06.10.2009
Strategieausblick Sarasin: Das „Goldlöckchen“-Szenario treibt die Kapitalmärkte weiter an
Köln, den 06.10.2009 (Investmentfonds.de) -
Trotz der Anzeichen für eine Beschleunigung der globalen
Konjunkturerholung wollen nervöse Notenbanker und eingeschüchterte
Politiker das geldpolitische Umfeld noch günstiger gestalten. Dem
aktuellen Strategieausblick der Sarasin Gruppe zufolge dürften globale
Aktien trotz der jüngsten Gewinne weiter zulegen, da die Anleger
Bareinlagen mit Zinsen nahe Null meiden. Wie die Autoren Burkhard
Varnholt, Chief Investment Officer, und Guy Monson, Präsident des
Investment Policy Committee von Sarasin, feststellen, wird die
Anlegerstimmung durch den Unwillen der Notenbanker, die Stimulusprogramme
zu beenden, zusätzlich beflügelt.
Als Folge haben extrem niedrige Zinsen und vielversprechende
Wirtschaftsdaten eine der stärksten Rallies bei riskanteren Anlagen
der jüngsten Marktgeschichte ausgelöst und damit unsere Prognose im
Strategieausblick vom Juli bestätigt. Die exportorientierten
Volkswirtschaften erleben einen massiven bestandsbasierten Aufschwung und
in vielen Ländern bleibt die Arbeitslosigkeit hinter den Schätzungen der
Ökonomen zurück. Dennoch besteht weiter Anlass zur Sorge: Der US-Häusermarkt
hängt noch immer in einem zu hohen Maße von staatlichen Unterstützungen ab,
und die Diskussion über die beispiellos hohe ungenutzte Produktionskapazität
in den globalen Volkswirtschaften hält weiter an. Dies hält die politischen
Entscheidungsträger davon ab, Stimulusprogramme zu früh zu beenden, denn
man möchte verhindern, dass sich die Situation von Japan Mitte der 1990er
Jahre auf globaler Ebene wiederholt.
Guy Monson, Präsident des Investment Policy Committee
«Das «Goldlöckchen»-Szenario (bei dem das Wachstum stark genug ist, um die
Unternehmensgewinne zu steigern, gleichzeitig aber ausreichend schwach ist, um
die Notenbanken von einer Zinsstraffung abzuhalten), welches wir in der letzten
Ausgabe des Strategieausblicks vorsichtig in Aussicht gestellt hatten, bestimmt
derzeit unsere Strategie. Wie wir erwartet hatten, sind die Anleger mittlerweile
zuversichtlich, Zinsen nahe Null für Bareinlagen entgehen zu können. Zudem
interessieren sich die Anleger angesichts der niedrigen Anleiherenditen wieder
stärker für Aktienmarktanlagen. In Anbetracht der einzigartigen Auf- und
Abwärtsrisiken für die globale Wirtschaft verfolgen wir nun einen taktischen
Ansatz.»
Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer
«Da sich das «Goldlöckchen»-Szenario bewahrheitet hat, müssen wir nach den drei
Bären Ausschau halten. Die möglichen Risiken sind: 1. Die Unsicherheit darüber,
ob die Schwellenmärkte in der Lage sind, einen etwaigen dramatischen Rückgang des
US-Konsums abzufedern. 2. Die Unfähigkeit der globalen Wirtschaftsmächte, auf die
Grundlage der globalen Ungleichgewichte – die Wechselkurssysteme – einzuwirken.
3. Eine ungeordnete Dollar-Abwertung, denn die US-Währung spielt nicht mehr die
Rolle einer globalen Reservewährung, sondern die einer globalen Carry-Trade- bzw.
Finanzierungswährung.»
Zwei Hauptrisiken für die Erholung der globalen Wirtschaft
Sarasin erkennt zwei Hauptrisiken für die Erholung der globalen
Wirtschaft. Zum einen reicht der Konsumanstieg in den Schwellenländern
möglicherweise nicht aus, um den Konsumrückgang in den USA infolge
steigender Sparquoten auszugleichen. Der einfachste Anpassungsmechanismus
wäre sicherlich eine Neubewertung der Schwellenmarktwährungen, die durch
eine Steigerung der Kaufkraft die sparsamen Verbraucher zu Käufen anregen
würde. Ein solches Szenario ist jedoch unwahrscheinlich. Sarasin erwartet
daher, dass der Dollar-Block weiterhin durch diese nicht dauerhaft
haltbaren Wechselkurse eingeschränkt bleibt, sodass sich die G20-
Notenbanken mit inflationären Impulsen konfrontiert sehen werden, die
gegenläufig sind und außerhalb ihres Einflussbereichs liegen. Das zweite
wesentliche Risiko ist eine ungeordnete Dollar-Abwertung, denn die US-Währung
spielt nicht mehr die Rolle einer globalen Reservewährung,
sondern die einer globalen Carry-Trade- bzw. Finanzierungswährung
(vielleicht wird sie über weite Strecken des laufenden Jahrzehnts die
bisherige Position des Yen einnehmen).
Auswirkungen auf unsere globale Anlagestrategie
Eine ausschließlich reflationsbasierte Asset Allocation wäre verlockend.
In Anbetracht des Ausmaßes und der Dauer der laufenden Rally, des
Anstiegs der Bewertungsniveaus sowie der einzigartigen Auf- und
Abwärtsrisiken empfiehlt Sarasin jedoch einen breiteren, taktischeren
Ansatz. Sarasin rät den Anlegern, ihre Positionen in Unternehmensanleihen
leicht zu reduzieren. Langfristig erkennen wir strategische Chancen bei
Schwellenmarktanleihen, weshalb wir den Anlegern empfehlen, auf
Staatsanleihen und Schwellenmarkt-Anleihefonds von Drittanbietern zu
setzen. Wir stellen unsere auf China fokussierte Strategie nunmehr auf
ein breiteres Portfolio um, in dem Südamerika, Osteuropa, die Golf-
Staaten und gegebenenfalls Afrika Berücksichtigung finden. Der
Schwerpunkt des verbleibenden China-Exposure wird auf inländischen
Wachstumsthemen liegen, wobei vor allem die inländische Konsumnachfrage,
Bildung und Gesundheit zu nennen sind. Überdies empfiehlt Sarasin ein
signifikantes Aktien-Exposure, wobei wir im Rahmen unseres Themas
Unternehmensrestrukturierung einen besonderen Schwerpunkt auf Finanzwerte
legen. Daneben raten wir den Anlegern, ihre Positionen in physischem Gold
und ihr globales Immobilienengagement zu erhöhen.
Weitere Auskünfte:
Dr. Benedikt Gratzl | Head of Corporate Communications, Media
Relations
T: +41 (0)61 277 70 88 | E-Mail: benedikt.gratzl@sarasin.ch
Quelle: Investmentfonds.de