06.06.2007
Deka-EZB-Kompass: Inflationsprognose 2008 ist der Schlüssel...
Köln, den 06.06.2007 (Investmentfonds.de) • Der EZB-Kompass liegt mit 69,0 Punkten
im Mai etwas höher als im April und auch etwas höher als von uns bislang erwartet.
Damit bleibt die Notwendigkeit für weitere Zinserhöhungen hoch. Wir erwarten nach
einer Erhöhung in dieser Woche eine erneute Leitzinserhöhung auf 4,25 % im September.
Das Prognoserisiko liegt weiterhin in einer Erhöhung auf 4,5 % auf 12-Monatssicht.
• Für die Entwicklung des Geld- und Rentenmarktes wird die neue Inflationsprognose
des Mitarbeiterstabs sehr bedeutsam sein. Wir erwarten eine Anhebung der Inflations-
prognose für 2007 von 1,8 % auf 1,9 %. Sollte auch die Inflationsprognose für 2008
von aktuell 2,0 % angehoben werden, ließe sich eine Leitzinserhöhung auf 4,5 % und
damit ein klar restriktives Zinsniveau bereits in diesem Jahr rechtfertigen.
• Wir erwarten, dass Präsident Trichet auf der Pressekonferenz Formulierungen wählt,
die zu einer Beruhigung am Bondmarkt beitragen. Besonders wichtig wird dabei sein, ob
er das aktuelle Zinsniveau noch immer als akkomodierend bezeichnet. Wir erwarten eine
Formulierung, die dies nicht mehr so klar bejaht wie bislang.
1. EZB-Kompass: Der bei 50 Punkten neutrale EZB-Kompass stieg im Mai auf 69,0 Punkte.
Der April-Wert wurde auf 68,2 Punkte heraufrevidiert. Sowohl die monetäre Säule (92,9
nach 93,5 Punkten) als auch die wirtschaftliche Säule (61,0 nach 59,7 Punkten) sprechen
für ein restriktives Zinsniveau. Bei beiden Säulen erwarten wir für die nächsten sechs
Monate eine Seitwärtstendenz, sodass die Argumente für steigende Leitzinsen bestehen
bleiben. Vor allem die höheren Werte der wirtschaftlichen Säule haben dazu geführt, dass
wir die bislang von uns für Dezember prognostizierte Erhöhung auf 4,25 % nun bereits
im September erwarten.
2. Der Anstieg des Scores der wirtschaftlichen Säule im Vergleich zum Vormonat ist auf
einen Anstieg der Industrieproduktion und des Economic Sentiments sowie auf eine höhere
Consensus-Inflationserwartung zurückzuführen. Bei der monetären Säule bleiben die
Signale seit Monaten gleich. Vor allem die Kreditvergabe signalisiert, dass die
konjunkturelle Dynamik stark bleibt. Allerdings verunsichern die nationalen Unterschiede.
In keinem Land der EWU steigen die Unternehmens- und privaten Wohnungsbaukredite so
schwach wie in Deutschland mit 2,5 % yoy bzw. 0,4 % yoy. Die privaten Konsumentenkredite
sind mit - 1,7 % yoy sogar rückläufig. In der Kreditstatistik lässt sich folglich
nicht erkennen, dass der Euroland-Aufschwung in starkem Maße von Deutschland getragen
wird. Stattdessen nehmen die Kreditvolumen in Italien und Spanien weiterhin mit zwei-
stelligen Raten zu.
3. Für die weitere Zinspolitik werden die Revisionen der Inflations- und Wachstumsprog-
nosen des Mitarbeiterstabes des ESZB sehr wichtig werden. Die BIP-Prognosen dürften
von 2,5 % und 2,4 % für 2007 und 2008 auf 2,7 % und 2,5 % hoch revidiert werden. Für
den Rentenmarkt kritischer dürften die Inflationsprognosen sein, die zuletzt bei 1,8 %
für dieses und bei 2,0 % für nächstes Jahr lagen. Wir erwarten eine Revision der Prognose
für 2007 auf 1,9 % und eine unveränderte Prognose für 2008 von 2,0 %. Das größte
Risiko für den Rentenmarkt besteht darin, dass die EZB ihre Inflationsprognose für
2008 auf einen Wert von über 2,0 % anhebt. Dies würde signalisieren, dass die EZB bei
dem aktuellen Niveau der Zinsstrukturkurve, die bereits einige Leitzinserhöhungen
eingepreist hat, ihre Inflationsnorm auch mittelfristig nicht erreichen kann. Es würde
die Notwendigkeit weiterer Leitzinserhöhungen sehr deutlich und eine längere Zinspause
nach einer Erhöhung auf 4,25 % unwahrscheinlich machen. Die Erhöhung der Consensus-
Inflationserwartungen für dieses Jahr auf 1,9 % hat glücklicherweise nicht zu einer
Erhöhung der mittelfristigen am Kapitalmarkt eingepreisten Inflationserwartungen geführt.
Die folgenden Grafiken zeigen, dass der Anstieg der Nominalzinsen in Euroland in den
letzten Quartalen fast vollständig auf steigende Realzinsen zurückzuführen ist. Unsere
Prognose für die Inflationsrate 2008 bleibt bei 1,9 %, da wir davon ausgehen, dass der
starke Anstieg der Lohnstückkosten sich 2008 nicht weiter fortsetzt. Dank eines stärkeren
Produktivitätswachstums, das wir stärker als beispielsweise die EU-Kommission einschätzen,
erwarten wir 2008 Raten um lediglich rund 1,0 % (s. Schaubild). Damit wären Preisstei-
gerungen aufgrund einer Margenerhöhung zwar weiterhin möglich, jedoch nicht zu zwingend.
Schließlich liegt der Outputgap auch nur leicht im positiven Bereich.
4. Kommunikationsprognose: Wir erwarten, dass Präsident Trichet auf der Pressekonferenz
davon abrückt zu sagen, die Geldpolitik sei auf der akkomodierenden Seite. Stattdessen
könnte er mit einer weicheren Formulierung wie „wahrscheinlich eher akkomodierend“ darauf
hinweisen, dass das Leitzinsniveau von 4,0 % schon leicht restriktiv wirken könnte.
Dies würde der EZB mehr Freiraum für eine Zinserhöhungspause liefern und käme denjenigen
im EZB-Rat entgegen, die den Arbeitsmarkt in Euroland stärker und länger unterstützen
möchten.
5. Rentemarktprognose: Aktuell ist am Geldmarkt bis März 2007 eine Zinserhöhung auf
4,5 % eingepreist. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist heute auf 4,48 % gestiegen.
Sowohl das Geldmarkt- als auch das Kapitalmarktniveau liegen damit am oberen Ende der
Spanne, die wir bei der aktuellen Lage im Konjunkturzyklus für vertretbar erachten.
Sollte der Aufschwung auch 2008 und 2009 sich mit einer ähnlichen wie der aktuellen
Dynamik fortsetzen, sind sicherlich auch höhere Renditeniveaus möglich. Der Rentenmarkt
unterschätzt derzeit aber die Möglichkeit, dass der Aufschwung nicht sofort zu
Inflationsgefahren führt und dass die EZB sich daher bei weiteren Zinserhöhungen etwas
mehr Zeit lassen kann. Wir bleiben daher bei unserer Drei- und Sechsmonatsprognose von
jeweils 4,4 % für zehnjährige Bundesanleihen und erachten die aktuellen Renditeniveaus
folglich als attraktiv.
Quelle: Investmentfonds.de