LGT Capital Management: Die Pseudo-Abschwächung
US-Datenrevision deutet weiter auf beschleunigte Erholung der Binnennachfrage Die am Freitag publizierte zweite Revision des US-Bruttoinland- produkts für das zweite Quartal hat unsere vor einem Monat geäusserte Vermutung bestätigt: Die aktuelle US-Wachstumsschwäche hat nichts mit einem Einbruch der Binnennachfrage zu tun (The Beacon, Unerwartete Beschleunigung, 4. Aug. 2010). Es mag paradox klingen, aber es ist wahr: Gerade die deutliche Zunahme der Binnennachfrage hat über den Umweg des Aussenhandels das US-Wachstum gedämpft. Die meisten Nachfrageindikatoren zeigen weiter nach oben und wurden zudem erneut hinaufrevidiert. Die Schlagzeilen verhüllen die zugrunde liegende Erholung der Daten Die Schlagzeilen verwiesen sicherlich auf eine deutliche Wachstums- abschwächung. Das Q2-BIPWachstum wurde zum zweiten Mal hinunter revidiert auf 1.6%, nach 3.7% im Q11. Die zwei vorangegangenen vorläufigen Messungen hatten immerhin noch 2.4% bzw. 2.7% angezeigt. Die Abschwächung ging allerdings auf die immer wieder unterschätzte Binnennachfrage zurück. Das daraus resultierende starke Anspringen der Importe erhöhte das Handelsdefizit und reduzierte so die BIP- Wachstumsrate um den höchsten Negativeffekt seit 1947 – 3.4 Prozentpunkte (nach 2.8 Punkten in der vorangegangenen Messung). Die Entwicklung zeigt nur auf, dass ein grösserer Teil der Konsum- und Investitionsausgaben Firmen ausserhalb der USA zugute kamen (natürlich inklusive Tochter-Gesellschaften von US-Unternehmen). Im Grunde haben die USA 3.4 Prozentpunkte ihrer Wachstumsrate im Ausland verteilt, an Länder wie China, Japan oder Deutschland. Daheim blieb nur ein Plus von 1.6%. Ein weniger ausgeprägter Faktor der Verlangsamung war die abgeschwächte Dynamik des Lageraufbau- zyklus – dieser trug nur 0.6 Prozentpunkte zur Wachstumsrate bei, statt 1 Prozentpunkt wie zuvor errechnet. Die meisten Indikatoren für die Binnennachfrage zeigen weiter nach oben Die Gesamtbinnennachfrage wird am besten durch den Anstieg der Endverkäufe an Verbraucher im Inland (BIP vor Anpassungen für Lagerbestände und Aussenhandel) dargestellt und dieser wurde erneut hinaufrevidiert, von 4.1% auf 4.3% und nach 1.3% im Q1. Dabei handelte es sich ausserdem um den ersten signifikanten Anstieg seit Beginn der Erholung Mitte 2009. Der Zuwachs der Privatkonsumausgaben wurde ebenfalls von 1.6% auf 2.0% hinaufre- vidiert, was ebenfalls eine Beschleunigung gegenüber dem Plus von 1.6% im Q1 darstellte. Die Bruttoprivatinvestitionen wuchsen um 24.8% - selbst der private Wohnbau legte um 22.8% zu (dank staatlicher Anreize). Egal, aus welchem Blickpunkt betrachtet: Amerikas Binnenkonjunktur hat sich im Q2 beschleunigt. US-Wirtschaft wird in den kommenden Monaten wieder positiv überraschen So grenzt die Behauptung, die USA stünden erneut vor einer Rezession eher an Angstmacherei als an der Realität. Viele Anleger orientieren sich derzeit offenbar zu stark an schlecht aussehenden Schlagzeilen und ignorieren wichtige Details. Daten, die infolge starker staatlicher Interventionen derzeit eine erhöhte Volatilität aufweisen, wird ebenfalls zu viel Aufmerksamkeit gewidmet, insbesondere auf den Arbeits- und Häusermarkt. Wahrscheinlich werden noch einige Wochen vergehen müssen, bis sich die zugrunde liegenden Trends auch an der Oberfläche der Arbeits- und Häusermarktstatistiken besser widerspiegeln und dies wird die Anlegersorgen aufrecht erhalten. Trotzdem weisen die jüngsten Revisionen darauf hin, dass die US-Konjunktur in den kommenden Monaten wohl eher positiv überraschen wird – zumal sich die Wahrnehmung der Wirtschaftslage stetig verdunkelt. Abschliessend weisen wir auch darauf hin, dass gemäss jüngster Revision der gesamtwirtschaftlichen Rechnung die US- Unternehmensgewinne (nicht nur der S&P 500-Mitglieder) um 4.6% gestiegen sind(nicht-annualisiert, gegenüber Vorquartal). Dieses Tempo ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 1.8% in jedem der drei vorangegangenen Jahrzehnte. Wir sehen ein, dass die derzeitige Stimmung an den Märkten ungewöhnlich pessimistisch ist – auch wenn es aus unserer Sicht an handfesten Gründen mangelt. Früher oder später wird sich die Realität aus Konjunktur- und Unternehmenswelt durchsetzen und die Anleger werden einsehen, dass die tatsächliche Lage gar nicht so schlecht ist.
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