13.10.2007
Franklin Templeton Investments: Europäische Aktien: Chancenvielfalt in Europa
Köln, den 13.10.2007 (Investmentfonds.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) vertagte
bei der Sitzung ihres Gouverneursrats am 6. September eine bereits erwartete Anhebung
der Leitzinsen. Dazu sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dass die Bank
die Effekte der Unruhen auf den globalen Finanzmärkten auf das Wirtschaftswachstum
abwarten wollen, bevor sie über weitere Zinserhöhungen beschließen werde.
Mit oder ohne bevorstehende Kreditklemme gibt es Signale dafür, dass die Wachstumsraten
in Europa ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Die EZB senkte ihre Wachstumsprognose
für die Eurozone für 2007 von zuvor 2,6 % geringfügig auf 2,5 %, während
sie für nächstes Jahr weiterhin am prognostizierten Wert von 2,3 % festhält. Für
den Moment wirkt die Eurozone insgesamt jedoch recht vertrauenerweckend. Angesichts
der in der gesamten Eurozone zurückgehenden Arbeitslosigkeit (nach Eurostat-
Angaben auf 6,9 % im Juli 2007 von 7,8 % im Vorjahr), immer noch hohen Unternehmensgewinnen
und einem weiteren Anstieg der verfügbaren Einkommen ist die Wirtschaft
der Eurozone möglicherweise robust genug, um eine Verschlechterung der Lage
auf den Kreditmärkten auszusitzen. In der Pressekonferenz am 6. September nach der
Entscheidung für die Zinspause stellte EZBChef Trichet fest, dass „der Konsum in der
Eurozone im Einklang mit der Entwicklung der realen verfügbaren Einkommen längerfristig
weiter zunehmen sollte, da sich die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt noch
verbessern.“ Die europäischen Unternehmen sind im Großen und Ganzen gut in Form. Viele
haben den Fremdkapitalanteil an ihren Bilanzen in den letzten Jahren zurückgefahren
und Kosten reduziert. Sie generieren üppige Cashflows und investieren eifrig.
Hinzu kommt, dass die Bewertungen deutlich niedriger sind als in den Vereinigten
Staaten. Hier ein paar Vergleiche: Mitte September liegt das durchschnittliche
prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dow Jones Eurostoxx 600 Index für
2007 bei 13, für den S&P 500 dagegen bei 15,4. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis für
den Eurostoxx 600 beträgt 8,7 gegenüber 9,85 für den S&P 500 und der Eurostoxx
weist eine Dividendenrendite von 3,3 % aus gegenüber 1,9 % für den S&P 500.
Überdies beläuft sich die Dividendenrendite des Eurostoxx 600 auf 3,3 %, während
die 10-jährige deutsche Bundesanleihe 4 % rentiert. Das ist eine historisch knappe
Spanne und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass Aktien nicht überwertet sind.
Die Erwartungen zum Ertragswachstum sind mit 12 % bis 13 % nicht übertrieben
und mit einem abrupten Einbruch ist hier sicherlich nicht zu rechnen. Europäische
Unternehmen haben in den letzten Jahren erfolgreich umstrukturiert, sie generieren
kräftige Cashflows und investieren viel. Das Hauptrisiko für die Ertragsaussichten
besteht in einem drastischen Kursrutsch des US-Dollar. Angesichts der Bedeutung
der Exporte für die europäische Wirtschaft wäre ein Rückgang des US-Dollar auf 1,50
je Euro sicherlich schmerzhaft. Doch bislang haben die europäischen Unternehmen
den Abwärtstrend des Dollar durch Offshore-Aktivitäten und mehr Kosteneffizienz
in der Regel ganz gut verkraftet. Im Hinblick auf die jüngsten Marktturbulenzen
könnte man argumentieren, dass Finanzwerte billig geworden sind.
Im Moment fehlt jedoch ein klarer Durchblick. Wir warten daher die Ergebnisse
für das dritte Quartal ab, bevor wir ein verstärktes Engagement in diesen Sektor
in Erwägung ziehen. Abgesehen davon sind europäische Banken ausgesprochen
solide Institute mit breit diversifizierten Geschäftsmodellen.
Hinzu kommt, dass wir kurzfristige Kursausschläge in der Vergangenheit häufig
dazu nutzen konnten, unser Portfolio auf längere Sicht zu positionieren. So werden
wir vielleicht durch potenzielle Turnaround-Situationen infolge der Subprime-
Krise in den Vereinigten Staaten und der Sorgen um den Markt für Unternehmensfinanzierung
neue Chancen entdecken.
Quelle: Investmentfonds.de