeld haben zwar einen großen Einfluss auf die Stimmung der Anleger. Aber ein kohärenter Zusammenhang zwischen makroökonomischen Themen einerseits und Unternehmensgewinnen oder Kernfaktoren für die Bewertung wie Zinssätze und Risikoprämien andererseits ist schwer nachweisbar“, erklärt Feeney. „Die aktuelle Marktschwäche ist eine Überreaktion auf die negativen Schlagzeilen. Ganz im Gegenteil können die Anleger jetzt von den historisch attraktiven Bewertungen am US-Aktienmarkt profitieren.“ „Zweifellos ist das grundsätzliche Risiko aktuell hoch“, gibt Feeney zu. Während Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen ihre Schulden abbauen, verharren die Schulden in vielen Ländern auf einem hohen Niveau. Diese Situation wird zu steigenden Zinssätzen führen und auch die Inflationsgefahr nimmt zu. Das erklärt die im historischen Vergleich erhöhten Risikoauf- schläge. „Anleger sollten akzeptieren, dass die Unsicherheiten für eine Weile anhalten und sich ab sofort auf die harten Zahlen konzentrieren“, so Feeney. Der Gewinn je Aktie liegt bei den S&P 500 Unternehmen zurzeit um die 80 US-Dollar. „Bei einem geschätztem Wachstum von nur 4,5 Prozent - der langjährige Durchschnitt liegt bei sieben Prozent - könnte der S&P 500 in 2011 auf einen Punktestand zwischen 1.200 und 1.300 ansteigen und damit den Höchststand dieses Jahres noch übertreffen“, so Feeney.
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