FranklinTempleton: Kommentar zu den Emerging Markets
Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Asset
Management Ltd, schreibt in seiner aktuellen Einschätzung
zu den Emerging Markets:
Überblick
Das 2. Quartal 2010 begann positiv und die Märkte spiegelten
den starken Wirtschaftsaufschwung in den Schwellenländern
wider. Die Schwäche der europäischen Volkswirtschaften,
die Einführung von restriktiven Maßnahmen in
China, insbesondere auf dem Immobilienmarkt, und gesunkene
Rohstoffpreise sorgten jedoch in der zweiten Hälfte
des Berichtszeitraums für eine Korrektur auf den globalen
Märkten. Die Währungen der Schwellenländer tendierten im
Quartal ebenfalls schwächer und übten zusätzlichen Druck
auf die Erträge aus.
Ein weiteres wichtiges Element war die hohe Zahl der Börsengänge in den Schwellenländern. Allein im 2. Quartal wurden auf diesem Wege 34 Mrd. US-Dollar beschafft. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 waren es 64 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht mehr als 70% der im gesamten letzten Jahr durch Neuemissionen generierten 89 Mrd. US-Dollar. Diese Zunahme der Börsengänge hat zur Folge, dass dem Kassamarkt Geld entzogen wird und somit die Kurse unter Druck geraten. Unter diesen Bedingungen schloss der MSCI Emerging Markets Index das Quartal mit einem Minus in US-Dollar von 8,3%. In Asien kündigte China eine Erhöhung der Flexibilität des Renminbi an. Angesichts dessen erwarten wir einen allmählichen Anstieg des Wechselkurses in China. Während des Quartals legte der Renminbi gegenüber sowohl dem USDollar als auch dem Euro um etwa 1% zu. Andernorts fand im Juni in Kanada das Gipfeltreffen der G20 statt, auf dem sich Staatschefs weltweit auf eine Reduzierung der Staatsschulden und –defizite als Hauptanliegen einigten. Im Juni wurde angesichts des Beginns der Fußballweltmeisterschaft die Aufmerksamkeit der Welt auf Südafrika gelenkt. Dies ist das erste Mal, dass die Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Dass sie in Südafrika ausgerichtet wird, könnte die weltweite Meinung über das Land sowie dessen Image verbessern und der Region möglicherweise mehr Touristen und Anleger bescheren. Aktuelles aus den Regionen Das BIP-Wachstum in China überstieg im 1. Quartal 2010 mit 11,9% im Jahresvergleich die Erwartungen. Im Quartal davor lag es bei 10,7% im Jahresvergleich. Am 19. Juni 2010 kündigte die chinesische Zentralbank eine Erhöhung der Flexibilität des Renminbi an. Als Gründe für die Politikänderung nannte die Bank die „Erholung und Belebung der chinesischen Wirtschaft“, die „größere wirtschaftliche Stabilität“ des Landes und den Wunsch der Bank, hinsichtlich ihrer Devisenkurse „die Reformen weiter fortzusetzen“. Unseres Erachtens wird die mögliche Wertänderung der Währung wahrscheinlich weder schnell noch drastisch sein. Genau genommen erwarten wir eine allmähliche Steigerung des Wechselkurses in China. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Mai im Jahresvergleich um 3,1%. Im April waren es im Jahresvergleich 2,8% gewesen. Um dem Inflationsdruck, der übermäßigen Kreditvergabe der Banken und der Überhitzung in bestimmten Sektoren Einhalt zu gebieten, hob die chinesische Zentralbank im Mai den Mindestreservesatz für Banken auf 17% an. Dies war bereits die dritte Erhöhung in diesem Jahr. Darüber hinaus kündigte China verschiedene Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienmarktes an. Die Wirtschaft in Südkorea wuchs im 1. Quartal 2010 mit 8,1% im Jahresvergleich schneller als ursprünglich geschätzt. Dies war die höchste Wachstumsrate seit mehr als neun Jahren. Demgegenüber betrug sie für das gesamte Jahr 2009 nur 0,2% im Jahresvergleich. Niedrige Zinsen und staatliche Anreizmaßnahmen in Verbindung mit einer Erholung der globalen Wirtschaft gaben den Exporten, der Produktion und dem inländischen Konsum Auftrieb. Zur Stützung der Wirtschaft ließ die Zentralbank ihren Leitzinssatz unverändert, der sich auf einem Rekordtief von 2% befindet. Die Ratingagentur für Investitionen, Moody’s, stufte das Rating für die südkoreanischen Staatsanleihen aufgrund der Widerstandsfähigkeit des Landes gegenüber der globalen Krise von A1 auf A2 herauf. Die Befürchtungen eines Krieges zwischen Nord- und Südkorea verstärkten sich im Mai, nachdem die Regierung Beweise dafür vorgebracht hatte, dass die jüngste Versenkung eines südkoreanischen Marineschiffes von einem nordkoreanischen Torpedo verursacht wurde. Trotz aller geopolitischen Sorgen ist die Wirtschaft Südkoreas dennoch weiterhin gewachsen. Im politischen Bereich hat die regierende Große Nationalpartei (GNP) sechs der 16 im Juni abgehaltenen Provinz- und Kommunalwahlen gewonnen.
Das BIP-Wachstum stieg in Indien im Jahresvergleich von 6,5 % im 4. Quartal 2009 auf 8,6% in den ersten drei Monaten des Jahres 2010. Im Finanzjahr 2009/10 wuchs das BIP im Jahresvergleich um 7,4%. Im Finanzjahr davor waren es 6,7% im Jahresvergleich. Eine kräftige Zunahme der Exporte, Produktion und Dienstleistungen stützte im 1. Quartal 2010 das Wirtschaftswachstum. Das Wachstum des Privatkonsums jedoch verlangsamte sich im Jahresvergleich von 5,3% im 4. Quartal 2009 auf 2,6% im 1. Quartal. Zu diesem Rückgang könnte die gestiegene Inflation beigetragen haben. Im März stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich sprunghaft um 14,9% an. Dies war bereits der neunte Monat in Folge mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Grund dafür waren zum großen Teil die höheren Lebensmittelpreise infolge schwacher Regenfälle. Im April setzte die indische Zentralbank im Rahmen ihrer Maßnahmen zur Normalisierung der Zinsen und zur Eindämmung der Inflation ihre restriktive Geldpolitik mit einer zweiten Zinserhöhung fort. Die Zinsen für echte und umgekehrte Repo-Geschäfte wurden um 25 Basispunkte (0,25%) auf jeweils 5,25% bzw. 3,75% angehoben. Ebenso wurde der Mindestreservesatz für Banken von 5,75% auf 6,0% erhöht. Eine kräftige Inlandsnachfrage sorgte in Brasilien im 1. Quartal 2010 für das höchste BIP-Wachstum seit mehr als 10 Jahren. Dieses hatte sich mehr als verdoppelt. Es stieg im Jahresvergleich von 4,3% im letzten Quartal des Jahres 2009 auf 9,0% im 1. Quartal 2010. Der Privatkonsum erhöhte sich im Quartal im Jahresvergleich um 9,3%. Dem steht ein Wachstum im letzten Quartal des Jahres 2009 von 7,7% im Jahresvergleich gegenüber. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze begann sich jedoch im April zu verlangsamen, da Steuervergünstigungen allmählich ausliefen. Die Umsätze stiegen jedoch nach wie vor im Jahresvergleich um beachtliche 9,1%, verglichen mit 15,7% im März im Jahresvergleich. Während des Quartals ging die Zentralbank aufgrund von Sorgen um eine Überhitzung und eines wachsenden Inflationsdrucks zu einer restriktiven Geldpolitik über. Sie erhöhte ihren Leitzins um 150 Basispunkte (1,5%) von einem Rekordtief von 8,75% zu Beginn des Quartals auf 10,25%.
Das BIP-Wachstum in Südafrika beschleunigte sich im Quartalsvergleich von 3,2% im letzten Quartal 2009 auf 4,6% im 1. Quartal 2010. Zu den Hauptwachstumstreibern gehörten die Produktions- und Bergbausektoren, die von einer Erholung der globalen Nachfrage profitierten. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze stieg im April weiter an und betrug im Jahresvergleich 3,2%. Demgegenüber lag es im Jahresvergleich im März 2010 bei 2,7% und im Oktober 2009 bei -4,4%. Die Inlandsnachfrage könnte von der Fußballweltmeisterschaft 2010, die im Juni begann, weiter profitieren. Während des Quartals beließ die südafrikanische Zentralbank den Zinssatz bei 6,5%, dem niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren, nachdem sie ihn Ende März unerwartet um 50 Basispunkte (0,5%) gesenkt hatte. Die Inflation ging auf ihren niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren zurück und blieb im Rahmen der von der Zentralbank anvisierten Bandbreite von 3%-6%. Hauptsächlich aufgrund niedrigerer Transportkosten stiegen die Verbraucherpreise im Mai im Jahresvergleich nur um 4,6%. Im April waren es im Jahresvergleich 4,8% gewesen. Im 1. Quartal 2010 wuchs die Wirtschaft Russlands im Jahresvergleich um 2,9%, da die Anreizmaßnahmen der Regierung sowie die höheren Ölpreise und niedrigeren Zinsen die Binnenwirtschaft unterstützten. Demgegenüber ging das BIP im gesamten Jahr 2009 um 7,9% im Jahresvergleich zurück. Mit einer Steigerung der Produktion um 12,6% im Jahresvergleich verzeichnete der Industriesektor im Mai weiterhin eine zweistellige Wachstumsrate. Dies war hauptsächlich auf das starke Wachstum der verarbeitenden Industrie zurückzuführen. Die Zentralbank behielt während des Quartals ihren expansiven geldpolitischen Kurs im Rahmen der Bemühungen zur Stimulierung der Binnenwirtschaft bei. Die Bank senkte ihren Leitzins um 50 Basispunkte (0,5%) auf 7,75%. Darüber hinaus nahm die Regierung im April erstmals seit über zehn Jahren durch internationale Anleihen 5,5 Mrd. US-Dollar auf, was Vertrauen in die russische Wirtschaft signalisiert. Vertreter Russlands und der Europäischen Union trafen sich zu einem zwei Tage dauernden Gipfel, der mit einer Vereinbarung beider Seiten über eine Zusammenarbeit mit Blick auf eine Modernisierung endete. In der Türkei sorgte das im letzten Quartal von 2009 verzeichnete Wachstum von 6% im Jahresvergleich für einen teilweisen Ausgleich der in vorangegangenen Quartalen verbuchten Rückgänge. Dadurch reduzierte sich der Abschwung für das gesamte Jahr 2009 auf 4,9%, ein Niveau, das viel besser war, als der Markt erwartete. Der Industriesektor wuchs weiterhin kräftig. Im April stieg die Produktion im Jahresvergleich um 17,0%. Dies war bereits der fünfte Monat in Folge mit einem Wachstum in zweistelliger Höhe. Der Inflationsdruck begann sich im Mai abzuschwächen, nachdem die Preise ihren höchsten Stand seit mehr als einem Jahr erreicht hatten. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai im Jahresvergleich um 9,1%. Im April waren es im Jahresvergleich 10,2% gewesen. Der russische Präsident Dmitri Medwedew besuchte im Mai die Türkei und signalisierte damit positive Entwicklungen bei den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Türkei gab zudem ihre Bereitschaft bekannt, mit Malaysia Gespräche über eine Freihandelsvereinbarung zu beginnen. Ausblick Angesichts der Unsicherheit im Hinblick auf die wirtschaftliche Erholung und die finanzielle Stabilität von Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und anderen Ländern in Europa weisen die Schwellenländer weiterhin starke finanzielle und wirtschaftliche Fundamentaldaten auf. Viele Schwellenländer verzeichneten im 1. Quartal 2010 ein starkes BIPWachstum, das von kräftiger Inlandsnachfrage und der Einführung von staatlichen Anreizmaßnahmen getragen wurde. Die Devisenreserven blieben ebenfalls auf einem hohen Niveau und ermöglichten den Schwellenländern, externe finanzielle Schocks zu verkraften. Das soll natürlich nicht heißen, dass die Aktienmärkte in den Schwellenländern gegen die Volatilität der globalen Märkte immun sind. Unseres Erachtens bieten diese kurzfristigen Korrekturen Anlegern jedoch attraktive Einstiegschancen, da Bewertungen auf ein attraktives Niveau fallen. Langfristig gesehen bieten die Schwellenländer Anlegern weiterhin eine reizvolle Anlagemöglichkeit. Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Asset Management Ltd
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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