Schroders: USA: Auf dem Weg zur Exportnation?
Konsumparadies Amerika: Glitzernde Shopping-Center und optimistische Verbraucher mit einem fast unerschöpflichen Vorrat an Kreditkarten haben das Bild der USA geprägt. Die Konsumenten zwischen San Francisco und New York wurden zum Sinnbild der Wirtschaftslokomotive, die notfalls im Alleingang eine schwächelnde Welt- wirtschaft wieder auf die Beine bringt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die USA erholen sich derzeit von der schwersten Rezession seit den 30er Jahren. Um 2,4 % ist die Wirtschaftsleistung des Landes 2009 zurückgegangen. Konsumbezogene Branchen haben besonders gelitten: Im Wohnungsbau und in der Automobilindustrie werden heute rund ein Drittel weniger Menschen beschäftigt als vor der Krise. Auch Einzelhandel und Banken mussten Personal abbauen. Deutlich gesunkene Häuserpreise und Aktienkurse tun ein Übriges – im Ergebnis sind die Haushaltsvermögen seit 2007 um rund 12 Billionen US-Dollar zurückge- gangen. Mit der Erholung der Wirtschaft sollten auch in den konsumbezogenen Branchen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch dass die Zeit des grenzenlosen Konsums, geprägt von kontinuierlich wachsenden Vermögenswerten, billigem Kredit und niedrigen Energiekosten, jemals wiederkehrt, erscheint zweifelhaft. Auch deshalb, weil viele Amerikaner in den kommenden Jahren damit beschäftigt sein werden, ihre Schulden abzubauen: 2007 hatte der durchschnittliche US-Verbraucher Konsumentenkredite in Höhe von 129 % seines verfügbaren Einkommens aufgenommen. Ein radikaler Umbruch Das alte Wirtschaft smodell der USA hat seine Grenzen erreicht. Jetzt steht das Land vor einem radikalen makroökonomischen Umbruch: dem Wandel von einer konsumorientierten zu einer exportorientierten Wirtschaft . Dieser Wandel hat bereits begonnen. Schon heute konsumieren die Schwellenländer zusammengenommen mehr als die USA, und das amerikanische Handelsdefizit ist deutlich zurückgegangen. Dieser Abbau der globalen Ungleichgewichte wird vom Weißen Haus unterstützt: Präsident Obama hat die USExporte zur Chefsache erklärt und will ihr Volumen innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Im Juni hat der Präsident ein sogenanntes Ausfuhrkabinett aus hochrangigen Regierungsvertretern zusammengestellt und angekündigt, staatliche Finanzierungsmöglichkeiten für Exporte auszubauen. Wenn es den USA gelingt, einen neuen Exportboom anzufachen, werden vermutlich weltweit agierende Konzerne in wissensintensiven Branchen wie Produktion von Mikroprozessoren, Maschinenbau und Ölförderung zunächst im Mittel- punkt stehen. Aber auch kleinere Firmen müssen umdenken. Derzeit exportieren gerade einmal 4 % aller US-Firmen, und 80 % des US-Außenhandels wird von 1 % aller Unternehmen abgewickelt. Die Aussichten stehen auf Dauer nicht schlecht: Die Schroders Volkswirte erwarten, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 3,2 % und 2011 um 2,7 % wachsen wird – Werte, die jeweils deutlich über dem Schnitt der OECD-Länder liegen. Die Konsumentenpreise sollten bei Inflationsraten von 1,5 % bzw. 0,9 % im kommenden Jahr stabil bleiben. Die Profitabilität der US-Unternehmen ist gewachsen, sie verfügen über volle Kassen und stabile Cashflows. Aktien- rückkäufe und Unternehmensfusionen sollten als zusätzlich er Katalysator am Aktienmarkt wirken. Diese hoffnungsvolle Entwicklung ist nicht unbemerkt geblieben: Institutionelle Investoren, die noch Ende 2009 wenig Interesse an USAktien zeigten, sind im ersten Halbjahr zurückgekehrt. Trotz vorübergehend verunsicherter Märkte sind dies positive Signale aus dem alten Konsumparadies.
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