06.08.2010
Bankenverband: Verlangsamung des Wachstums im zweiten Halbjahr jedoch schon vorgezeichnet
Köln, den 06.08.2010 (Investmentfonds.de) - Gut gefüllte Auftragsbücher, eine
kräftig in Fahrt gekommene Industrieproduktion, steigende Kapazitätsauslastungen
und eine überraschend günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigen die deutsche
Wirtschaft gegenwärtig in einer sehr guten Verfassung. Im zurückliegenden
zweiten Quartal dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung gegenüber der Vor-
periode besonders kräftig gestiegen sein.
Gleichzeitig lassen die Stimmungsindikatoren für die Weltwirtschaft und für
Deutschland eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik in den kommenden
Monaten erwarten. Mit dem Auslaufen der Konjunkturprogramme und des Lageraufbau-
zyklus werden zwei zentrale Antriebskräfte des globalen Wirtschaftswachstums an
Bedeutung verlieren. Für Deutschland und den Euro-Raum tritt als Belastungsfaktor
noch die europäische Staatsschuldenkrise hinzu.
Zudem können nationale Alleingänge bei der Finanzmarktregulierung für Verunsiche-
rung sorgen. Die Gefahr unbeabsichtigter Folgen bei einem unkoordinierten Vorgehen
ist groß. Die Lasten tragen am Ende die Nutzer von Finanzdienstleistungen, Anleger
und Unternehmen, die Kredite benötigen.
Befürchtungen, dass die Weltwirtschaft wieder in eine Rezession zurückfällt, sind
aus heutiger Sicht überzogen. Die Lage im Unternehmenssektor hat sich weltweit
verbessert, und die Stimmungsindikatoren liegen nach wie vor auf einem guten Niveau.
Außerdem sollte die Geldpolitik im Euro-Raum, ebenso wie in den USA, noch für
längere Zeit expansiv bleiben. In Deutschland dürfte das Wirtschaftswachstum,
das in diesem Jahr voraussichtlich um 2 % betragen wird, 2011 mit rund 1 ½ % nur
moderat nachlassen.
Um der sich abzeichnenden Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums zu be-
gegnen, wird nun bisweilen gefordert, Länder mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen
müssten ihre Binnennachfrage beleben. Bei einer sachgerechten Bewertung der
deutschen Leistungsbilanzüberschüsse ist jedoch zu berücksichtigen, dass der hohe
Außenhandelssaldo kein Ergebnis wirtschaftspolitischer Eingriffe ist, sondern primär
auf unternehmerischen Anstrengungen beruht. Auch ist ein großer Teil des deutschen
Exportüberschusses auf den Handel innerhalb der Europäischen Währungsunion zurück-
zuführen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder mit einem Leistungsbilanzdefizit
würde sich aber durch einen Rückgang des deutschen Außenhandelsüberschusses nicht
verbessern. Vielmehr wäre zu befürchten, dass die Leistungsbilanz des gesamten
Euro-Raums deutlich ins Minus rutscht.
Gleichwohl wäre es für die konjunkturelle Stabilität in Deutschland von Vorteil,
die hohe Exportabhängigkeit zu reduzieren und die Binnennachfrage zu stärken.
Mit vermeintlich „einfachen“ Rezepten, wie zum Beispiel kräftigen Lohnerhöhungen
oder staatlichen Konjunkturprogrammen, ist dies aber nicht möglich. Das belegen
nicht zuletzt die Erfahrungen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. Eine
nachhaltige Stärkung der Binnennachfrage ist in Deutschland nach wie vor nur
über besseren Rahmenbedingungen für Investitionen sowie den weiteren Abbau der
Arbeitslosigkeit möglich.
Quelle: Investmentfonds.de