03.08.2007
Templeton: Globale Aktien – Volle Auswirkungen der Subprime-Probleme stehen noch aus
Köln, den 03.08.2007 (Investmentfonds.de) -
Im zweiten Quartal gab es an den globalen
Aktienmärkten allgemein solide
Zuwächse. Angeführt wurde der Anstieg
von zweistelligen Steigerungen in vielen
Schwellenmärkten. Auch die entwickelten
Märkte Europas und der USA legten
stetig zu, allerdings in geringerem Tempo.
Im Juni zeichneten sich jedoch die ersten
Auswirkungen der Anlegerängste auf
die Marktentwicklung ab, und die Kurse,
die diesen Monat bereits Höchststände
erreicht hatten, fielen wieder zurück. Die
Ängste galten vor allem den Zinssteigerungen
und den anhaltenden Problemen auf dem US-Markt
für besicherte Hypothekenforderungen.
Wir haben bereits früher darauf hingewiesen,
dass uns einige Aspekte der weltweit
hohen Liquiditätsreserven mit Sorge erfüllen.
Dies gilt insbesondere für die durch
neue Formen der Kreditgewährung entstandene
Liquidität. Uns fielen vor allem
die außergewöhnlich günstigen Bedingungen
auf, zu denen Private-Equity-Häuser
Gelder ausreichten, sowie die ausgeklügelten,
jedoch undurchsichtigen und illiquiden
Verbriefungsmechanismen, durch
welche den Rentenmärkten neue Anleihenformen
erschlossen wurden. Wir befürchteten,
dass einige Marktteilnehmer auf der
Jagd nach hohen Renditen leichtfertig über
die Risiko hinwegsahen. Die Probleme, die
im Juni den CDO-Markt ergriffen, zeigten,
dass unsere Sorge berechtigt war.
Die Renditen der 10-jährigen Staatspapiere
stiegen kräftig: von 4,63 % Anfang Mai bis
auf 5,33 % Mitte Juni, den höchsten Stand
der letzten fünf Jahre. Diese Entwicklung
ließ die Aktienanleger im weiteren Verlauf
des Monats vorsichtiger werden. Die Ironie
will es, dass es gerade die Probleme bei
Bear Stearns mit Hebel arbeitenden CDOHedgefonds
waren, die zum Quartalsende
einen guten Teil des Gesamtanstiegs der
Staatspapierrenditen aufzehrten. Grund
dafür war die Befürchtung, dass die CDOProbleme
auch auf andere Fonds übergreifen
könnten, die den Kauf verbriefter,
durch Wohnungshypotheken schlechter
Qualität besicherter Forderungen fremdfinanzierten.
Die Inhaber vom Wohnungsmarkt abhängiger
illiquider Derivate und Verbriefungsinstrumente
wurden so wieder einmal
daran erinnert, wie die Preisentwicklung
verläuft, wenn sich die Käufer aus dem
Markt zurückziehen. Es ist recht wahrscheinlich,
dass noch mehr institutionelle
Anleger signifikante Geldbeträge verlieren
werden, wenn die CDO-Tranchen nicht
bedient werden.
Die Märkte für Forderungsverbriefung
und Derivate sind groß und komplex. Es
lässt sich daher sehr schwer einschätzen,
wer das Risiko trägt, wie groß die Risiken
sind, wie gut diese sich absichern lassen,
welchen Marktwert sie haben und was
passieren könnte, falls der Kreditzyklus
deutlich abfiele. Die gesamten Auswirkungen
der unvorsichtigen Kreditvergabe
durch die Hypothekengeber werden
wir erst kennen, wenn der Kreditzyklus
zurückgeht. Erst dann wird sich einschätzen
lassen, welche Auswirkungen sich für
Käufer ergeben, die die komplexen Wertpapiere,
die sie kaufen, nicht in vollem
Umfang verstehen. Wie weit die Auflösung
dieser fremdfinanzierten Positionen
letztlich das Finanzsystem belastet, kann
zurzeit nicht beurteilt werden. Zweifellos
dürften aber Kreditprobleme bei einigen
institutionellen Anlegern dazu führen,
dass der Marktanteil der besser geführten
Institute steigt. Diese werden dann die notleidenden
Schuldtitel zu niedrigen Preisen
aufkaufen können.
Die globalen Aktienmärkte stehen jedoch
vor einem noch größeren Problem: nämlich,
ob die anhaltende Stärke der Volkswirtschaften
außerhalb der USA und die
nach wie vor üppige Liquidität die unverändert
träge Konjunkturlage in den USA,
das weltweit höhere Zinsniveau und die
immer noch hohen Ölpreise ausgleichen
können. Solange die Wirtschaft allgemein
und der US-Arbeitsmarkt in guter Verfassung
sind, dürften sich die Auswirkungen
der Probleme im Wohnungs- und Hypothekenmarkt
in Grenzen halten lassen.
Außerdem dürften die Unternehmen,
solange die Risikoscheu nicht deutlich
zunimmt, weiterhin über reichlich Kredit
verfügen.
Die Unternehmensbilanzen weisen in der
Regel reichlich Barmittel aus, und viele
Finanzinstitute mit guter Kapitalausstattung
können Firmen, die etwas strengere Voraussetzungen
erfüllen, Darlehen gewähren.
Die Zentralbanken wollen ihre stetig steigenden
Devisenreserven in erstklassige
Anleihen investieren. Sofern die Inflation
unter Kontrolle bleibt, dürfte dieser Umstand
dazu beitragen, die Kosten für längerfristige
Kredite niedrig zu halten. Auch Private-
Equity-Fonds sind sehr liquide und auf
der Suche nach Anlagegelegenheiten. Dies
dürfte den M&A-Zyklus weiter stützen.
Dagegen zeichnet sich eine Kreditknappheit
für Darlehensnehmer ab, die sonst
Darlehen hätten aufnehmen können, für
deren Gewährung nur geringe (oder gar
keine) Anforderungen gestellt werden.
Das Angebot an Krediten zur Finanzierung
fremdfinanzierter Spekulation und
riskanterer Buyout-Aktivitäten wird jetzt
knapper sein – das ist jedoch nicht unbedingt
etwas Schlechtes. Private-Equity-
und Unternehmenskäufer, die durch Neugliederung
und effiziente Kapitalallokation
Wertzuwächse erzielen können (und dem
Unternehmen nicht einfach mehr Schulden
aufbürden), dürften auch künftig Zugang
zu Krediten haben. Insgesamt scheint der
Finanzsektor am jetzigen Punkt in der Lage
zu sein, dieser unmittelbaren Gefährdung
seiner Stabilität standzuhalten.
Bei unseren Templeton-Portfolios sind wir
bezüglich der Bewertungen, Ertrags- und
Risikoannahmen großer Teile des Finanzsektors
skeptisch. Wir glauben, dass den
derzeitigen Bewertungen der Metall- und
Minenaktien trotz der starken fundamentalen
Nachfrage ein signifikantes spekulatives
Element innewohnt.
Dagegen sind Telekommunikationsdienste
und zyklische Konsumgüter Sektoren,
deren Bewertungen im Hinblick auf ihr
längerfristiges Potenzial attraktiv erscheinen,
nachdem sich Top-Down-Anleger
wegen kurzfristiger Bedenken zurückgezogen
haben. Außerdem scheinen einige
Large-Cap-Aktien, die vom Buyout-Boom
weitgehend verschont blieben, im Vergleich
zum Gesamtmarkt deutlich billig.
Im letzten Quartal war bereits zu sehen,
wie sie in einigen Märkten besser abzuschneiden
begannen. Wir rechnen jedoch
mit einem noch höheren Anstieg.
Quelle: Investmentfonds.de