05.01.2009
K. Kaldemorgen (DWS): Ausblick 2009
Köln, den 05.01.2009 (Investmentfonds.de) - Selbst ein Fondsmanager, der auf Grund
seiner langjährigen Erfahrung nicht leicht zu beeindrucken ist, lässt beim Rückblick
die Schultern sacken: „Das schlimmste Jahr aller Zeiten”, so der Kommentar von Klaus
Kaldemorgen zum Börsenjahr 2008. Der DWS-Geschäftsführer legt Wert darauf, dass es
sich bei den jüngst erlebten Kursstürzen nicht nur um eine von vielen Krisen handelte.
„Die meisten erlebten Börsenbeben waren auf eine Anlageklasse, zum Beispiel auf
Aktien oder auf eine Region beschränkt. 2008 aber hat es nahezu alles durchgeschüttelt,
und das rund um den Globus.”
Schon beim Jahresausblick im Januar 2008 fand der Manager in DWS active mahnende Worte.
„Die Krise in den USA erinnert mich ein wenig an die Situation in Japan Anfang der
90er-Jahre. Also vor der großen Krise ...” Auch wenn er schon damals geahnt hat, dass
Ungemach droht: Die Geschwindigkeit und Intensität, mit der sich die „Subprimekrise”
in eine Kreditkrise, in eine Bankenkrise und dann in eine US-Wirtschaftskrise verwandelt
hat, um schließlich spürbare globale Verwerfungen hervorzurufen, hat auch ihn überrascht.
„Für eine Börsenerholung reicht es derzeit, wenn die Meldungen nur weniger schlecht sind.”
Doch sehr viel der schlechten Stimmung sei im Markt eingepreist. „Bundeskanzlerin Merkel
hat die Deutschen bereits auf ein schwieriges 2009 vorbereitet, auf ein Jahr der schlechten
Nachrichten. Zudem sieht im Moment alles nach einem Wettbewerb aus: Wer schafft es, noch
pessimistischer in die Zukunft zu blicken? Wir sind aber bald an einem Punkt angekommen,
an dem wir die schlechten Nachrichten akzeptieren. Dann braucht die Börse keine guten
Nachrichten, um sich zu erholen. Es reicht, wenn die Meldungen nur weniger schlecht sind.”
Historische Parallele
Auch aus dem historischen Japan-USA-Vergleich schöpft Kaldemorgen Zuversicht: „Die Politik
hat im aktuellen Fall schnell reagiert. In Japan kannte man nach Platzen der Blase Anfang
1990 lange Zeit nur ein Rezept: Zinsen runter – bis auf Null. In den USA dagegen wurden die
Banken direkt rekapitalisiert. Außerdem wurden unmittelbar Konjunkturpakete geschnürt. Die
Krise sollte daher deutlich schneller bewältigt werden.” Noch beschäftigt das Thema
Deflation die Marktteilnehmer. Die Preise für Aktien, Rohstoffe oder auch Immobilien sind
seit Monaten auf dem Rückzug. Vor allem Energie hat sich kräftig verbilligt. Was den einen
oder anderen Verbraucher vielleicht freuen mag, ist für die Wirtschaft Gift. In einem
Umfeld, in dem alles außer Geld an Wert verliert, wird ungern investiert. „Rezession und
Deflation werden zurzeit gleichgesetzt. Ich glaube aber, dass wir im Laufe von 2009 die
Kehrtwende der Geschichte erleben werden.” Der Grund: Die US-Regierung hat den Banken
inzwischen viele Schrott-Kredite abgekauft. Noch sind die Maßnahmen nicht nachfragewirksam,
da bis dato nur Löcher gestopft wurden. Aber die Mischung aus Rekapitalisierung sowie
fiskalpolitischer und monetärer Stimulation könnte ihre Wirkung schon bald entfalten.
„Dann rückt wieder das Thema Inflation in den Fokus.” Die Antwort des Fondsmanagers auf
das drohende Szenario: „Öl könnte im zweiten Halbjahr 2009 zu einem aussichtsreichen
Investment werden. Der Rohstoff und die Aktien aus dem Sektor dürften helfen, das Depot
ein Stück weit vor einer möglichen Inflation zu schützen.” Außerdem führte der zuletzt
niedrige Preis für das schwarze Gold zu einem Investitionsstopp. Neue Vorkommen wurden
kaum mehr erschlossen. Läuft die Weltwirtschaft wieder an, dürften sich die 2008
offenbarten Energie-Engpässe nur noch verschlimmern.
Von einem Comeback der Preise und damit der Öl-Notierungen sollte Russland profitieren.
Auch China gewinnt wieder an Reiz: „Bei den Emerging Markets dürfte sich die Gravitation
Richtung China manifestieren. 2009 brauchen Anleger keine Exoten, um hohe Renditen
anzustreben.” Stets zu beachten: Die Schwellenländer-Börsen leiden überproportional bei
einer weltweiten Wirtschaftskrise, und sie werden wohl auch bei einer Erholung
überproportional zulegen.
Genau an solch eine Erholung der Märkte glaubt Fondsmanager Kaldemorgen. „2010 sollte es
in den Industrienationen mit der Realwirtschaft wieder aufwärtsgehen.
Bleibt es beim alten Rhythmus, müssten die Aktienmärkte ein halbes Jahr vorher, also im
zweiten Halbjahr 2009, anziehen. Angesichts der hartnäckigen Probleme möchte ich aber
nicht von einem gesunden Wachstum sprechen. Das drohende inflationäre Umfeld dürfte
Anlegern, die von ruhigen Börsenzeiten träumen, aufs Gemüt drücken. Investoren werden in
Zukunft nicht sorglos vom Aufschwung profitieren. Sie sollten die Entwicklungen aktiv
begleiten – oder die Steuerung professionellen Fondsmanagern überlassen.”
Beim Flaggschiff-Fonds DWS Akkumula stellt Kaldemorgen bereits wieder die Weichen: „Wir
werden nach und nach aus den defensiven Branchen rausgehen und verstärkt auf Unternehmen
setzen, die von der ausschweifenden Fiskalpolitik profitieren.” Von aktuell bei vier
Prozent oder höher liegenden Dividendenrenditen lässt sich der Manager nicht blenden.
„Auch hier wird es eine Anpassung der Ausschüttungen und damit der Renditen nach unten
geben. Einige Schwergewichte aus dem Telekom-Sektor, aus der Chemie oder aus der
Energiebranche haben aber bereits signalisiert, dass sie auch 2009 das hohe Niveau halten
wollen.”
Rendite-Chancen
Die aktuelle Flucht in sichere Staatsanleihen hält er nur für bedingt sinnvoll. „Im
Moment scheint jeder den Staaten zu vertrauen, aber niemand den Unternehmen. Man sollte
aber nicht vergessen, dass Staaten lediglich das aktuelle und erwartete Steueraufkommen
verteilen können. Das geht nur, solange die Unternehmen Erträge erwirtschaften und
Steuern zahlen. Ich gehe davon aus, dass das Vertrauen in die Unternehmen wieder wachsen
wird. Bis dahin sind mit der gewachsenen Zinsdifferenz zwischen Unternehmens- und
Staatsanleihen Chancen verbunden. Jetzt werden Käufer von Unternehmensanleihen für die
Risiken mit attraktiven Renditen belohnt. Das war vor zwei Jahren noch anders.” Doch
Achtung, wie bei Aktien gilt auch hier 2009: Auf die Qualität der Unternehmen achten!
Quelle: Investmentfonds.de