18.10.2007
europäische Aktien: Chancenvielfalt in Europa
Köln, den 18.10.2007 (Investmentfonds.de) -
Die Europäische Zentralbank (EZB) vertagte
bei der Sitzung ihres Gouverneursrats am
6. September eine bereits erwartete Anhebung
der Leitzinsen. Dazu sagte EZB-Präsident
Jean-Claude Trichet, dass die Bank
die Effekte der Unruhen auf den globalen
Finanzmärkten auf das Wirtschaftswachstum
abwarten wollen, bevor sie über weitere
Zinserhöhungen beschließen werde.
Mit oder ohne bevorstehende Kreditklemme
gibt es Signale dafür, dass die Wachstumsraten
in Europa ihren Höhepunkt erreicht
haben könnten. Die EZB senkte ihre Wachstumsprognose
für die Eurozone für 2007
von zuvor 2,6 % geringfügig auf 2,5 %, während
sie für nächstes Jahr weiterhin am prognostizierten
Wert von 2,3 % festhält. Für
den Moment wirkt die Eurozone insgesamt
jedoch recht vertrauenerweckend. Angesichts
der in der gesamten Eurozone zurückgehenden
Arbeitslosigkeit (nach Eurostat-
Angaben auf 6,9 % im Juli 2007 von 7,8 %
im Vorjahr), immer noch hohen Unternehmensgewinnen
und einem weiteren Anstieg
der verfügbaren Einkommen ist die Wirtschaft
der Eurozone möglicherweise robust
genug, um eine Verschlechterung der Lage
auf den Kreditmärkten auszusitzen. In der
Pressekonferenz am 6. September nach der
Entscheidung für die Zinspause stellte EZBChef
Trichet fest, dass „der Konsum in der
Eurozone im Einklang mit der Entwicklung
der realen verfügbaren Einkommen längerfristig
weiter zunehmen sollte, da sich die
Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt noch
verbessern.“
Die europäischen Unternehmen sind im
Großen und Ganzen gut in Form. Viele
haben den Fremdkapitalanteil an ihren
Bilanzen in den letzten Jahren zurückgefahren
und Kosten reduziert. Sie generieren
üppige Cashflows und investieren eifrig.
Hinzu kommt, dass die Bewertungen
deutlich niedriger sind als in den Vereinigten
Staaten. Hier ein paar Vergleiche: Mitte
September liegt das durchschnittliche
prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis
des Dow Jones Eurostoxx 600 Index für
2007 bei 13, für den S&P 500 dagegen bei
15,4. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis für
den Eurostoxx 600 beträgt 8,7 gegenüber
9,85 für den S&P 500 und der Eurostoxx
weist eine Dividendenrendite von 3,3 %
aus gegenüber 1,9 % für den S&P 500.
Überdies beläuft sich die Dividendenrendite
des Eurostoxx 600 auf 3,3 %, während
die 10-jährige deutsche Bundesanleihe
4 % rentiert. Das ist eine historisch knappe
Spanne und gleichzeitig ein Hinweis darauf,
dass Aktien nicht überwertet sind.
Die Erwartungen zum Ertragswachstum
sind mit 12 % bis 13 % nicht übertrieben
und mit einem abrupten Einbruch ist hier
sicherlich nicht zu rechnen. Europäische
Unternehmen haben in den letzten Jahren
erfolgreich umstrukturiert, sie generieren
kräftige Cashflows und investieren viel.
Das Hauptrisiko für die Ertragsaussichten
besteht in einem drastischen Kursrutsch
des US-Dollar. Angesichts der Bedeutung
der Exporte für die europäische Wirtschaft
wäre ein Rückgang des US-Dollar auf 1,50
je Euro sicherlich schmerzhaft. Doch bislang
haben die europäischen Unternehmen
den Abwärtstrend des Dollar durch
Offshore-Aktivitäten und mehr Kosteneffizienz
in der Regel ganz gut verkraftet.
Im Hinblick auf die jüngsten Marktturbulenzen
könnte man argumentieren,
dass Finanzwerte billig geworden sind.
Im Moment fehlt jedoch ein klarer Durchblick.
Wir warten daher die Ergebnisse
für das dritte Quartal ab, bevor wir ein
verstärktes Engagement in diesen Sektor
in Erwägung ziehen. Abgesehen davon
sind europäische Banken ausgesprochen
solide Institute mit breit diversifizierten
Geschäftsmodellen.
Hinzu kommt, dass wir kurzfristige Kursausschläge
in der Vergangenheit häufig
dazu nutzen konnten, unser Portfolio auf
längere Sicht zu positionieren. So werden
wir vielleicht durch potenzielle Turnaround-
Situationen infolge der Subprime-
Krise in den Vereinigten Staaten und der
Sorgen um den Markt für Unternehmensfinanzierung
neue Chancen entdecken.
Quelle: Investmentfonds.de