11.07.2007
Templeton: Kommentar zu Emerging Markets
Köln, den 11.07.2007 (Investmentfonds.de) -
Die meisten Märkte haben im Berichtsquartal kräftig
zugelegt, da die Anleger in Bezug auf die
Entwicklungen in den Schwellenländern nach wie vor
zuversichtlich sind. Zu den Spitzenreitern zählten die
lateinamerikanischen Märkte. Diese Region
verzeichnete weiterhin kräftige Nettozuflüsse und
wichtige regionale Währungen zogen im Verhältnis
zum US-Dollar an. In Asien schnitten Märkte wie
China, Thailand, Südkorea und Indien (zum Teil
aufgrund der steigenden Rupie) besser ab als andere
Schwellenländer – trotz politischer Probleme in
Thailand und der Angst vor einer Überhitzung in China
und Indien. Wichtige europäische Märkte wie
Tschechien oder Ungarn verzeichneten eine robuste
Wertentwicklung, während Polen und die Türkei ihre
Performance durch den schwächeren US-Dollar
zusätzlich steigern konnte. Russland entwickelte sich
dagegen erneut unterdurchschnittlich. Negative
Medienberichte, das Scheitern des EU-Russland-
Gipfels und wachsende Reibereien mit den USA
veranlassten die Investoren zu Zurückhaltung. Auch
Südafrika lag im Schwellenländervergleich zurück und
beschloss das Quartal nur knapp im Plus.
Aktuelles aus den Regionen
Obwohl China seine Politik in diesem Jahr verschärft
hat, verbuchte das Land erneut eine robuste
makroökonomische Entwicklung, was weitere
Straffungsmaßnahmen erwarten lässt. Das BIP fürs
erste Quartal wuchs im Jahresvergleich um 11,1%,
während die Inflation mit 3,4% im Mai ein 27-Monats-
Hoch verzeichnete. Der Außenhandelsüberschuss
stieg gegenüber dem Vorjahr um 73% auf 22,5
Milliarden US-Dollar, da die Exporte im Mai um ganze
29% zugenommen haben. Infolgedessen belief sich
der Überschuss für die ersten fünf Monate des Jahres
auf 85,7 Milliarden US-Dollar. Um die internationalen
Bedenken im Hinblick auf den wachsenden
Außenhandelsüberschuss zu beruhigen, will China
mit Wirkung vom 1. Juli 2007 die steuerlichen
Erleichterungen für den Export von Tausenden von
Produkten verringern. Auch die Nachlässe für
energieintensive oder umweltunfreundliche Produkte
sollen gesenkt werden. Neben der Erhöhung der
Zinsen und der Mindestreservesätze der Banken hat
China sein Qualified Domestic Institutional Investor
(QDII)-Programm ausgeweitet, um einheimischen
Fondsmanagern und Maklerhäusern die Investition in
ausländische Wertpapiere zu ermöglichen. Dieser
Schritt hebt die anhaltenden Bemühungen der
Regierung zur Eindämmung der Kapitalströme auf
Chinas rasch ansteigende inländische Aktienmärkte
hervor. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI)
blieben mit 25,3 Mrd. US-Dollar im laufenden Jahr bis
Mai hoch und hatten gegenüber dem Vorjahr um 9,9%
zugelegt.
Brasiliens BIP stieg im Jahresvergleich um 4,3%, was
vor allem dem privaten Konsum, den
Anlageinvestitionen und dem Export zu verdanken
war. Im Vergleich dazu wuchs die Wirtschaft 2006
3,7%. Die Zentralbank lockerte die Währungspolitik
weiter und senkte die Zinsen im Quartal um 75
Basispunkte auf 12,0%. Auch ihr Inflationsziel für 2007
belässt die Regierung im vierten Jahr in Folge bei
4,5%. Die internationalen Credit-Rating-Agenturen
Standard & Poor’s und Fitch stuften Brasiliens
Länderbonität auf BB+ herauf. Damit trennt das Land
nur noch eine Stufe von einer erstklassigen Bonität,
was den starken makroökonomischen
Fundamentaldaten, der verbesserten Leistungs- und
Handelsbilanz sowie den wachsenden Devisenreserven
zu verdanken ist. Die Devisenreserven
überschritten im Juni 145 Mrd. US-Dollar, da
ausländische Direktinvestitionen und Portfolio-
Zuflüsse anhielten. Im Hinblick auf den Handel belief
sich der Überschuss für die zwölf Monate bis
einschließlich Mai 2007 insgesamt auf 47,9 Mrd. USDollar,
was zum Teil auf die Zunahme des
Exportwachstums im April und Mai zurückzuführen
war. Präsident Lula besuchte im Berichtsmonat
außerdem Indien, um die bilateralen Beziehungen zu
verbessern und sich über Geschäfts- und
Investitionsgelegenheiten zu informieren.
Das Wirtschaftswachstum in Russland blieb solide.
Das BIP steigerte sich im ersten Quartal gegenüber
dem Vorjahr um 7,9% und damit etwas stärker als in
den letzten drei Monaten des Jahres 2006 (7,8%).
Wachstumsintensivster Sektor war das Baugewerbe,
das in den ersten drei Monaten des Jahres Zuwächse
in Höhe von 23,2% verbuchte. Die Zentralbank senkte
ihren Refinanzierungssatz um 50 Basispunkte auf
10,0%. Das ist der zweite solche Schritt in diesem
Jahr und gleichzeitig ein Hinweis auf ein potenzielles
Nachlassen des Inflationsdrucks. Die Verbraucherpreise
legten im Mai gegenüber dem Vormonat um
0,6% zu, was der in den beiden vorausgegangenen
Monaten verzeichneten Inflationsentwicklung
entsprach. Im Zuge seiner anhaltenden Bemühungen
um einen Beitritt zur Welthandelsorganisation
unterzeichnete Russland ein bilaterales Abkommen
mit Guatemala und erzielte auch eine Einigung mit
Vietnam, die in Kürze in einer offiziellen Vereinbarung
münden sollte. Da nur noch die Verhandlungen mit
Georgien und Kambodscha ausstehen, ist ein Beitritt
bis Ende 2008 im Bereich des Möglichen.
Quelle: Investmentfonds.de