11.10.2007
Templeton: Kommentar zu den Emerging Markets
Köln, den 11.10.2007 (Investmentfonds.de) - Überblick
Die Emerging Markets konnten das Quartal trotz der
hohen Volatilität im August mit starken Erträgen
beenden. Obwohl die Aktienkurse zu Anfang der
Berichtsperiode ihren Aufwärtstrend fortsetzen
konnten, führte die Liquiditätsklemme in Folge der USHypothekenkrise
zu Panikverkäufen an den globalen
Finanzmärkten. Nichtsdestotrotz beobachteten wir im
September eine starke Erholung und einige Märkte
konnten sogar neue Rekordmarken erreichen,
nachdem sich die Sorgen der Investoren in Luft
aufgelöst hatten. Sie realisierten, dass die meisten
Unternehmen in den Emerging Markets nur sehr
bedingt dem Sektor mit minderwertigen Hypotheken
ausgesetzt waren.
Neben den nur wenig Besorgnis erregenden
Problemen mit den minderwertigen Hypotheken
führten starke Fondseinflüsse in Asien zu einer guten
Quartalsperformance in der Region. Die besten
Wertentwicklungen verzeichneten China, Hong Kong,
Indien, Indonesien und Südkorea. Die Entscheidung
der chinesischen Regierung, einheimischen Anlegern
zu erlauben, in Hongkong zu investieren, trieb die
Kurse dieser in Hongkong notierenden Aktien
drastisch in die Höhe, da die Investoren in Erwartung
hoher Mittelzuflüsse aus China Aktien sammelten. In
Lateinamerika hielt das Vertrauen der Investoren und
der brasilianische Markt erreichte ein Rekordhoch. Die
osteuropäischen Märkte verbuchten ebenfalls gute
Erträge und die Türkei erzielte gegenüber den
globalen Märkten eine klar überdurchschnittliche
Wertentwicklung. Hier freuten sich die Investoren über
die erste Zinssenkung seit mehr als einem Jahr und
den Abschluss von Präsidents- und
Parlamentswahlen. In Südafrika führten
Währungsbewegungen zu weiteren Gewinnen
gegenüber dem US-Dollar.
Aktuelles aus den Regionen
China konnte sein starkes Wachstumsmomentum
aufrechterhalten. Das BIP stieg im Jahresvergleich im
Berichtszeitraum um 11,9%, die schnellste
Wachstumsrate seit 11 Jahren. Der enorme
Handelsüberschuss, hohe Einzelhandelsumsätze und
hohe Investitionsausgaben waren die entscheidenden
Faktoren. Hinzu kam, dass die Weltbank seine
Wachstumsprognose von 10,4% auf 11,3% hoch
schraubte. Eine starke Nachfrage und höhere
Nahrungsmittelpreise resultierten in einer Inflation, die
im Jahresvergleich im Juli um 5,6% und im August um
6,5% zunahm, die höchste Rate seit Dezember 2006.
Des weiteren wurde eine Reihe politischer
Maßnahmen implementiert, u.a. eine weitere
Erhöhung des Reservesoll und ein Einfrieren aller
staatlich kontrollierten Versorgergebühren. Die
ausländischen Direktinvestitionen blieben stabil, die
Einflüsse gingen in den ersten acht Monaten im
Jahresvergleich um 12,8% auf 41,9 Mrd. US-Dollar
nach oben.
In Südkorea wuchs die Wirtschaft im 2.Quartal um
korrigierte 5,0% im Jahresvergleich, d.h. schneller als
zu einem anderen Zeitpunkt in den letzten vier Jahren.
Dadurch kam das Wachstum in der ersten
Jahreshälfte auf 4,5%. Zu den wesentlichen
Antriebskräften gehörten Investment, Industrieproduktion
und Exporte. Die Zentralbank blieb bei
seiner BIP-Wachstumsprognose für 2007 in Höhe von
4,5%. Weitere gute Nachrichten kamen im Rahmen
der veröffentlichten Daten zur Arbeitslosigkeit und
Inflation. Der Verbraucherpreisindex stieg im August
im Jahresvergleich um 2,0% (Juli: 2,5%) und die
Arbeitslosenquote fiel auf ein Fünfmonatstief von
3,2%.
Die Devisenreserven erreichten ebenfalls ein
Rekordhoch von 255,3 Mrd. US-Dollar, wofür sich in
erster Linie Investmentgewinne verantwortlich
zeichneten. Nachdem die Zentralbank im Juli und
August die Zinsen um insgesamt 50 Basispunkte
angehoben hatte, blieben die Leitzinsen im September
unverändert bei 5,0%. Diese Entscheidung erklärt sich
aus der Unsicherheit im Zusammenhang mit der USamerikanischen
Hypothekenkrise.
In Brasilien führten eine hohe Verbrauchernachfrage
und Unternehmensinvestitionen zu einem BIPWachstum
von 5,4% für das 2.Quartal (im
Jahresvergleich). Im ersten Quartal waren es 4,4%.
Die Verbraucherausgaben stiegen in Q207 im
Vergleich zum Vorjahr um 5,7%, das Investment um
14%. Die Zentralbank setzt im 3.Quartal ihre lockere
Geldpolitik fort. Die Leitzinsen wurden um 75
Basispunkte auf 11,25% reduziert, da der
Inflationsdruck nicht abnahm. Die FDI-Einflüsse
blieben im August stark, d.h. sie beliefen sich auf netto
2,0 Mrd. US-Dollar. Dies bringt die Gesamtsumme für
12 Monate auf 35,1 Mrd. US-Dollar. Moody stufte das
Landesrating für Staatsanleihen auf Ba1, also näher
an Investmentrating, hoch. Es wird erwartet, dass
Brasilien im nächsten Jahr Investmentstatus erreicht.
Brasilien unterzeichnete ein strategisches
Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union,
in dem eine engere Zusammenarbeit und mehr
Kooperation in vielen Bereichen, vom Handel bis zu
den Menschenrechten, festgelegt wird. Das Land
signalisiert so seine größere globale Integration.
In Q207 wuchs das BIP in Mexiko um 2,8%, ein wenig
schneller als in den ersten drei Monaten des Jahres
(2,6%). Gleichfalls war dies jedoch nicht so hoch wie
der Durchschnitt in Höhe von 4,8% für 2006.
Verantwortlich war das langsamere Wachstum des
wichtigsten Handelspartners Mexikos, der USA. Die
Zentralbank beließ die Zinsen zur Anregung der
Wirtschaft unverändert. Die Bank blieb jedoch
aufgrund des Inflationsdrucks bei seiner versteiften
Haltung. Der Implementierung von Reformen
verpflichtet, genehmigten das Unterhaus und der
Senat Fiskalreformen, wodurch das Land seine
Steuereinnahmen um 2% bis 3% des BIP bis 2012
ansteigen sehen könnte. Standard & Poor’s korrigierte
seine Prognosen für die langfristigen Staatsanleihen
des Landes nach oben und Fitch wertete die
Schuldtitel des Landes von BBB auf BBB+ hoch. Zu
den ausschlaggebenden Gründen gehörten dabei die
Fiskalreformen, die verbesserte externe Liquidität und
das umsichtige Management der Staatsschulden.
In Südafrika hat sich das BIP-Wachstum im zweiten
Quartal gegenüber dem Vorjahr geringfügig
verlangsamt - von 5,4% im Vorquartal auf 5,0%. Das
Wirtschaftswachstum wurde von den Sektoren
Finanzen, Immobilien und Unternehmensdienstleistungen
getragen, doch die niedrigen
Zuwächse im Produktionsbereich wirkten abträglich.
Die Industrieproduktion ging jedoch im Juli im
Vergleich zum Vorjahr um 3,1% hoch. Im Juni lag sie
noch auf einem 14-monatigen Tief von 1,5%. Der
CPIX (Verbraucherpreisindex ohne Zinsen auf
Hypothekenanleihen) verlangsamte sich im August im
Vergleich zum Vorjahr auf 6,3% (Juli: 6,5%). Dies ist
jedoch immer noch höher als der von der Zentralbank
angestrebte Zielbereich zwischen 3% und 6%. Aus
diesem Grund hob die Zentralbank die Zinsen im
August erneut um 50 Basispunkte an, da die hohe
Inflation infolge steigender Preise für Nahrungsmittel
und Energie Besorgnis erregte. Positiv war, dass Fitch
die Aussichten des Landes hinsichtlich seiner
langfristigen Devisenschulden von stabil auf positiv
hochstufte.
Die Wirtschaft in Russland konnte erneut ein robustes
Wirtschaftswachstum verzeichnen. Das BIP wuchs in
Q207 im Einklang mit den ersten drei Monaten des
Jahres (7,9%) um 7,8%. Das BIP-Wachstum wurde
von einem Boom bei der Verbraucher- und der
Investmentnachfrage angetrieben. Weitere
Unterstützung für die inländische Nachfrage kam von
einem starken Einkommenswachstum. In der Folge
korrigierte die Zentralbank seine BIPWachstumsprognose
für 2007 von 6,5% auf 7,5%
nach oben. Im Zuge der anhaltenden Bemühungen
der Zentralbank um die Einhaltung des Inflationsziels
von 8% bis zum Jahresende wurden die kurzfristigen
Einlagenzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Die
Regierung ließ Pläne verlauten, denen zufolge das
Land in den nächsten 10 Jahren 1 Billion US-Dollar in
seine Infrastruktur zu investieren beabsichtigt, um
anhaltendes Wachstum sicherzustellen. Hinzu kommt
noch, dass die Austragung der Olympischen
Winterspiele in Sotschi das Wachstum und die
Entwicklung der Region fördern könnte.
Die Ausgaben für Tourismus, die Beschäftigungspolitik
und Infrastrukturmaßnahmen sollten in der Folge
ebenfalls nach oben gehen. Im politischen Leben trat
das Kabinett zurück, um den Weg für eine neue
Regierung im Vorfeld der Parlamentswahlen im
Dezember 2007 und der Präsidentschaftswahlen im
März 2008 zu bahnen. Präsident Putin ernannte Viktor
Zubkov, den Leiter der föderalen Agentur für die
Finanzüberwachung, zum neuen Premierminister.
In der Türkei führten die politische Instabilität im
2.Quartal in Verbindung mit höheren Zinsen zu
geringeren Investitions- und Verbraucherausgaben. In
der Folge verlangsamte sich das BIP-Wachstum im
Jahresvergleich auf 3,9%. Im 1.Quartal belief es sich
noch auf 6,8%. Die Leitzinsen wurden allerdings um
25 Basispunkte auf 17,25% reduziert. Dies war die
erste Zinssenkung in mehr als einem Jahr, die der
geringeren Inflation in den vergangenen Monaten zu
verdanken war. Nach dem Erdrutschsieg der Partei für
Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) in den
Parlamentswahlen im Juli wurde Außenminister
Abdullah Gul von der AKP im August auch zum neuen
Präsidenten ernannt und er bestätigte das neue
Kabinett. Neuer Außenminister wurde Ali Babacan. Er
blieb außerdem Chefunterhändler für die
Verhandlungen mit der Europäischen Union, damit die
Beitrittsbemühungen reibungslos weiterlaufen können.
Nach der gelungenen Vertrauensabstimmung im
September wird das Parlament am 1.Oktober wieder
neu einberufen. Dies sollte es der Regierung
erlauben, sich nun auf die wirtschaftliche Erholung des
Landes zu konzentrieren.
Ausblick
Obwohl viele Emerging Markets im August unter einer
hohen Volatilität und Kapitalabflüssen litten, festigte
ein schwacher US-Dollar das Selbstvertrauen in den
Emerging Markets und in die entsprechenden
Währungen. Im September kam es dann auch wieder
zu hohen Kapitaleinflüssen. Die Spreads der
Staatsanleihen in den Emerging Markets blieben
ebenfalls niedrig und reflektierten die positive
Beurteilung dieser Anlageklasse durch die Investoren.
Obwohl wir die langfristigen Aussichten der Emerging
Markets weiterhin zuversichtlich betrachten, sollten die
Investoren doch Volatilität erwarten. Dies ist in einem
seit mehr als vier Jahren andauernden Haussemarkt
normal. Fundamental betrachtet sind die Emerging
Markets weiterhin stark. Die meisten Länder können
immer noch ein starkes Wirtschaftswachstum und eine
relativ niedrige Inflation berichten. Weltwirtschaftlich
haben die Emerging Markets in den letzten Jahren
zudem stark an Bedeutung gewonnen und sie setzen
die fundamentalen Verbesserungen ihrer
Volkswirtschaften fort. Solche Entwicklungen
verheißen interessante Anlagechancen für diese
Märkte. Aus diesem Grund halten wir an unserer
bewährten Bottom-up-Investmentstrategie fest und
suchen weiterhin nach den besten Schnäppchen, mit
denen wir die langfristigen Gesamtrenditen unserer
Anteilseigner maximieren.
5. Oktober 2007
Mark Mobius,Singapur
Quelle: Investmentfonds.de