Templeton: Ein Ausblick auf Inflation und Zinsen in den USA
Diese Daten sind jedoch nicht als große Überraschung zu werten. In den USA geht Inflation in erster Linie auf eine Flaute der Gesamtwirtschaft zurück – vor allem in Bezug auf die Arbeitsmärkte. Insgesamt zeigten die Beschäftigungsdaten für 2010 eine – wenn auch schleppende – Verbesserung der Arbeitsmarktlage an. Wir konnten in jedem der ersten sechs Monate des Jahres 2010 einen – allerdings eindeutig niedrigen – Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft beobachten. Angesichts des Aufschwungtempos auf dem Arbeitsmarkt spricht das unserer Ansicht nach ebenfalls für eine harmlose Inflationsentwicklung. Dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen in absehbarer Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht anheben wird, ist im aktuellen Umfeld ein weiterer positiver Faktor. In den USA hat die Notenbank den Doppelauftrag, für Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu sorgen. Beide Bereiche lassen derzeit vermuten, dass die Fed noch eine Zeit lang stillhalten wird. Mit Blick auf die Zukunft sollte sich dies auch weiterhin positiv auf die Finanzmärkte auswirken. Sollte die Fed untätig bleiben, dürften die kurzfristigen Zinsen, die sich nach dem Tages- geldzielsatz der Fed richten, im Keller bleiben. Die längerfristigen Zinsen, die vor allem von der Inflation bestimmt werden, könnten angesichts des freundlichen Inflations- szenarios ebenfalls verhältnismäßig niedrig bleiben. Ein Ausblick für das Wirtschafts- wachstum in den USA, der auf eine Bewegung hin zum historischen Trend von rund 3% – oder auch ein bisschen weniger – schließen lassen würde, wäre ein weiterer Indikator dafür, dass sich die längerfristigen Zinsen auf verhältnismäßig niedrigem Niveau halten könnten. Schließlich gilt, dass die USA – und vor allem der Markt für US-Schatzpapiere – in volatilen Phasen der globalen Finanzmärkte nach wie vor als „sicherer Hafen“ wahrge- nommen werden. Falls es noch weitere weltweite Volatilitätsschübe wie in den letzten Monaten geben sollte, dürften die Zinsen daher niedrig bleiben. Alles in allem ist uns zwar klar, dass die langfristigen Zinsen in den USA zurzeit im historischen Vergleich niedrig sind, doch wir erkennen in den Fundamentaldaten keine Hinweise auf deutlich höhere Langfristsätze in absehbarer Zukunft. Längerfristig bereitet uns das US-Defizit Sorgen. Für das Haushaltsjahr 2010 rechnen wir mit einem Fehlbetrag von rund 1,5 Bio. US-Dollar, was etwa 10% des Bruttosozialprodukts entspricht. Das birgt die Gefahr, dass die Finanzmärkte am Ende in Bezug auf die nötige Haushaltsdisziplin die Geduld mit den USA verlieren könnten. Kürzerfristig sehen wir dieses Risiko allerdings nicht. Im Hinblick darauf, dass festverzinsliche Wertpapiere zweifellos das Kernstück des Gesamtportfolios eines Anlegers bleiben werden – sowohl zur Diversifizierung als auch zur Risikoredu- zierung –, möchten wir auch darauf hinweisen, dass eine ganze Reihe von Rentensektoren ebenso, wenn nicht mehr, von anderen Faktoren als von den Zinsen allein bestimmt werden. Die globalen Aktienmärkte verhielten sich in den letzten Monaten wechselhaft, da sich die Anleger auf eine Reihe schlagzeilenträchtiger Themen konzentrierten wie die europäische Schuldenkrise und die Ölpest im Golf von Mexiko. Trotz der Marktschwankungen gehen wir davon aus, dass sich die US-Wirtschaft eindeutig im Aufschwung befindet und für die kommenden Jahre auf stabilem Wachstumskurs ist. Ein Blick auf die US-Wirtschaft zeigt, dass die Saat der Erholung allmählich aufgeht, nämlich in Form eines leichten Anstiegs der Bauinvestitionen, Stärke in der Produktion, rück- läufigen Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung und einer Stabilisierung auf dem Häusermarkt. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich aus unseren Gesprächen mit den Managementteams, dass US-Unternehmen im Verhältnis solide aufgestellt sind, vielfach bei geringen Verschuldungsquoten und hoher Liquidität, und dabei steigende Nachfrage von ihren Endmärkten melden. Diese Nachfrage könnte unserer Erwartung nach noch zunehmen, da weite Teile der US-Wirtschaft derzeit in einer Phase sind, in der Bestände aufgestockt werden. Diese sollte bis ins Jahr 2011 andauern (siehe Grafik 1). Niedrige Zinsen und hohe Unternehmensgewinne ebnen den Unternehmen den Weg zum Auffüllen ihrer Lager- bestände, um den erwarteten Anstieg der Endnachfrage zu bewältigen. Nach Sektoren beurteilen wir Technologie weiterhin positiv. Unser Schwerpunkt liegt auf qualitativ hochwertigen Wachstumsunternehmen mit robusten Geschäftsmodellen, die in der Lage sind, nachhaltiges Ertrags- und Cashflow-Wachstum zu erzielen. Viele Technologieunternehmen bieten Produkte an, die die Produktivität steigern und die operativen Kosten senken. Trotz der positiven Wirtschaftsnachrichten aus den USA ist uns klar, dass Tempo und Stärke des Aufschwungs weiter für Volatilität auf den Finanzmärkten sorgen könnten. In der Vergangenheit haben sich Konjunkturerholungen selten rasch und reibungslos vollzogen, sondern vielmehr häufig Schwankungen ausgelöst. Bei der Franklin Equity Group konzentrieren wir uns auf die Ermittlung und den Erwerb der Wachstumsunter- nehmen auf dem Markt, die unseres Erachtens höchste Qualität aufweisen. Wir sind überzeugt, dass ein breit gestreutes Portfolio aus solchen Qualitätsunter- nehmen langfristig einen Ertragsvorsprung herbeiführen kann. Kürzerfristig gehen wir davon aus, dass es großartige Chancen auf potenziell günstige langfristige Perfor- mance von US-Aktien gibt, wenn die Investoren ihre Angst überwinden können.
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