Fidelity European Growth Fund: Vier Wachstumsthemen im Visier
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Alexander Scurlock ist Fondsmanager des Fidelity Funds - European Growth Fund.
Nach seinem MA-Abschluss an der Oxford University und einem MBA-Abschluss an der
Graduate School of Management in Lausanne war Alexander Scurlock als
Management Consultant in der Finanzbranche tätig.
1994 kam er als Analyst zu Fidelity und war in dieser Funktion an der Verwaltung
britischer und kontinentaleuropäischer Portfolios beteiligt. 1996 wurde er zum
Director of Research ernannt und war somit für das gesamte Team europäischer
Analysten verantwortlich. Seit 2007 leitet er den Fidelity European Growth Fund.
Derzeit erholt sich die Weltwirtschaft schrittweise, quasi von Tag zu Tag.
Während sich in einigen Regionen das strukturbedingte Wachstum fortsetzt,
etwa in den Schwellenländern, ist in anderen Teilen der Welt, wie z.B. in den
USA, eine zyklische Erholung zu beobachten. Etwas komplexer ist die Lage in
Europa, wo einige Länder noch in besonderem Maße mit den Folgen der Krise zu
kämpfen haben. Gleichwohl geht es auch auf dem alten Kontinent langsam
aufwärts, beflügelt durch den zunehmend positiven Ausblick für die Weltwirt-
schaft und den schwächeren Euro, der Exporteuren unter die Arme greift.
WO STEHEN WIR HEUTE?
Von ihrem Tief im März 2009 haben sich die Aktienmärkte inzwischen fulminant erholt
und über 50% der Verluste wieder wettgemacht. Viele Beobachter fragen sich deshalb,
ob Aktien nun fair bewertet sind. Das ist aus meiner Sicht nicht der Fall. Das Shiller-
KGV für den Markt, das den durchschnittlichen Gewinn je Aktie über 10 Jahre misst,
deutet an, dass die Bewertungen nach wie vor um mehr als eine Standardabweichung
unter dem Mittelwert liegen. Das ist das erste Mal seit über 25 Jahren, dass Aktien so
günstig bewertet sind, und ich bin davon überzeugt, dass sie mittelfristig wieder ihren
Durchschnittswert erreichen werden.
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Im letzten Jahr konnten wir den typischen Übergang von einer Phase der „Verzweiflung“ in eine Phase der „Hoffnung“ beobachten. So schichteten Anleger parallel zum sich bessernden Ausblick ab März 2009 aus sicheren in riskantere Anlagen um. Diese Hoffnungsphase kann als erste Etappe der Konjunkturerholung betrachtet werden, in der Anleger ihr Augenmerk wieder mehr auf das Risiko richten. Gewinn- oder Dividendenwachstum messen sie dabei eine deutlich geringere Bedeutung bei. In dieser Phase kann der Markt geraume Zeit nach oben streben, ohne dass die Gewinne wirklich wachsen. Damit aber eine echte Erholung Fuß fassen kann, müssen die Gewinne der Unternehmen wieder steigen. Ist das der Fall, hat die Erholung ihre zweite Phase erreicht. Aus meiner Sicht befinden wir uns heute genau an dieser Schwelle. Hierzu passt, dass die Anleger vor allem in puncto Cashflow wieder mehr von den Unternehmen erwarten. WELCHE MÖGLICHEN HÜRDEN MÜSSEN IN EUROPA ÜBERWUNDEN WERDEN? Beim Wachstumsausblick präsentiert sich Europa derzeit zweigeteilt: Einige Länder im Süden und Westen wie Griechenland, Portugal, Irland und Spanien werden wohl auch 2010 ein negatives BIP-Wachstum verbuchen. In anderen Ländern im Norden und Osten, darunter Deutschland und Frankreich, wird hingegen mit steigenden BIP-Zahlen gerechnet. Zu den zentralen Problemen, denen sich die Länder in Europa gegenüber sehen, gehört die steigende Staatsverschuldung, die momentan in den Spreads von Eurolandanleihen reflektiert wird. Einige Länder leiden zudem unter einer enormen Arbeitslosigkeit. Hier ist vor allem Spanien zu nennen, das Ende Dezember 2009 mit einer Arbeitslosenquote von fast 20% zu kämpfen hatte. Einige europäische Länder müssen also große Hürden überwinden, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Das gilt umso mehr angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks aus den Schwellen- und Entwicklungsländern. Daher überrascht es kaum, dass es den europäischen Ländern mit den niedrigsten Lohnstückkosten wie Deutschland und Frankreich besser geht als jenen mit deutlich höheren Lohnstückkosten, darunter Spanien, Griechenland und Irland. Wenig wahrscheinlich ist gleichwohl, dass die Probleme von Portugal, Irland, Griechenland und Spanien auf den Rest Europas übergreifen oder das Wachstum in anderen Ländern bremsen werden. Vielmehr scheint der politische Wille vorhanden, einen Staatsbankrott in der Region abzuwenden. Sollte sich die Situation in einem der in Schieflage geratenen Länder deutlich verschlechtern, ist es sehr wahrscheinlich, dass entgegen jüngsten Beteuerungen Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten in die Bresche springen werden. In diesem Fall könnten den betreffenden Ländern jedoch noch härtere Einschnitte drohen, als sie bereits heute hinnehmen müssen. Natürlich haben die aktuellen Haushaltsprobleme in Europa ihre Spuren hinterlassen. So hat der Euro deutlich abgewertet, was auf der anderen Seite aber der europäischen Exportwirtschaft zugute kommt, deren Produkte damit auf dem Weltmarkt wieder wettbewerbsfähiger geworden sind. Sollte die Einheitswährung weiter an Wert verlieren, dürften davon vor allem Exportfirmen wie etwa deutsche Autohersteller oder französische Luxusgüterfirmen profitieren, denn dann dürfte die Nachfrage aus Asien und den Schwellenländern nach ihren Produkten steigen. WIE MAN VOM WACHSTUM IN EUROPA PROFITIERTEN KANN Wachstumschancen mache ich zunächst einmal bei Unternehmen aus, die aus den Turbulenzen der beiden letzten Jahre gestärkt hervorgegangen sind und heute einen Vorsprung gegenüber ihren Wettbewerbern innehaben. Ein interessantes Beispiel hierfür sind Investmentbanken. Nach dem Zusammenbruch zahlreicher großer Banken im Verlauf der Kreditkrise hat sich die Zahl der Wettbewerber deutlich verkleinert, die nun den verbleibenden Markt unter sich aufteilen. Zweifellos ist mit verstärkter Regulierung im Bankensektor zu rechnen. Ich glaube aber, dass die Regierungen hierbei maßvoll vorgehen werden, da eine Bestrafung von Banken negative Folgen für die Volkswirtschaften in diesen Ländern hätte. Anleger sind auf Investmentbanken derzeit nicht gut zu sprechen, weshalb der Zeitpunkt für eine Anlage in sie günstig ist. Ein gutes Beispiel für eine europäische Investmentbank, der das aktuell förderliche Wettbewerbs- und Marktumfeld zugute kommt, ist die Deutsche Bank. Ihr ist es gelungen, ihren Marktanteil in nahezu allen Geschäftsfeldern auszuweiten. Gestärkt aus der Krise hervorgegangen ist auch Barclays, das einzelne Sparten von Lehman übernommen hat und auf Direkthilfen der britischen Regierung verzichten konnte. Der zweite Bereich, in dem sich aus meiner Sicht derzeit attraktive Anlagechancen bieten, ist der Bereich Technologie und Innovation. Beispielhaft sei hier die jüngste Generation der extrem beliebten Smartphones genannt, die den Nutzern eine riesige Bandbreite spannender Anwendungen bieten. Um diese Anwendungen jedoch schnell ausführen zu können, muss die Speicherkapazität der Smartphones ständig erweitert werden. Dies wird durch die NAND-Technologie von Unternehmen wie Samsung ermöglicht. Um der steigenden Nachfrage nach immer mehr Speicherplatz nach- zukommen, bezieht Samsung von ASML aus den Niederlanden die dazu erforderliche Anlagentechnik. Das Aufspüren eines Unternehmens wie ASML ist ein gutes Beispiel für das Puzzleprinzip, das meinem Stockpicking-Prozess zugrunde liegt. Dabei schaue ich mir Ersatzprodukte, Wettbewerber und Zulieferer genau an, um festzustellen, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette die attraktivsten Chancen verborgen sind.
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Drittens sind sich die staatlichen Stimulierungspakete erst jetzt so langsam spürbar. Der Großteil der Ausgaben wird in diesem Jahr getätigt. Den Schwerpunkt legen die Maßnahmen auf Bereiche wie die Infrastruktur. Entsprechend stark dürfte daher die Nachfrage nach Rohstoffen sein, um diese Entwicklung zu untermauern. Das dürfte die Rohstoffpreise für geraume Zeit stützen, weshalb ich derzeit Werkstofftitel übergewichtet habe. Das Stahlunternehmen ArcelorMittal ist beispielsweise ein Titel im Portfolio, der von diesem Trend profitieren dürfte, da es Produkte zum Aufbau dieser neuen Infrastruktur herstellt. Der vierte und letzte Bereich von besonderem Interesse für mich sind die Schwellenländer. An diesen Märkten lässt sich ein Engagement auf viele verschiedene Arten und Weisen aufbauen. Besonders spannend ist aus meiner Sicht die zunehmende Kaufkraft der Verbraucher in den Schwellenländern. Richmond, der Schweizer Uhrenhersteller, musste beispielsweise im vierten Quartal einen empfindlichen Umsatzrückgang in den USA und in Europa hinnehmen. Im gleichen Zeitraum aber stieg sein Umsatz in China beträchtlich. Viele Anleger sind der Überzeugung, dass die Emerging Markets auf absehbare Zeit stärker wachsen werden als die Märkte in den Industrieländern. Ich meine jedoch, dass die besten Anlageideen aus allen Teilen der Welt kommen können. Denn schließlich müssen diese Märkte mit Gütern und Wissen versorgt werden, die sie brauchen und die ihre Verbraucher nachfragen. Von diesem Trend dürften zahlreiche Unternehmen aus Europa profitieren. FAZIT Im Rahmen meiner persönlichen Gespräche mit zahlreichen Unternehmen stoße ich derzeit nahezu überall auf vorsichtigen Optimismus. Viele Unternehmen warten erst einmal ab, bevor sie von einer echten Besserung der Lage sprechen. Dieser vorsichtige Optimismus kommt auch in zahlreichen Umfragen und Indizes zum Ausdruck. Wann und wie die geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen zurückgenommen werden, bleibt ein zentraler und nach wie vor eher unsicherer Faktor in allen Prognosen. Der Ausblick für die Weltwirtschaft hellt sich derzeit schrittweise auf, und Europa schwimmt auf dieser Welle mit nach oben. Auch wenn uns in nächster Zeit ein holpriger Weg bevorstehen könnte, ist eine langsame Rückkehr zur Normalität unverkennbar. In diesem Umfeld gewichtet der Fidelity European Growth Fund die Bereiche Konsumgüter, Grundstoffe, Finanzunternehmen und Gesundheit über, da ich in diesen Branchen zahlreiche Anlagechancen ausmache. Untergewichtet habe ich Verbrauchsgüter, Versorger, Energie und Telekommunikationsunternehmen, da ich hier momentan weniger Potenzial sehe. Allerdings dürfte die Erholung in Europa diesmal vor allem von den Kern- und weniger von den Peripherieländern ausgehen. Staatsdefizite und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt bremsen viele Volkswirtschaften in Süd- und Westeuropa aus. Real gesehen und mit anderen Vermögenswerten verglichen, präsentieren sich die Bewertungen an den europäischen Aktienmärkten gegenwärtig als attraktiv. Damit die Märkte ihren Aufwärtstrend jedoch fortsetzen können, braucht es ein echtes Gewinnwachstum. In diesem Zusammenhang ist die Einzeltitelauswahl ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, Unternehmen aufzuspüren, die gestärkt aus der Krise hervorgegangen sind. Solche Stockpicking-Chancen finde ich derzeit in vier Kernbereichen: struktureller Wandel der Wettbewerbslandschaft, Technologie und Innovation, Unternehmen, die von den staatlichen Stimulusprogrammen profitieren sowie Engagement in den Schwellenländern. RISIKOHINWEIS Der Fidelity European Growth Fund ist ein Aktienfonds. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Der Fonds hält einen Teil seiner Investments in Fremdwährungen. Aufgrund der Anlage in Fremdwährungen kann er durch Wechselkursänderungen Wertverluste erleiden.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.