06.08.2007
Union: Biotechnologie: Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts?
Köln, den 06.08.2007 (Investmentfonds.de) - „Die zunehmende Alterung der
Gesellschaft, die aufgrund veränderter Krankheitsbilder kontinuierlich
die Entwicklung neuer und innovativer Therapien erfordert sowie der
anhaltende Trend zur Branchenkonsolidierung geben dem
Gesundheitssektor langfristig weiteren Auftrieb“, so Dr. Markus Manns,
für den Pharma-Sektor zuständiger Aktienfondsmanager von Union
Investment. Der studierte Mediziner verweist dabei insbesondere auf
die Chancen der pharmazeutischen Biotechnologie, die durch diese
Entwicklungen „zu einer der Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts
und zum Wachstumsmotor für die Pharmaindustrie werden könnte“.
Es gibt aktuell zwei Trends, die den pharmazeutischen Biotechnologie-
Sektor für Anleger besonders interessant machen: Erstens die
zunehmende Alterung der Gesellschaft mit veränderten
Krankheitsbildern und -schwerpunkten und damit verbunden die
wachsende Bedeutung innovativer biotechnologischer Entwicklungen
für den Gesundheitssektor. Zweitens das steigende Interesse der
Pharmakonzerne an Biotech-Produkten, -Patenten und -Unternehmen,
die immer wieder zu chancenreichen Übernahmen führen.
Bedarf an neuen Medikamenten wird durch innovative
Entwicklungen in der Biotechnologie gedeckt
Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und das steigende
Durchschnittsalter der Bevölkerung verändern im Bereich der
Gesundheit insbesondere in den reichen Industrienationen die
Bedürfnisse der Menschen. So werden verstärkt Lifestylemedikamente
beispielsweise gegen Übergewicht, Haarausfall oder Falten
nachgefragt.
Viel bedeutender jedoch ist die Veränderung der gängigen
Krankheitsbilder. Während Infektionskrankheiten heute immer besser
behandelt werden können, steigt die Bedrohung durch chronische
Krankheiten weiter an, die häufig nur geringe Behandlungsmöglichkeiten
aufweisen. Die World Health Organisation WHO (Quelle:
Goldman Sachs Global Investment Research, Mai 2007) geht davon
aus, dass die Zahl der Opfer chronischer Leiden wie Diabetes oder
Atemwegserkrankungen bis zum Jahr 2030 um 39 Prozent ansteigen
wird. „Aktuell können nach unseren Informationen nur rund ein Drittel
aller bekannten Krankheitsbilder behandelt werden“, berichtet Manns.
Dieser Trend zeigt den Bedarf an neuen Medikamenten und
Therapien, der zu weiten Teilen durch aktuelle Entwicklungen im
Biotech-Sektor abgedeckt werden kann. Schon heute kommen viele
medizinische Innovationen insbesondere zur Behandlung von Krebs
aus der Biotechnologie. So wurden 2006 in den USA
21 Biotech-Medikamente mit einem Marktvolumen von 10 Mrd.
US-Dollar zugelassen. Über 1.000 weitere befinden sich nach aktuellen
Studien in der Entwicklung, wovon rund 30 Prozent schon kurz vor der
Zulassungsphase stehen.
Insgesamt entfallen nach Angaben von Union Investment heute bereits
rund 10 Prozent der gesamten Medikamentenumsätze auf Biotech-
Produkte und der Umsatz steigt aktuell etwa doppelt so stark wie der
Umsatz klassischer Pharmaprodukte.
Auch die Gewinnerwartungen für den Biotech-Sektor sieht die
Fondsgesellschaft mit 15 bis 20 Prozent pro Jahr deutlich über den
Werten für die Pharmaindustrie (5 bis 8 Prozent).
Aber die gut gefüllten Entwicklungsportfolios der Biotech-Unternehmen
versprechen nicht zwangsläufig einen wirtschaftlichen Erfolg, denn die
Entwicklung von Medikamenten ist mit durchschnittlich acht Jahren ein
langwieriger und riskanter Prozess. Nach Einschätzung von Union
Investment werden höchstens ein Drittel aller Medikamente am Ende
wirklich an den Markt gehen. Speziell Unternehmen, die an nur einer
Entwicklung arbeiten, scheitern bei ausbleibendem Forschungserfolg
oftmals auch wirtschaftlich.
Finanziert werden viele dieser Unternehmen, aufgrund des erhöhten
Risikos, über Venture-Capital-Beteiligungen. Nur größere und
erfolgreiche Biotech-Unternehmen gehen mit ihrem Geschäftsmodell
an die Börse. Die steigende Bedeutung des Sektors ist so auch am
deutlichen Anstieg der Marktkapitalisierung abzulesen, die seit der
Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2000 mit einem
Zuwachs von rund 150 Prozent deutlich schneller wuchs als der
Gesamtmarkt.
„Die innovativen Entwicklungen der Biotechnologie erobern in den
nächsten Jahren den Gesundheitssektor. Mit zweistelligem Umsatzund
Gewinnwachstum avanciert der Sektor zum Wachstumsmotor für
den gesamten Pharmabereich“, kommentiert Dr. Markus Manns die
Entwicklung.
Er begründet diese Einschätzung mit der hohen Zahl auslaufender
Patente der Pharmakonzerne, die ihre Ertragsbringer zumeist an
kostengünstige Generika-Anbieter verlieren und deren eigenes
Portfolio an Produktentwicklungen – die so genannte Produktpipeline –
erhebliche Lücken aufweist. Dies kann nach Ansicht von Union
Investment zu Umsatzeinbußen zwischen drei und acht Prozent pro
Jahr führen.
Die Entwicklung erlebt voraussichtlich 2012 ihren Höhepunkt mit
erwarteten Umsatzeinbußen von fast 15 Prozent, beziehungsweise von
über 50 Mrd. US-Dollar. Während jedoch die Pharmaindustrie nicht
genug in die Forschung investiert hat, sind die Produktpipelines der
Biotech-Unternehmen gut gefüllt. „Die Pharmaindustrie hat den Trend
verschlafen und nicht früh genug in die eigene biotechnologische
Forschung investiert“, so Manns.
Know-how gesucht: Innovationslücke der Pharmaindustrie erhöht
Übernahmedruck im Biotech-Sektor
Der Vorsprung der kleinen Biotech-Firmen in Know-how und
Entwicklung ist zu groß, um von der Pharmaindustrie mit eigenen
Investitionen eingeholt werden zu können. Deshalb schließen viele
Pharmakonzerne diese Innovationslücke durch den Zukauf von
Unternehmen, Patenten oder durch Kooperationen mit Erfolg
versprechenden Biotech-Gesellschaften.
Der verstärkte Übernahmedruck seitens der Pharmaindustrie führt zu
immer „früheren“ Übernahmen mit attraktiven Offerten. „Erfolgten
bisher Kooperationen, Patentkäufe und Firmenübernahmen zumeist
erst in der Zulassungsphase oder frühestens in der dritten Phase
klinischer Tests, steigen die großen Konzerne heute teilweise schon in
der zweiten Testphase oder früher ein und zahlen dabei sogar
Kursaufschläge von bis zu 100 Prozent, um die Produktinnovation für
das eigene Portfolio zu sichern“, erläutert der Experte von Union
Investment.
Der Fondsmanager empfiehlt jedoch, bei der Auswahl geeigneter
Unternehmen nicht nur auf mögliche Übernahmekandidaten zu achten.
Er mahnt, trotz der Übernahme-Euphorie, die im Markt teilweise
festzustellen ist, Unternehmen nach einem umfassenden
Investmentprozess auszuwählen und dabei alle Chancen und Risiken
eines Engagements zu betrachten.
Union Investment identifiziert aussichtsreiche Biotech-Werte mit
branchenspezifischem Bewertungsmodell
Union Investment verfolgt in dem von Manns gemanagten Biotech-
Fonds UniSector: GenTech das Pipeline-Bewertungsmodell. Nach
einer Vorauswahl durch die Auswertung von Fach- und
Marktinformationen unterzieht Manns die aussichtsreichsten Werte
zunächst den klassischen Bewertungsmethoden wie einem Peergroup-
Vergleich und der Analyse von Geschäftsmodell und
Managementqualität. Im Anschluss wendet Manns industriespezifische
Bewertungsmethoden wie das Pipelinemodell an.
Da viele Biotech-Unternehmen in der Entwicklungsphase keine
Umsätze oder Gewinne machen, trägt deren Produkt-Pipeline
maßgeblich zur Bewertung des Unternehmens bei. Sie wird nach dem
Stand der klinischen Entwicklung und den Erfolgsaussichten der
Wirkstoffe beurteilt. Die statistische Wahrscheinlichkeit erfolgreicher
Entwicklungen liegt für Wirkstoffe in der zweiten von drei klinischen
Testphasen bei etwa 30 Prozent und steigt in Phase drei, der nur noch
die Zulassungsphase folgt, auf etwa 65 Prozent. In dieser
Entwicklungsphase stehen Investoren bereits umfangreiche
Informationen über den Wirkstoff zur Verfügung. Daher können
Erfolgswahrscheinlichkeit und Marktpotenzial ab diesem Zeitpunkt
genauer berechnet und der Unternehmenswert besser ermittelt
werden.
Das Fondsmanagement von Union Investment nimmt daher
insbesondere für Wirkstoffe in den Phasen zwei und drei die
individuelle Einschätzung des Chancen-Risiko-Profils anhand einer
risikoadjustierten Barwertbestimmung vor. Hierbei werden sowohl
künftige Entwicklungskosten bis zur Markteinführung als auch die zu
erwartenden Erträge mit ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet.
Die wesentlichen Bewertungsfaktoren sind die individuelle Beurteilung
der Markteintrittswahrscheinlichkeit, die Schätzung der Produktionsund
Vertriebskosten sowie die Beurteilung von Patentlaufzeit und
Marktdurchdringung.
Daraus leitet sich auch ein umfassendes Identifikationsverfahren
potenzieller Übernahmekandidaten ab, indem an Hand der Bewertung
fundamentaler Rahmendaten Unterbewertungen ausfindig gemacht
und so mögliche Kandidaten identifiziert werden können.
Mit diesen Bewertungsmethoden gelingt es dem Fondsmanagement,
die vielfältigen Chancen und Risiken der pharmazeutischen
Biotechnologie zu bewerten und so aussichtsreiche Kandidaten für ihre
Fonds zu identifizieren. Risikobewussten, langfristig orientierten
Investoren, die unmittelbar an den Marktchancen des Biotech-Sektors
partizipieren wollen, empfiehlt Union Investment zur
Portfoliobeimischung ein Investment im UniSector: GenTech.
Quelle: Investmentfonds.de