04.08.2010
Pensionsverpflichtungen lasten auf den Bilanzen des deutschen Mittelstands – Nachholbedarf bei der Ausfinanzierung
Köln, den 04.08.2010 (Investmentfonds.de) - Eine gemeinsam von Allianz Global
Investors und dem Versorgungswerk MetallRente durchgeführte Unternehmensbefragung
zeigt, dass der deutsche Mittelstand im Vergleich zu DAX-Unternehmen deutlichen
Nachholbedarf bei der Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen hat. Das dürfte
sich jedoch mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)
kurz- bis mittelfristig ändern, da sich nun auch mittelständischen Unternehmen
erstmals flächendeckend der bilanzielle Nutzen von Ausfinanzierungslösungen
eröffnen wird. Noch stößt das für den Mittelstand wichtige Thema bei den
Unternehmen nur auf begrenztes Interesse: So sind bei den befragten Unternehmen
trotz einer nach eigenen Angaben entspannteren Liquiditätslage derzeit keine
weiteren Ausfinanzierungen von Pensionsverpflichtungen geplant.
Wenige Unternehmen sehen bAV aus der Finanzperspektive
85% der befragten Unternehmen nutzen zur Umsetzung ihrer betrieblichen Alters-
versorgung (bAV) mehrere Durchführungswege. Der Rechtsanspruch auf Entgeltum-
wandlung wird bei 94% der Unternehmen eingefordert und erfüllt. Bei den Durch-
führungswegen dominiert mit 82% die Direktversicherung, gefolgt von der
Pensionskasse mit 54%. Die Eigenvorsorge der Mitarbeiter wird in den meisten
Unternehmen durch eine arbeitgeberfinanzierte Versorgung ergänzt. Bei dieser
Finanzierungsform dominiert eindeutig die Direktzusage mit 73%. Die Umsetzung
des Rechtsanspruchs auf Entgeltumwandlung ist mit 77% der Hauptgrund für die
Einrichtung einer betrieblichen Altersversorgung, gefolgt von personalpoliti-
schen Zielen. Finanzwirtschaftliche Motive spielen mit 21% noch eine eher
untergeordnete Rolle bei der Gestaltung von Versorgungssystemen. Diese
Einstellung spiegelt sich auch in der geringen Verbreitung der Ausfinanzierung
von Direktzusagen wider.
BilMoG zwingt zum Umdenken im Ausfinanzierungsverhalten
Nur etwa ein Drittel der Unternehmen verfügt überhaupt über Deckungsvermögen für
seine Pensionsverpflichtungen, während der Grad der externen Ausfinanzierung
aller Pensionsverpflichtungen in DAX-Unternehmen bei rund 66% liegt[1]. Im
Gegensatz zu der bei Großunternehmen üblichen Rechnungslegung nach IFRS bzw.
US-GAAP erwuchsen bisher für den vorwiegend nur nach HGB bilanzierenden Mittel-
stand keine direkten Bilanzvorteile aus der Ausfinanzierung von Pensionszusagen.
Martin Katheder, CEO der AllianzGI-Tochtergesellschaft Allianz Pension Partners
GmbH, rechnet jedoch mit einer Trendwende, denn analog zur internationalen
Rechnungslegung besteht nun auch für Unternehmen, die nur nach deutschem Recht
bilanzieren, die Möglichkeit, z.B. im Rahmen einer Treuhandlösung Pensionsver-
pflichtungen und -vermögen zu saldieren und damit eine Verbesserung des
Bilanzbildes zu erreichen: „Vor dem Hintergrund einer zunehmend kritischeren
Beurteilung ungedeckter Pensionsverpflichtungen durch Rating-Agenturen, Banken
und Investoren sollten sich auch mittelständische Unternehmen verstärkt mit
der Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen beschäftigen.“
Unternehmen für Ausfinanzierungsbedarf sensibilisieren
Die Unternehmensbefragung verdeutlicht, dass sich der deutsche Mittelstand noch
stärker mit den Auswirkungen der BilMoG-Thematik in Zusammenhang mit der betrieb-
lichen Altersversorgung und bedarfsgerechten Lösungsangeboten auseinandersetzen
sollte. Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks MetallRente GmbH:
„Die Studie zeigt, dass das Thema Ausfinanzierung in einer Vielzahl mittelstän-
discher Unternehmen aktuell noch recht gering platziert ist. Sorgfältiges
Risikomanagement basierend auf einer quantitativen Analyse des künftigen
Verpflichtungsverlaufs und der künftigen Zahlungsströme wird in Zukunft von essen-
tieller Bedeutung sein.“
Pensionsverpflichtungen kostengünstig ausfinanzieren
Nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Art der Ausfinanzierung gibt es deut-
liche Unterschiede zwischen Großunternehmen und Mittelstand. Während mittelstän-
dische Unternehmen das Pensionsvermögen vorrangig über Rückdeckungsversicherungen
abdecken, nehmen DAX-Unternehmen in der Kapitalanlage höhere Freiheitsgrade zum
Beispiel durch eine höhere Aktienquote im Planvermögen in Anspruch, um eine
möglichst kostengünstige Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen zu erreichen.
Gerade Großunternehmen setzen dabei häufig auf moderne Kapitalanlagemodelle im
Rahmen von Treuhandmodellen (CTA = Contractual Trust Arrangements), die Vorteile
der bilanziellen Saldierung mit einem verbesserten Insolvenzschutz verbinden
und dabei gleichzeitig die Möglichkeit einer individuellen Gestaltung der
Kapitalanlage eröffnen. „Mittelständische Unternehmen verzichten derzeit häufig
noch auf eine passgenaue Ausgestaltung ihrer Ausfinanzierung, obwohl es mit
überbetrieblichen Treuhandmodellen inzwischen hierfür kostengünstige Lösungen
gibt,“ sagt Katheder.
Quelle: Investmentfonds.de