25.11.2007
Bundesverband deutscher Banken: Konjunkturbericht – November 2007: Ausblick 2008: schwächer, aber nicht schwach
Köln, den 25.11.2007 (Investmentfonds.de) - Die Weltwirtschaft, die sich
bislang von den Finanzmarktturbulenzen sowie dem neuerlichen Schub der
Energie- und Rohstoffpreise unbeeindruckt gezeigt hat, wird sehr wahr-
scheinlich in den kommenden Monaten etwas an Fahrt verlieren. Vor allem
in den USA ist im Winterhalbjahr mit einem geringeren Wachstum zu rechnen.
Insgesamt sollte die Verlangsamung der globalen Konjunkturdynamik im kommenden
Jahr aber in einem ueberschaubaren Rahmen bleiben; fuer ueberzogenen Pessimismus
besteht kein Anlass.
Im Euro-Raum mehren sich die Signale, die auf ein nachlassendes
Wachstumstempo hindeuten. Gleichwohl ist aus heutiger Sicht kein
dramatischer Einbruch zu befuerchten. Dank der strukturellen Verbesserungen
an den Arbeitsmaerkten, solider Unternehmensertraege und eines nach wie vor
recht moderaten Zinsniveaus sollte die Binnenkonjunktur in einer guten
Verfassung bleiben. Das Wirtschaftswachstum duerfte sich dann von etwa 2
1/2 Prozent in diesem Jahr auf rund 2 Prozent im naechsten Jahr
abschwaechen.
Analog zur Prognose fuer den Euro-Raum ist auch fuer Deutschland im
kommenden Jahr mit einer Wachstumsverlangsamung um etwa einen halben
Prozentpunkt auf rund 2 Prozent zu rechnen. Bei nachlassenden Exporten und
einem geringeren Investitionswachstum wird der private Konsum - dank der
guten Arbeitsmarktentwicklung - Auftrieb erhalten. Zudem sollte die
Industrie in Deutschland die Aufwertung des Euro vergleichsweise gut
verkraften und auch 2008 in Deutschland ein wichtiger Motor des
Wirtschaftswachstums sein.
Durch die in den letzten Jahren sehr moderate Entwicklung der
Lohnstueckkosten und die etwas groessere Arbeitsmarktflexibilisierung
konnte die Beschaeftigungsschwelle des Wirtschaftswachstums in Deutschland
gesenkt werden. Sofern es zu keinem weiteren Zurueckdrehen
arbeitsmarktpolitischer Reformen kommt, wird sich die Verbesserung am
Arbeitsmarkt daher auch 2008 fortsetzen.
Die Inflationsrate ist zuletzt sowohl in Deutschland als auch im
Euro-Raum kraeftig gestiegen. Angesichts des juengsten Preisschubs beim
Rohoel und vielen Lebensmitteln sowie unguenstiger Basiseffekte ist bis
Anfang 2008 eine weitere Beschleunigung der Preisentwicklung
wahrscheinlich. Stabilitaetsorientierte Tarifabschluesse vorausgesetzt,
sollte mit dem Wegfall der Teuerungseffekte aus der Mehrwertsteuererhoehung
und der leichten Abschwaechung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr der
Preisdruck aber wieder nachlassen. Im Jahresdurchschnitt 2008 koennte die
Inflationsrate in Deutschland und im Euro-Raum daher bei 2 Prozent liegen.
Die deutlich ueber dem Stabilitaetsziel der Europaeischen Zentralbank
(EZB) liegende Inflationsrate und das kraeftige Geldmengenwachstum sprechen
- isoliert betrachtet - fuer eine Fortsetzung des Zinsstraffungsprozesses.
Eine weitere Zinserhoehung wuerde jedoch den ueberbewerteten Euro weiter in
die Hoehe treiben und die Konjunkturrisiken sowie die Unsicherheiten an den
Finanzmaerkten steigern. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung der
EZB, den Zinserhoehungsprozess zu unterbrechen, voellig richtig, zumal die
Aufwertung des Euro und die Verspannung am Geldmarkt zurzeit wie eine
Leitzinserhoehung wirken. Gleichwohl ist es wichtig, dass die EZB wachsam
bleibt und bei hartnaeckigen Inflationsgefahren eingreift. Nur so kann sie
das hohe Mass an Glaubwuerdigkeit sichern, das ihr nicht nur in der
aktuellen Phase die Arbeit erleichtert.
Quelle: Investmentfonds.de