06.08.2007
Deka: Milchpreis auf Gipfeltour
Köln, den 06.08.2007 (Investmentfonds.de) - Ein Aufruhr ging in den vergangenen Tagen
quer durch die Republik. Die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) kündigte an,
dass sich Butter, Quark und Milch um bis zu 50 Prozent verteuern würden. In ersten
Verbraucherreaktionen war von "Wucher" und "Abzocke" die Rede. Auch die Bundesregierung
ließ verlautbaren, dass sie den drohenden Anstieg der Milchpreise für nicht nachvoll-
ziehbar halte. Aber ist der Milchpreis wirklich unerklärbar? Oder gelten nicht doch
die einfachen Gesetze von Wettbewerb, Angebot und Nachfrage? Enges Angebot …Die
Milchseen sind ausgetrocknet und die Butterberge in der Europäischen Union sind
abgetragen. Also ist die aktuelle Produktion entscheidend für das Angebot an
Milchprodukten. Und genau dort hat sich in jüngerer Zeit ein Engpass ergeben, denn
die Landwirte produzieren verstärkt Bioenergie und dafür weniger Lebensmittel. Aktuell
kommt hinzu, dass die extreme Dürre in Australien, aber auch witterungsbedingte
Produktionsausfälle in Südeuropa das Angebot in diesem Jahr spürbar einengen.
… trifft auf große Nachfrage: Der Preis steigt!Auf der anderen Seite nimmt die
Nachfrage nach Milchprodukten in einigen Teilen der Welt rasant zu. Die Globalisierung
sorgt für hohes Wirtschaftswachstum. Sie geht einher mit starker Nachfrage nach
Rohstoffen und eben auch nach Lebensmitteln. Vor allem China ist einmal mehr zu nennen,
wenn es um den großen Schluck aus der (Milch-)Pulle geht. Speziell der Bedarf an
Milchpulver steigt dort enorm. Die Ernährungsgewohnheiten nähern sich mehr und mehr
westlichen Gepflogenheiten an. Dies erhöht strukturell die Nachfrage nach Milchprodukten.
Aber: Keine allgemeine InflationsgefahrIn den kommenden Jahren ist absehbar, dass die
Milchproduktion steigen wird. Hier richten sich die Erwartungen vor allem an China, das
einen größeren Anteil zum Weltangebot an Milch beitragen soll. Derzeit ist das wenig
Trost, der Milchpreis wird steigen. Was für den einzelnen Verbraucher auf den ersten
Blick ein Stein des Anstoßes ist, braucht ihn aber nicht nachhaltig zu grämen.
Lebensmittel machen im Durchschnitt nur etwa 9 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben
aus. Davon wiederum entfällt nur knapp ein Siebtel auf Milch- und Molkereiprodukte.
Die drohende Preiserhöhung bei Milch belastet die Privathaushalte also nur sehr begrenzt.
Auch für die Europäische Zentralbank ist dies kein nennenswertes Problem. Denn bei nur
gut einem Prozent Anteil an den Haushaltsausgaben fallen höhere Milchpreise kaum ins
Gewicht. Dies für sich genommen bewirkt also keine Inflationsgefahr, die die Europäische
Zentralbank beunruhigen müsste.
Quelle: Investmentfonds.de