23.05.2007
BA-CA : Private Haushalte in Osteuropa verbessern ihren Lebensstandard
Köln, den 23.05.2007 (Investmentfonds.de) - Das Geldvermögen der privaten Haushalte
in Zentral- und Osteuropa (CEE)1 verzeichnete im Jahr 2006 zum dritten Mal in Folge
ein zweistelliges Wachstum und stieg auf insgesamt 583 Milliarden Euro (+14 Prozent,
2005: 510 Milliarden Euro) oder 57 Prozent des BIP. Zurückzuführen ist dieser Anstieg
auf das dynamische Wirtschaftswachstum in den CEE-Ländern, einen Kursanstieg bei
Vermögenswerten und auf die fortgesetzte Vermögensbildung im Rahmen von Pensionsfonds.
Die Region Zentral- und Osteuropa hat derzeit einen Anteil von etwa 1% am weltweiten
Geldvermögen privater Haushalte, das im Jahr 2006 auf über 81 Billionen Euro2 gestiegen
sein dürfte.
Dem Geldvermögenswachstum stand eine stärkere Zunahme der Verschuldung privater Haus-
halte in der gesamten Region CEE gegenüber. Im Jahr 2006 verzeichneten die Banken
erneut ein dynamisches Kreditwachstum, wobei die Verschuldung privater Haushalte im
Jahresvergleich um 33 Prozent (2005: 43 Prozent, 2001: 6 Prozent) auf fast 180 Milliarden
Euro zunahm. Dennoch ist die Verschuldung privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa
gemessen am BIP immer noch relativ niedrig: Im Jahr 2006 erreichten die Verbindlich-
keiten privater Haushalte in CEE 17 Prozent des BIP; der Wert für die Eurozone lag
bei 54 Prozent. "Trotz schneller Konvergenz bietet die Region CEE somit weiteres
Wachstumspotential," sagt Erich Hampel, Osteuropachef der UniCredit Group und
Vorstandsvorsitzender der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), bei einer Pressekonferenz
im Rahmen der EBRD-Jahrestagung in Kazan.
Private Haushalte investieren zunehmend in Immobilien, die Nachfrage nach Hypothekar-
krediten für Wohnungszwecke ist groß. Die Haushalte sparen weiterhin, aber ein Teil
ihrer Ersparnisse fließt in Richtung Immobilienmarkt. "Private Haushalte in Zentral-
und Osteuropa passen ihre Verbrauchergewohnheiten an den neuen, verbesserten Lebens-
standard an. Gleichzeitig investieren sie zunehmend in ihren Wohnraum. Wesentliche
Faktoren für den Konsum in der Region CEE sind ein hohes Einkommenswachstum und ein
besserer Zugang zum Kreditmarkt, der auch von einem Wohlstandseffekt aus dem starken
Anstieg der Immobilienpreise gestützt wird", erklärt Debora Revoltella, Osteuropa-Chef-
ökonomin der BA-CA und der UniCredit Group.
Regionale Unterschiede
Dabei gibt es aber erhebliche regionale Unterschiede. In Bulgarien, Polen, Slowenien
und auch in Kroatien haben Konsum und private Investitionen in Realvermögen die
Geldvermögensbildung noch nicht in den Hintergrund gedrängt; in diesen Ländern sind
die Nettovermögensposition und das bereinigte Nettovermögen3 in Prozent des BIP bisher
stetig gestiegen.
Ein entgegengesetzter Trend ist in Rumänien, in der Slowakei, in Russland und in der
Türkei zu beobachten. In diesen Ländern nutzen private Haushalte gerne und rasch neue
Möglichkeiten. Sie setzen zunehmend auf die fortschreitende Konvergenz zur Verbesserung
ihres Lebensstandards und profitieren dabei von den guten Aussichten für die Wirtschaft
und von einem Preisanstieg bei Vermögenswerten. In diesem Zusammenhang sollte man
beachten, dass aufgrund der ausgeprägten Polarisierung der Einkommen in Russland und
der Türkei bei Rückschlüssen auf das durchschnittliche Verhalten der privaten Haushalte
Vorsicht angebracht ist.
Bei den privaten Haushalten in Ungarn und der Tschechischen Republik steht einem Rück-
gang der Nettovermögensposition bezogen auf das BIP ein Anstieg der bereinigten
Vermögenskennzahlen gegenüber; darin kommt zum Ausdruck, dass sich aufgrund der starken
Nachfrage nach Wohnhäusern die Verlagerung von der Geldvermögensbildung hin zu
Realvermögenswerten fortsetzt.
Stärker differenzierte Struktur des Geldvermögens privater Haushalte in Zentral- und
Osteuropa
In der Asset Allocation, also der Strukturierung des veranlagten Vermögens der
privaten Haushalte, setzte sich in Zentral- und Osteuropa die allmähliche Verlagerung
von traditionellen Sparprodukten hin zu alternativen und spezialisierten Veranlagungen
im vergangenen Jahr fort. Gefördert wurde diese Entwicklung durch einen deutlichen
Kursanstieg und eine starke Performance der lokalen Kapitalmärkte. Die zunehmende
Diversifizierung der von privaten Haushalten gehaltenen Anlagewerte ist auch eine
Folge generell niedriger Einlagenzinssätze und hoher Renditen in anderen Bereichen,
wobei Veranlagungen in Aktien und Investmentfonds am stärksten zunahmen.
Während die Bargeldbestände im Zeitverlauf fast konstant blieben, nahm der Anteil der
traditionellen Bankeinlagen weiter ab und ging auf 51 Prozent des gesamten Geldvermögens
zurück (2000: 65 Prozent). In Ländern, in denen die Entwicklung der Finanzmärkte bereits
weiter fortgeschritten ist (z.B. Polen, Ungarn, Tschechische Republik), war dieser Rück-
gang stärker ausgeprägt. Hingegen spielen Bankeinlagen in Rumänien und in der Türkei sowie
in Kroatien und Bulgarien weiterhin eine bedeutende Rolle, wobei die Finanzmärkte dort
immer noch stark von den Banken geprägt und die Zinsen immer noch relativ hoch sind (wie
im Fall der beiden erstgenannten Länder). Ähnliche Entwicklungen sind in Russland zu
beobachten, wo das Einlagenwachstum auch aus Veränderungen im Verhalten konservativer
Teile der Bevölkerung resultiert, die ihre Ersparnisse früher großteils in Form von
Bargeld (hauptsächlich in Fremdwährung) zu Hause aufbewahrten.
Das zunehmend stabile gesamtwirtschaftliche Umfeld hatte auch positive Auswirkungen auf
das Versicherungsgeschäft. Die Nachfrage nach Lebensversicherungen stieg rascher als
die Einkommen, insbesondere in Ländern, in denen noch kein umfassend reformiertes
Pensionssystem besteht (d.h. in Rumänien, Slowenien, der Türkei und in geringerem Ausmaß
in der Tschechischen Republik). "Pensionsfonds bleiben bei weitem die interessanteste
und am schnellsten wachsende Komponente des Geldvermögens", sagt CEE-Chefökonomin Debora
Revoltella. Der Anteil der Pensionsfonds am gesamten Geldvermögen hat sich fast verdrei-
facht und lag Ende 2006 bei 9 Prozent. Die Teilnahmequote an nach dem Kapitaldeckungs-
verfahren konzipierten Säulen des Pensionssystems und das darin angesammelte Vermögen
liegen in Ländern, die die zweite verpflichtende Säule schon sehr früh eingeführt
haben, bereits auf hohem Niveau – beispielsweise in Polen und Ungarn, wo die Teilnahme-
quote 83 Prozent bzw. 68 Prozent beträgt, aber auch in Bulgarien und Kroatien. Eine
weitere Zunahme wird demnächst für jene Länder erwartet, wo die zweite Säule vor
kurzem eingeführt wurde (Slowakei) oder in naher Zukunft starten soll (Rumänien).
Potential bei Hypothekarkrediten weiterhin am höchsten
Analog zur Entwicklung in der Eurozone bleiben Hypothekarkredite die treibende Kraft
des in letzter Zeit verzeichneten starken Kreditwachstums in Zentral- und Osteuropa
(womit ihr Anteil an den Gesamtverbindlichkeiten privater Haushalte nun höher ist als
jener der Verbraucherkredite). Das Volumen der Hypothekarkredite stieg im Zeitraum
2000 bis 2006 um durchschnittlich 44 Prozent, wobei sowohl von der Nachfrage als auch
von angebotsseitigen Faktoren Wachstumsimpulse ausgingen. In der Region CEE beträgt
das Gesamtvolumen der Hypothekarkredite jedoch nur 7 Prozent des BIP und liegt damit
deutlich unter dem Vergleichswert von 38 Prozent im Eurogebiet. "Diese Zahlen zeigen
das enorme langfristige Wachstumspotential bei Hypothekarkrediten", sagt Erich
Hampel. "Internationale Banken wie die UniCredit Group haben in diesem Bereich umfang-
reiche Erfahrung und können ihren Kunden in den CEE-Ländern Know-how und entsprechende
Produkte bieten. Damit ist eine Wertschöpfung verbunden, von der sowohl die Bevölkerung
in Zentral- und Osteuropa als auch die Banken profitieren."
Gute Aussichten für die Wirtschaft
Die guten Konjunkturaussichten bieten weiterhin ein günstiges Umfeld für die
Geldvermögensbildung privater Haushalte in der Region CEE. Mit der Verbesserung der
finanziellen Lage privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa wird das Wohlstandsniveau
in Relation zum BIP weiter ansteigen und im Jahr 2009 voraussichtlich einen Wert von
61 Prozent erreichen (2006: 57 Prozent). Eine besonders hohe Dynamik (zwischen 20 und
25 Prozent pro Jahr) der Geldvermögensbildung wird in Wachstumsmärkten wie Russland,
Serbien, Rumänien und Bosnien-Herzegovina erwartet. Dem anhaltenden Wachstum des
Geldvermögens wird eine noch stärkere Neuverschuldung der privaten Haushalte gegen-
überstehen; dies ist im Zusammenhang mit der steigenden Nachfrage nach langlebigen
Konsumgütern, einem bei weitem noch nicht gesättigten Wohnungsmarkt und starkem Wett-
bewerb im Finanzdienstleistungssektor zu sehen. Aufgrund dieser Entwicklungen rechnen
die CEE-Ökonomen der UniCredit Group für den Zeitraum 2007 bis 2009 mit einem jährlichen
Anstieg der finanziellen Verpflichtungen privater Haushalte in Zentral- und Osteuropa
von durchschnittlich 19 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 22 Prozent des BIP im Jahr
2009 (2006: 17 Prozent). Hypothekarkredite sollten dabei das höchste Wachstumspotential
aufweisen, sie dürften um jährlich 22 Prozent zunehmen und damit den Großteil des
Anstiegs der Verschuldung privater Haushalte in der gesamten Region ausmachen. "Investi-
tionen in den eigenen Wohnraum bleiben ein wichtiges Ziel der privaten Haushalte. Ein
erheblicher Teil der Ersparnisse privater Haushalte wird weiterhin in den Immobilienmarkt
fließen, wobei Hypothekarkredite stark zunehmen", sagt die CEE-Chefökonomin Debora
Revoltella.
UniCredit Group wächst weiter
Vor dem Hintergrund der guten Konjunkturaussichten für die Region Zentral- und Ost-
europa will die UniCredit Group in der Wachstumsregion CEE ihre führende Stellung
ausbauen und weiter expandieren. Durch organisches Wachstum will die Gruppe bis Ende
2008 rund 200 neue Filialen eröffnen. Expansionsziele sind dabei die Wachstumsmärkte
Russland, Türkei, Ukraine sowie Ungarn. Damit sollen bis Ende nächsten Jahres in
diesen Ländern zumindest eine Million neue Kunden gewonnen werden. Die Gruppe will
neben dieser Filialexpansion auch neue Märkte erschließen: Als ersten Schritt plant
sie, Repräsentanzen in Montenegro, Weißrussland und Kasachstan zu eröffnen. "Damit
gehen wir unseren Weg konsequent weiter. Als Marktführer in Zentral- und Osteuropa
wollen wir noch näher bei unseren Kunden und ihren Bedürfnissen sein. Mit den neuen
Filialen und den Niederlassungen in drei neuen Märkten bieten wir ihnen eine noch
größere Präsenz und nützen gleichzeitig die Chancen, die uns die Wachstumsmärkte
Osteuropas eröffnen," sagt Osteuropachef Erich Hampel.
Quelle: Investmentfonds.de