19.06.2007
Börsen-Zeitung: Freiwillige vor, Kommentar zu einem freiwilligen Verhaltenskodex der Hedgefondsbranche von Norbert Hellmann
Frankfurt (ots) - Vor dem Heiligendammer G8-Gipfel hatte der
deutsche Vorsitz zum Nachdenken über einen freiwilligen
Verhaltenskodex der Hedgefondsbranche aufgefordert. Beim führenden
Interessenverband, der Alternative Investment Management Association
(Aima), stieß man auf kühle Ablehnung. Dort herrscht noch immer die
Überzeugung, dass sich die Hedgefonds keinen Anpassungszwängen zu
beugen haben und schon gar nicht dem eines "freiwilligen" Kodex.
Nun wird bekannt, dass 13 große Londoner Hedgefondsmanager eine
Arbeitsgruppe ins Leben gerufen haben, die sich mit der
Offenlegungsfrage befassen und - man höre und staune - nach Lösungen
suchen soll, die auch "die Erfüllung freiwilliger Standards
beinhalten können". Zwischen beiden Vorgängen liegen drei Wochen, in
der schnelllebigen Welt der Hedgefonds eine lange Zeit. Tatsächlich
sieht diese heute ein wenig anders aus als noch Anfang des Monats.
Zum einen erkennt die angelsächsische Finanzwelt, dass der
deutsche G8-Vorsitz mit großer Zähigkeit Kompromisse erstritten hat
und auch das Gehör der US-Regierung fand. Zum anderen wächst der
politische Druck auf Hedgefonds und Private-Equity-Häuser, die
mauschelige Offshore-Denke aufzugeben und sich ihrer öffentlichen
Verantwortung zu stellen, die mit der Einwirkung auf immer größere
Unternehmen bzw. deren Übernahme einhergeht. Zugleich rückt man
steuerlichen Privilegien zu Leibe. In den USA knöpft sich der Senat
die heimischen Hedgefonds vor, während in London
Private-Equity-Vertreter einem aggressiven Parlamentsausschuss Rede
und Antwort stehen müssen.
Die großen Adressen sehen plötzlich Nachholbedarf in Sachen
Öffentlichkeitsarbeit, den Sammelsurium-Branchenverbände nicht
befriedigen können. Deren lange bewährte Mauertaktik erweist sich
heute als kontraproduktiv. Die Londoner Initiative ist ein Beitrag,
hoffnungslose Versteckspielchen aufzugeben und eigene Belange offener
zu vertreten. Dabei haben die Fonds mit Andrew Large eine geeignete
Galionsfigur gefunden. Als früherer Vizegouverneur der Bank of
England und Chairman des Securities Investment Board genießt er in
Zentralbankerkreisen Vertrauen.
Für Vorschusslorbeeren ist es zu früh, denn bei einem etwaigen
Kodex käme es auf Details und Verbindlichkeitsgrade an. Jedenfalls
würden große Hedgefonds etwas sichtbarer - mehr oder weniger
freiwillig. Das ist ein Fortschritt.
Originaltext: Börsen-Zeitung
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