07.11.2007
STAR Gl. Research: China & Indien - Katalysatoren einer Wirtschaftsregion
Köln, den 07.11.2007 (Investmentfonds.de) - Goldman Sachs
prognostiziert für das Jahr 2020, dass China
den zweiten und Indien den sechsten Rang unter den sechs
größten Volkswirtschaften der Welt eingenommen haben
werden.1 Mit Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts
von 9,9 % (2006/2007) respektive 9,4 % (2006/2007) wachsen
China und Indien überdurchschnittlich und nehmen damit
im internationalen Vergleich Spitzenplätze ein (USA
2,9 % [2006], Deutschland 2,5 % [2006]). Bereits heute stellt
Asien 22 % des weltweiten BIP-Wachstums dar, wobei China
alleine bereits 5 % des Welt-BIP-Wachstums ausmacht.2
Schrittweise Öffnung der Märkte
Mit dem Ausbau ihrer Wirtschafts- und Handelsbeziehungen,
insbesondere im asiatisch-pazifi schen Raum, profi tiert eine ganze
Wirtschaftsregion von der außergewöhnlichen Entwicklung
der beiden Nationen. Wachsende Stan dards der Bildungssysteme
ermöglichen die Entwicklung einer breiten Schicht gut ausgebildeter
und erfolgs hun griger junger Menschen, die das Fortschreiten,
insbesondere des naturwissenschaftlichen und technischen
Niveaus, vorantreiben. Angesichts wachsender Einkommen entsteht
auf diese Weise in China und Indien eine Bevölke rungsschicht,
deren Lebensstandard sich schrittweise an den bereits
etablierter Nachbarländer angleichen soll und wird.
Ein Grundprinzip menschlicher Individuen ist die Befriedigung
von Bedürfnissen. Durch die schrittweise Öffnung nationaler
Märkte gegenüber der Weltwirtschaft und das Kennenlernen
westlicher Lebensart werden solche Bedürfnisse geweckt,
wodurch fortgeschrittene Wirtschaftsnationen der asiatischpazi
fi schen Region wie Japan, Südkorea, Singapur, Australien
oder Neuseeland im Besonderen profi tieren können. Heute sind
die wichtig sten Handelspartner Chinas und Indiens vor allem diese
Na tionen. Zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Chinas
zählen Japan, Hongkong, Taiwan, Südkorea und Singapur.3 Die
bilaterale Entfaltung der Handelsbeziehungen zeigt sich am
Beispiel Japans, dessen wichtigster Handels part ner – die USA –
seit dem Jahr 2005 nach 50 Jahren von China abgelöst wurde.
Das Handelsvolumen mit China beträgt mehr als USD 211 Mrd.
(ca. USD 195 Mrd. mit den USA).
Restriktive Buy-out-Investoren
Die wirtschaftlichen Erfolge Chinas und Indiens dürfen über die
auf das Investitionsumfeld einwirkenden Schwierigkeiten nicht
hinwegtäuschen. So bestehen nach wie vor rechtliche Unsicherheiten,
infrastrukturelle Unterentwicklungen, Kapazitätsengpässe,
ökologisch unsichere Entwicklungen sowie explizite
Schwächen der Finanzmärkte, welche sich auf das Investitionsklima
ausländischer Investoren, insbesondere von Private-Equity-
Investoren, negativ auswirken. Der jährlich veröffentlichte
„Index of Economic Freedom“ sieht China und Indien auf Platz
104 beziehungsweise auf Platz 119.5
Der Venture-Kapital-Bereich Chinas und Indiens ist stark
überhitzt; in den vergangenen Jahren haben Venture-Fonds
rund sechsmal mehr Geld eingesammelt als sie investieren
konnten.6 Im Kontrast dazu ist der Buy-out-Bereich stark untergewichtet;
der große Teil der Buy-out-Transaktionen fand aus
oben genannten Gründen in Japan, Australien, Neuseeland und
Südkorea statt.
Einschätzung
Die asiatisch-pazifi sche Region wird angesichts der wachsenden
Bedeutung regionaler Binnenmärkte, insbesondere Chinas und Indiens,
mittel- bis langfristig eine ökonomische Eigendynamik entwickeln,
welche sie sich ein Stück weit von den westlichen Ökonomien
emanzipieren lässt. Die Regierungen der beiden
Wachs tumstreiber der Region reduzieren vernünftigerweise nur
peu à peu ihr wirtschaftlich restriktives regulatorisches Umfeld;
auf diese Weise wird ein unkontrollierbares Wachstum vermieden.
Aufgrund dessen, vorgenannter Probleme und angesichts
der Tatsache, dass der Venture-Kapital-Bereich in China und in
Indien erste Anzeichen einer Blasenbildung aufweist, wird der
Buy-out-Bereich der etablierten Wirtschaftsnationen des asiatisch-
pazifi schen Raums zunehmend an Bedeutung gewinnen,
zumal diese Länder im Speziellen von der Dynamik Chinas und
Indiens profi tieren können, ohne jedoch den Gefahren vollumfänglich
ausgesetzt zu sein.
Quelle: Investmentfonds.de