20.06.2007
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen unerwartet...
Köln, den 20.06.2007 (Investmentfonds.de) • Die ZEW-Konjunkturerwartungen für
Deutschland haben sich im Juni leicht auf 20,4 Punkte eingetrübt. Gleichzeitig hat
sich die gegenwärtige Lage auf ein neues Rekordhoch von 88,7 Punkten geschraubt.
• Angesichts der guten Rahmenbedingungen – Dax über 8000 Punkte, deutliche Aufwärts-
revisionen von Konjunkturprognosen und positive Überraschungen bei den US-
Konjunkturindikatoren – ist der Rückgang enttäuschend.
• Mögliche Gründe könnten in der hohen Lagebeurteilung und in Zinssteigerungsängsten
liegen.
1. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Juni leicht auf 20,3
Punkte eingetrübt. Damit wurden die Erwartungen der von Bloomberg befragten Volkswirte
(Median: 29,0 Punkte) wie auch die unseren (32,0 Punkte) enttäuscht. Gleichzeitig hat
sich die gegenwärtige Lage auf ein neues Rekordhoch von 88,7 Punkten geschraubt.
2. Der heutige Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen will nicht ganz einleuchten,
waren doch die Rahmenbedingungen exzellent: • Nach einer Berg- und Talfahrt des Aktien-
marktes landete der DAX genau rechtzeitig zum Freitag letzter Woche, dem Tag an dem
üblicherweise die meisten Finanzmarktanalysten ihren „Stimmzettel“ dem ZEW
zurücksenden wieder über der 8000er Marke.
• Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel prognostizierte als erste Institution ein
Wachstum von über drei Prozent in Deutschland in diesem Jahr. Und auch die Mehrheit
der Prognostiker, darunter Überwiegend Banken, sieht den Aufschwung in diesem Jahr
stärker als noch im Vormonat. So stieg der ebenfalls am Freitag veröffentlichte
Consensus Forecasts zum zweiten Mal in Folge um ungewöhnliche 0,3 Prozentpunkte auf
2,7 % an. Damit wurden die Konjunkturprognosen innerhalb von nur acht Wochen um fast
30% nach oben korrigiert. Wer sollte da nicht zuversichtlicher gestimmt sein?
• In den Reigen der guten Nachrichten fügten sich auch die US-Konjunkturindikatoren ein,
die bis zu 70% positiv überraschten. Inzwischen beginnen auch die Konjunkturerwartungen
für die USA nach oben zu drehen. Das schlug sich zwar in den Konjunkturerwartungen für
die USA nieder, nicht jedoch im deutschen Indikator.
3. Es lassen sich nur zwei Gründe für einen Rückgang der Erwartungen finden. Zum einen
das hohe Niveau der Beurteilung der Gegenwartslage. Diese schraubte sich auf ein neues
Allzeithoch, sodass einigen Befragten die Phantasie für eine weitere Verbesserung und
damit bessere Erwartungen fehlte. Allerdings hätten aus den gleichen Gründen die
Erwartungen auch schon im Vormonat sinken können. Zum anderen und weit bedeutsamer
könnten die starke konjunkturelle Entwicklung die Sorge über weitere Zinsniveausteige-
rungen mit entsprechenden negativen Auswirkungen für die Aktien- und Rentenmärkten
sowie für die Konjunktur ein Grund gewesen sein. Hier deutet sich ein neues Thema
für die Konjunkturdiskussion an, das in den kommenden Wochen zunehmend auf die
Watchlist gesetzt werden wird.
4. Der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen muss nicht beunruhigen. Zuletzt waren
die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten in ihren Erwartungen ohnehin zu pessimistisch.
Seit Juni 2006 liegen diese unter ihrem langjährigen Mittelwert.
Quelle: Investmentfonds.de