23.05.2007
Deka : Schrumpfende Märkte trotz steigender Kurse
Köln, den 23.05.2007 (Investmentfonds.de) - Weitgehend unbemerkt von der breiten
Öffentlichkeit hat sich die Zahl der umlaufenden Aktien an etablierten Börsenplätzen
wie den USA oder Großbritannien verringert. Erste Tendenzen sind nun auch an den
kontinentaleuropäischen Börsen zu beobachten. Was in der Börsensprache als "De-Equiti-
sation" bezeichnet wird, heißt im Klartext: Den Börsen wird durch Unternehmensübernahmen
und Aktienrückkäufe Kapital entzogen. Auf der anderen Seite kommen nicht genügend neue
Unternehmen an die Börse, um die entstandene Lücke zu schließen. Etablierte Märkte auf
SchrumpfkursDie US-amerikanischen Aktienmärkte verloren auf diese Weise in den vergangenen
zwei Jahren rund fünf Prozent ihres Volumens. Allein 2005 wurden ca. 500 Mrd. US-Dollar
entzogen. Neuemissionen von lediglich 40 Mrd. US-Dollar konnten den Abfluss bei weitem
nicht ausgleichen. Stark geschrumpft ist auch die Londoner Börse: Hier begann der Exodus
bereits 2004, seither ist der britische Aktienmarkt um rund 10 Prozent kleiner geworden.
Rückgang auch in KontinentaleuropaEine ähnliche Entwicklung bahnt sich nun an den kontinentaleuropäischen Börsen an. Verlässliche Daten liegen noch nicht vor, doch Schät-
zungen gehen für 2006 von einem einprozentigen Rückgang aus. Große Neuemissionen sind
bis auf wenige Ausnahmen dünn gesät. So wird das Aktienangebot an den etablierten
Märkten immer geringer und hält nicht mehr Schritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung.
Emerging Markets halten dagegenEine teilweise Entlastung schafft die Flut an Neuemissionen
chinesischer und russischer Dividendenpapiere. Allein auf diese beiden Länder entfielen
2006 fast 26 Prozent des weltweiten Neuemissionsvolumens von 253 Mrd. US-Dollar. Mit
einem platzierten Umfang von 22 Mrd. US-Dollar in Hong Kong und Shanghai stellte der
Börsengang der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) einen neuen Rekord auf. Der
Boom im Osten kann die wachsende Lücke in den etablierten Märkten jedoch nicht komplett
schließen, weil die Investoren aus Diversifikationsgründen nur einen Teil ihrer Gelder
in Emerging Markets anlegen wollen. Übernahmen forcieren AktienknappheitForscht man nach
den Ursachen für die De-Equitisation, so ist zunächst die rege Übernahmetätigkeit zu
nennen.
Private Equity und Mergers & Acquisitions sind an der Tagesordnung; 2006 erreichten
die Transaktionen die Rekordmarke von 3,5 Bio. US-Dollar. Viele der aufgekauften
Unternehmen verschwinden anschließend vom Kurszettel. Mit dem Erlös suchen die Verkäufer
neue Anlagemöglichkeiten in einem enger werdenden Markt. Experten schätzen, dass 280
Mrd. US-Dollar in Private-Equity-Fonds auf weitere Verwendung warten. Aktienrückkäufe
dünnen Markt ausViele Unternehmen nutzen ihre zurzeit hohe Ertragskraft und
Überschussliquidität zum Rückkauf eigener Aktien. Beispiele sind IBM in den USA oder
hierzulande die Deutsche Bank. Die so erworbenen Aktien werden zu einem großen Teil
eingezogen. Dies verknappt das Angebot und schafft so weiteres Kurspotenzial. Unter-
stützt von einem freundlichen Marktumfeld und der recht lockeren Geldpolitik der
großen Notenbanken, kann das Phänomen De-Equitisation die künftige Entwicklung der
internationalen Aktienbörsen positiv beeinflussen.
Quelle: Investmentfonds.de