Mark Mobius (Franklin Templeton): Der Reiz der Schwellenländer
Mark Mobius, Schwellenländer-Experte bei Franklin
Templeton und Fondsmanager des Templeton Emerging
Markets Fund,nimmt im aktuellen Emerging
Markets-Kommentar unter anderem zum Thema des Monats
„Der Reiz der Schwellenländer“ Stellung:
Die Emerging Markets verbuchten im August
uneinheitliche Ergebnisse. Der MSCI Emerging Markets
Index beschloss den Monat praktisch unverändert. Für
dieses Jahr beträgt das Plus der Schwellenländer aber
bisher noch 51%. Während die osteuropäischen und
lateinamerikanischen Märkte weiter Gewinne verbuchten,
büßten die asiatischen, die vom MSCI AC Asia ex Japan
repräsentiert werden, 3% ein. Sorgen um eine
Verschärfung der Politik in China belasteten die Märkte der
Region. Thailand, Pakistan und Südkorea trotzten dem
Trend dagegen und wiesen für August positive Ergebnisse
aus. In Osteuropa profitierten die Märkte von fallenden
Zinsen und nachlassender Angst vor einer Kreditklemme.
Südafrika stand mit einem Gewinn von 6% in US-Dollar
besser da als andere Schwellenländer. In Lateinamerika
gehörten Argentinien und Mexiko zu den ertragsstärksten
Märkten.
Aktuelles aus den Regionen
Chinas Premier Wen Jiabao zerstreute Ängste vor einem
Anziehen der politischen Zügel, indem er mitteilte, dass die
Regierung an ihrer makroökonomischen Politik festhalten
werde, um weiter für Wachstum der heimischen Wirtschaft
zu sorgen. Ferner kündigte die Zentralbank an, die
Währungspolitik werde zur Wachstumsförderung eher
locker bleiben. Die Direktinvestitionen aus dem Ausland
(FDI) gingen im Juli im Jahresvergleich um 36% auf
5,4 Mrd. US-Dollar zurück. Fürs laufende Jahr liegen sie
bis Juli damit bei 48,4%. Die Anlageinvestitionen stiegen
im ersten Halbjahr 2009 dagegen um ganze 34%
gegenüber dem Vorjahr. Die Einzelhandelsumsätze
nahmen im Juli aufgrund höherer Nachfrage nach Autos
infolge staatlicher Anreize im Jahresvergleich um 15% zu.
Um die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen
China und Pakistan zu intensivieren, kam Pakistans
Präsident Asif Ali Zardari im August nach China, wo beide
Länder acht Vereinbarungen in Sektoren wie Energie,
Landwirtschaft und Gesundheitswesen unterzeichneten.
Der Chef der Bank of Korea, Lee Seong-tae, beurteilte das
Wirtschaftswachstum Südkoreas weiter positiv. Trotz
diverser Unsicherheiten rechnet Lee für die zweite Hälfte
2009 im Quartalsvergleich mit positivem Wachstum, zum Teil
aufgrund einer Erholung im privaten Sektor. Außerdem beließ
die Bank ihren Leitzins auf einem Rekordtief von 2%, um die
Wirtschaft zu stützen. Der Inflationsdruck ließ weiter nach.
Die Verbraucherpreise stiegen im Juli im Jahresvergleich um
2% – so gering wie seit über neun Jahren nicht. Im
Berichtsmonat kündigte die Regierung Pläne zur
Privatisierung oder Verschmelzung von 41 staatseigenen
Betrieben an. Außerdem will sie noch in diesem Jahr
Beteiligungen an Unternehmen veräußern, die während der
Finanzkrise mit öffentlichen Mitteln unterstützt worden waren.
In Mexiko schrumpfte das BIP im 2. Quartal 2009 infolge der
globalen Wirtschaftskrise und des Ausbruchs der
Schweinegrippe im Jahresvergleich um 10%. Im 1. Quartal
des Jahres war es dagegen um 8% zurückgegangen.
Rückläufige Zahlen aus den Sektoren Produktion, Bau und
Einzelhandel hatten das BIP im Berichtszeitraum gedrückt.
Im Bergbau war der Output dagegen nach mehr als
zweijährigem Rückgang gestiegen, während der Primärsektor
im Vergleich zum Vorjahr um 1% wuchs. Die Staatschefs der
USA, Kanadas und Mexikos trafen sich im Berichtsmonat zu
ihrem jährlichen Gipfel im mexikanischen Guadalajara. Dort
wurde zwar die Bedeutung des fortgesetzten Dialogs zur
Sicherung des Wirtschaftsaufschwungs betont, aber keine
wichtigen Vereinbarungen getroffen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) lobte Brasiliens
fundamentale makroökonomische Stärke, die es dem Land
erlaube „seine Widerstandskraft gegen die globale
Wirtschaftskrise zu steigern“ und finanzielle Stabilität zu
wahren. Die Organisation äußerte auch Zuversicht in Bezug
auf Brasiliens Bankensektor. Das Kreditwachstum hat sich
erhöht. Die Kreditvergabe der Banken nimmt seit vier
Monaten in Folge zu. Damit liegt die Steigerung für das Jahr
bis Juni im Jahresvergleich bei 20%. In anderen
Wirtschaftsbereichen weist die Industrieproduktion im Juni
den sechsten Monat mit monatlichen Steigerungsraten in
Folge aus. Die Autoproduktion ging dagegen im Juli im
Monatsvergleich um 1% zurück.
Die südafrikanische Wirtschaft schrumpfte im 2. Quartal
gegenüber dem 1. um 3%. Das ist das dritte
Quartalsminus in Folge, aber gegenüber der im 1. Quartal
2009 verzeichneten Kontraktion um 6% eine deutliche
Verbesserung. Verantwortlich waren vor allem die
Sektoren Produktion, Groß- und Einzelhandel und
Gastronomie. Positiv auf das BIP wirkten sich dagegen
verstärkte Aktivität im Bau und Bergbau im Vorfeld der
Fußball-WM 2010 und eine Erholung der chinesischen
Rohstoffnachfrage aus. Als Signal für eine wahrscheinliche
Annäherung zwischen den USA und Südafrika besuchte
US-Außenministerin Hillary Clinton im August Südafrika,
wo sie auch mit Präsident Jacob Zuma zusammentraf.
In Russland ging das BIP im 2. Quartal 2009 im
Jahresvergleich gegenüber 9,8% in den ersten drei
Monaten des Jahres um 11% zurück. Zu den Gründen für
diese Entwicklung zählte vor allem Schwäche bei
Auslandsnachfrage, Investitionen und Konsum. Neuere
Daten belegten jedoch eine anhaltende Steigerung der
Industrieproduktion. Der Output im Jahresvergleich
erhöhte sich im Juli um 5% auf 10%. Um die öffentlichen
Ausgaben zu senken, will die russische Regierung 2010
Gehälter im öffentlichen Sektor und Subventionen
einfrieren. Für 2010 wird mit einem Haushaltsdefizit von
8% des BIP gerechnet. Russland und die Türkei
unterzeichneten Energieabkommen sowie eine
Zollvereinbarung, um die Handelsbeziehungen zu
verbessern. Russland billigte außerdem ein Protokoll über
die Nutzung von Kernenergie durch die Türkei.
Die türkische Zentralbank setzte ihren expansiven
währungspolitischen Kurs im August fort, um die heimische
Wirtschaft zu stützen. Sie senkte ihren Leitzins um 50
Basispunkte (0,5%) auf 7,75%. Die Inflation ging weiter
zurück. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli im
Jahresvergleich um 5% gegenüber 6% im Juni und lagen
damit unter dem Inflationsziel der Bank von 8% am
Jahresende. Die Türkei und Russland unterzeichneten
Energieabkommen und eine Zollvereinbarung, um ihre
Handelsbeziehungen zu verbessern. Russland billigte
ferner ein Protokoll zur Nutzung von Kernenergie durch die
Türkei.
Thema des Monats: Der Reiz der Schwellenländer
Vor über 20 Jahren bot sich den Investoren bei der
Aktienanlage erstmals eine Alternative zu den
vorherrschenden Industrieländern wie den USA,
Großbritannien und Japan. 1987 war das Konzept vom
„Emerging Market” noch neu und die Anlagemöglichkeiten
begrenzt. Das hat sich seither drastisch verändert.
Schwellenländeraktien sind für internationale Investoren
immer mehr zu maßgeblichen Alternativen geworden.
Investoren werden von einem Bereich angezogen, der
einerseits für die Kapitalanlage attraktiv erscheint, weil er
potenziell höhere Erträge bietet, andererseits jedoch
problematisch, da er mit ganz anderen Risiken und Chancen
einhergeht. Im Zuge des Strebens nach
überdurchschnittlichen Renditen werden jedoch deutlich mehr
Mittel in die Anlagekategorie dieser aufstrebenden Märkte
gelenkt.
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Die Portfoliozuflüsse in Emerging Markets betrugen seit 1995 insgesamt über 123 Mrd. US-Dollar. Das ist eine beträchtliche Summe – vor allem unter Berücksichtigung der 2008 infolge der globalen Finanzkrise per Saldo abgezogenen 49 Mrd. USDollar. Der Aufschwung in den Schwellenländern und die Jagd nach reizvollen Anlagegelegenheiten ließen diese Mittel jedoch rasch wieder zurückfließen. Die Zuströme in den ersten sieben Monaten 2009 betrugen insgesamt mehr als 44 Mrd. US-Dollar. Das sind knapp 90% der im ganzen letzten Jahr verzeichneten Abflüsse. Emerging Markets bieten eine Reihe maßgeblicher Vorteile und es gibt sehr gute Gründe für Investoren, sie langfristig positiv zu beurteilen. An erster Stelle steht dabei, dass das globale Wachstum zwar nachgelassen hat, doch die Schwellenländer immer noch deutlich kräftiger wachsen dürften als die Industrieländer. Für 2010 wird für die Emerging Markets ein Wachstum von durchschnittlich 4% prognostiziert, für die Industrieländer dagegen keines. Obwohl sich der globale Konjunkturabschwung auf die Schwellenländer ausgewirkt hat, unterliegen diese immer stärkeren binnenwirtschaftlichen Einflüssen. Staatsausgaben in Bereichen wie Infrastruktur, aber auch der private Konsum im eigenen Land werden den Rückgang des Wachstums infolge schwächerer Exporte zumindest teilweise ausgleichen. Auch das Dienstleistungsgewerbe gewinnt an Bedeutung – vor allem in China und Indien. Ein weiterer wichtiger Faktor, der zum Wachstum in den Emerging Markets beiträgt, sind die dort ansässigen Verbraucher. Deren allein schon zahlenmäßig besondere Bedeutung haben wir bereits betont: In China und Indien etwa sind es jeweils über eine Milliarde. Auf die Schwellenländer entfallen mehr als 80% der Weltbevölkerung. Angesichts steigenden Wirtschaftswachstums und nachlassender Zunahme der Bevölkerung erhöht sich das Pro-Kopf-Einkommen. Unserer Ansicht nach liegen Märkte wie China, Indien und Brasilien diesbezüglich an der Spitze. In Bezug auf die Stabilität und Sicherheit der Schwellenländer ist unbedingt auf die Anhäufung von Devisenreserven hinzuweisen, die dafür sorgt, dass aufstrebende Volkswirtschaften externe Schocks weitaus besser verkraften als beispielsweise vor zehn Jahren. So hat kein Land der Welt größere Devisenreserven als China mit über 2 Bio. US-Dollar. Ende April 2009 beliefen sich die Devisenreserven der Emerging Markets auf zusammen genommen 4 Bio. US-Dollar, die der Industrieländer dagegen nur auf 2,5 Bio. US-Dollar. Das war vor zehn Jahren noch ganz anders, als die Industrieländer mit 1.100 Mrd. US-Dollar fast doppelt so hohe Reserven hielten wie die Schwellenländer mit 668 Mrd. US-Dollar. Von besonderer Bedeutung für Value-Investoren ist dabei, dass die Emerging Markets nach wie vor reizvoller bewertet sind als die Industrieländer. Ende August 2009 betrug das KGV des Benchmark-Index MSCI Emerging Markets 16 und lag damit unter dem des MSCI World Index, der bei 21 notierte. Auf bestimmten Märkten wie Russland oder Ungarn liegen die KGVs mittlerweile im einstelligen Bereich, was sie besonders interessant macht. Neben den Emerging Markets halten wir auch die Grenzmärkte für aussichtsreich, die die Schwellenländer von morgen werden könnten. In den letzten Jahren haben wir Büros in Vietnam und Dubai eröffnet und können so die aufregenden Chancen nutzen, die sich im Nahen Osten und in der Mekong-Region ergeben. Auch Grenzmärkte wie Slowenien, Rumänien, Kroatien, Kasachstan und die Ukraine wirken allmählich ansprechend. Während die globale Wirtschaftskrise die Wachstumsdynamik verschiedener Schwellenländer unterbrochen hat, rechnen wir in diesem Sektor langfristig weiterhin mit Zuwächsen. Obwohl wir in Bezug auf das Aufwärtspotenzial der Märkte optimistisch sind, ist unbedingt zu berücksichtigen, dass nach wie vor – und vermutlich noch eine ganze Weile – Volatilität herrscht. Aus historischer Perspektive liegen die Bewertungen derzeit noch unter ihren Höchstständen und sind nicht übertrieben. Daher entdecken wir nicht nur weiterhin ausgesprochen werthaltige Titel auf Märkten wie China, Thailand, Brasilien, der Türkei und Südafrika, sondern auch Chancen auf allen Schwellenmärkten weltweit.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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