Templeton: Weltwirtschaft weiter auf Wachstumskurs
In Wirklichkeit gibt es unseres Erachtens aber wenig Grund für Panik. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine globalen Wachstumsprognosen für 2010 im Juli de facto angehoben und von einer unerwartet starken Erholung der Welt von der Rezession gesprochen. Der IWF sicherte sich zwar mit der Aussage ab, dass die Risiken infolge der Schuldenkrise in Europa „stark zugenommen haben“, und geht davon aus, dass die Wachstumsrate im nächsten Jahr rückläufig sein wird, doch er hob seine Prognose für das globale BIP für 2010 von im April geschätzten 4,2% auf 4,6% an. Es trifft aber auch zu, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Prognosen für die Steigerung des Bruttosozialprodukts (BIP) in den USA im laufenden Jahr leicht reduziert und angedeutet hat, dass neuerliche Anreize erforderlich sein könnten, falls sich der Ausblick weiter verschlechtert. Dennoch gibt es unseres Erachtens einen gewissen Spielraum für Zuversicht, dass sich die auf den Aktienmärkten im letzten Monaten offenbar gewordenen Zweifel verflüchtigen, wenn die Industrieländer weiter wachsen und eine Rezession mit zwei Tiefpunkten („Double Dip“) vermeiden. Die Zahlen vom US-Häuser- und -Arbeitsmarkt gaben ebenso Anlass zur Besorgnis wie Hinweise auf eine Verlangsamung des Wachstums im Produktions- und Dienstleistungssektor.Die Daten der Haushaltsumfragen zu neu geschaffenen Arbeitsplätzen haben in den letzten Monaten ins Minus gedreht. Amerikanische Unternehmen stellten im Juni 83.000 Mitarbeiter ein – deutlich weniger als die 241.000 vom April. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung weckten dagegen Hoffnung. Sie gingen in den ersten beiden Juliwochen stark zurück. Die Privat- wirtschaft stellt weiter ein, wenn auch in bescheidenem Umfang. Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt wie die geleisteten Arbeitsstunden und die Einstellungen in konjunktursensiblen Branchen weisen auf weitere positive Entwicklungen in den kommenden Monaten hin.
Dass sich die Arbeitsmarktlage so langsam bessert, ist definitiv ein Grund zur Sorge – ebenso wie der drastische Rückgang des US-Einkaufsmanagerindex für Juni. Gleichzeitig präsentierten sich die Fundamentaldaten im Unternehmenssektor sowohl während der Rezession als auch im anschließenden Aufschwung die meiste Zeit über kontinuierlich stark. Die Unternehmen haben übermäßiges Fremdkapital abgebaut und die Erträge haben die Erwartungen im 2. Quartal 2010 generell erfüllt oder übertroffen. In China sahen sich die Behörden durch Unzufriedenheit mit den Preisen für Wohnimmobilien gezwungen, den Markt zu dämpfen. Gleichzeitig haben Inflationsängste die Regierung veranlasst, das Wirtschaftswachstum behutsam zu bremsen, in erster Linie durch Kürzung der Infrastrukturinvestitionen. Das Wachstum ging daher im 2. Quartal dieses Jahres im Jahresvergleich von den im 1. Quartal erzielten 11,9% auf 10,3% zurück. Dennoch gibt es derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass der chinesischen Wirtschaft eine unsanfte Landung bevorsteht, die andere Volkswirtschaften in Asien und anderswo in Mitleidenschaft ziehen könnte. Wir erachten die Verschärfung der Währungspolitik in China weitgehend als vorbeugende Maßnahme und aus diesem Grund als positiven Faktor im Zuge der chinesischen Bemühungen um nachhaltiges Wachstum. Unserer Ansicht nach dürfte China auch bei geringfügig niedrigeren Wachstumsraten ein wesentlicher Wachstumsmotor für die ganze Welt und vor allem für Asien bleiben. Der Nebel der Ungewissheit, der über Staatsanleihen und über dem Bankensektor liegt, scheint sich ebenfalls zu lichten. Das Dodd-Frank- Gesetz zur Finanzmarktreform und zum Verbraucherschutz fiel nicht so radikal aus, wie manche Banker ursprünglich befürchtet hatten, nimmt aber dennoch Probleme in Bereichen in Angriff wie Aufsicht durch Regulierungsbehörden, Derivate und den Umgang mit Banken, die als zu groß gelten, um zu scheitern. Das Maß an regulatorischer Sicherheit, das dieses Gesetz herstellt, hat dazu beigetragen, den Ausblick für amerikanische Banken zu stabilisieren. Parallel dazu gaben sich die Behörden alle Mühe, die Gesundheit der europäischen Banken wieder vollends herzustellen. Man ging sogar so weit, die Ergebnisse von Stresstests der größten Banken des Kontinents zu veröffentlichen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ebenfalls eingegriffen, um europäischen Banken die benötigte Liquidität zur Verfügung zu stellen, als Zweifel in Bezug auf deren Engagement in europäischen Staatsanleihen zunahmen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat ferner klargemacht, dass Notfallmaßnahmen in Form des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die Bank „immer geringeren Umfang“ haben – ein Zeichen für eine Aufhellung der Marktstimmung und vielleicht auch dafür, dass das (im Mai zur Stützung gefährdeter südlicher Länder wie Griechenland eingeführte) Programm bald auslaufen könnte.
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