13.08.2007
Börsen-Zeitung: Premiere verliert Galionsfigur Kommentar zum abrupt angekündigten Abschied von Premiere-Chef Georg Kofler, von Björn Godenrath.
Frankfurt (ots) - Es ist das Ende einer Ära - der Abschied erfolgt
abrupt, wenn auch nicht vollkommen überraschend. Mit Premiere-Chef
Georg Kofler wirft Deutschlands profiliertester TV-Manager hin. Der
Abschied ist endgültig, kehrt er der Medienszene doch vollkommen den
Rücken. Eine gewisse Amtsmüdigkeit hat den Dynamiker ergriffen, der
in 25 Jahren jede Facette des TV-Geschäftes kennen gelernt und
geprägt hat. Seine unterhaltsame Außendarstellung wird fehlen, was
primär die von ihm aufgepäppelte Premiere zu spüren bekommt. Kofler
selbst wird sich eine Auszeit gönnen und sich dann dem
Gründergeschäft widmen - übrigens ohne die Assistenz von Private
Equity.
So mancher in der Branche wird aufatmen, war Kofler doch nicht nur
Galions-, sondern auch Reizfigur. "Gute Nacht, Bundesliga", stöhnte
Bayern-Manager Uli Hoeneß unlängst in Anbetracht des wiedererstarkten
Verhandlungspartners. Diese Ohnmacht signalisiert, wie schlecht die
DFL positioniert ist, um für das Bundesliga-Paket mehr zu verlangen.
International bewegt sich die Liga auf dem Niveau von Portugal und
Rumänien, das rechtfertigt keine Prämie. Mit den Überlegungen zur
Abschaffung respektive Verkürzung der Winter- und Sommerpause sowie
der Aufsplittung von Spieltagen anhand des Vorziehens einzelner
Anstoßzeiten ließe sich aber ein attraktiveres Pay-TV-Angebot
schnüren.
Das sind gute Voraussetzungen für den neuen Premiere-Chef Michael
Börnicke, auch wenn die Börse mit einem Minus von 3% zunächst einmal
ein Misstrauensvotum aussprach. Von Vorteil ist für Börnicke, dass er
Premiere in- und auswendig kennt und mit seinem eher dezenten
Auftreten Signale der Entspannung senden kann. Mit dem Ausscheiden
des Rivalen Arena gerät Premiere sowieso in ruhigeres Fahrwasser,
auch wenn es dauerhaft problematisch bleibt, mit der Ware Fußball
angesichts horrender Lizenzkosten Geld zu verdienen. Dies ist das
Kardinalproblem im Pay TV, das perspektivisch nur über eine zumindest
moderate Beschneidung der "Sportschau" gelindert werden kann.
Für Premiere-Aktionäre kann Koflers Exit indes ein Happy End
haben. Stimmen die Signale, steigt ohne den bekannterweise
kompromisslosen Manager die Übernahmewahrscheinlichkeit. Wurde bei
europäischen Pay-TV-Transaktionen bislang ein Preis von 760 Euro pro
Abo bezahlt, wird ein Premiere-Kunde derzeit nur mit 550 Euro
bewertet.
(Börsen-Zeitung, 14.8.2007)
Originaltext: Börsen-Zeitung
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