27.04.2007
Deka: Deutschland: ifo Geschäftsklima – kurz vor dem Allzeithoch
Köln, den 27.04.2007 (Investmentfonds.de) • Das ifo Geschäftsklima für die deutsche
gewerbliche Wirtschaft stieg im April auf 108,6 Punkte an und erreichte damit nahezu
sein Allzeithoch. Getrieben war die Stimmungsaufhellung von einer günstigeren
Beurteilung der Geschäftslage sowie von zuversichtlicheren Geschäftserwartungen.
• Die Mehrwertsteuererhöhung ist weitgehend verdaut und die Industrie freut sich
über wieder höhere Auftragseingänge – und das bei der höchsten Kapazitätsauslastung
seit 15 Jahren. Ferner werden die Konjunkturprognosen wurden weiter nach oben revidiert.
Ein bunter Strauß guter Nachrichten.
• Die heutigen Daten unterstreichen die Breite, die der Aufschwung inzwischen gewonnen
hat.
1. Das ifo Geschäftsklima für die deutsche gewerbliche Wirtschaft stieg im April auf
108,6 Punkte an und erreichte damit nahezu sein Allzeithoch (108,7 Punkte im Dezember
2006). Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten mit einem Indexstand von 107,9 Punkten
gerechnet, wir prognostizierten einen Wert von 108,4 Punkten. Getrieben war die
Stimmungsaufhellung von einer günstigeren Beurteilung der Geschäftslage (113,2 nach
112,4 Punkten) sowie von zuversichtlicheren Geschäftserwartungen (104,3 nach 103,2 Punkten).
2. Die Zuversicht der Unternehmen basiert auf folgenden Einschätzungen: Im April sollten
die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung weitgehend verdaut worden sein, zumindest aus Sicht
der Unternehmen. So hat der Einzelhandel nach Berechnungen der Bundesbank die Mehrwert-
steuererhöhung weitgehend weitergegeben, so dass die Margen hiervon wohl kaum mehr
belastet werden. Die Nachfrage ist zwar – gemessen am Einzelhandelsumsatz – zu Jahres-
beginn zurückgegangen, doch spricht vieles für eine zügige Erholung des privaten Konsums,
allen voran die Arbeitsmarkt- und die Einkommensentwicklung. Die Erholung am Arbeitsmarkt
ist zwar schon seit längerem im Gange, doch zunächst war sie noch von minderer Qualität:
Es wurden überwiegend Zeitarbeitsstellen aufgebaut, die im Vergleich zu regulären
Arbeitsplätzen mit einer geringeren Arbeitsplatzsicherheit und geringeren Einkommen
verbunden sind. Seit Oktober melden nun alle Wirtschaftsbereiche einen Stellenaufbau
(bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung) und der Anteil der Zeitarbeits-
stellen am Beschäftigungsaufbau sinkt entsprechend. Gleichzeitig versprechen die
hohen Tariflohnabschlüsse, die schon getätigt wurden oder noch anstehen, kurzfristig
Einkommenszuwächse, die für mehr Kaufkraft sorgen, und erst mittelfristig die
Wettbewerbsfähigkeit dämpfen könnten. All das spiegelt sich in einem starken Anstieg
der Geschäftserwartungen des Einzelhandels wider, die ihren höchsten Wert seit Oktober
1996 erreicht haben.
3. Die Industrie freut sich derzeit über wieder höhere Auftragseingänge – und das bei
der höchsten Kapazitätsauslastung seit 15 Jahren. Deshalb sehen die Unternehmen die
derzeitige Eurostärke gelassen, zumal sie kurzfristig gegen Wechselkursschwankungen
abgesichert sind und die hohe weltwirtschaftliche Nachfrage die bisherige Aufwertung
überkompensiert. Die Tariflohnerhöhungen, die dem Konsum Rückenwind verschaffen,
werden die Unternehmen belasten, in diesem Monat haben sie es noch nicht. Denn der
größte Brocken, der Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie, liegt noch vor uns.
Wenn nach dem Ende der Friedenspflicht am 28.4. Warnstreiks beginnen und wahrscheinlich
ein (zu) hoher Abschluss getätigt wird, dann kann das im kommenden Monat zu einem
kleinen Stimmungsdämpfer führen. Im April war es noch zu früh dafür.
4. Schließlich färbt die Zuversicht in den Konjunkturprognosen auch auf die Unternehmen
ab, die, weil sie keine eigenen Konjunkturprognosen erstellen, sehr genau auf den
„Prognosemarkt“ achten. Dort wurden im laufenden Monat wieder zahlreiche Prognosen von
Banken und Instituten nach oben revidiert.
5. Die heutigen ifo-Daten sind eine rundum schöne Packung: Mit Ausnahme des Baus - und
das ist keine Überraschung – hat sich die Stimmung in allen Branchen (einschließlich
der Dienstleister) verbessert. Sie unterstreichen auch die Breite, die der Aufschwung
inzwischen gewonnen hat: Nach den Exportstimuli sprang der Funke erst auf die
Investitionstätigkeit und nun auf den Arbeitsmarkt über. Jetzt stehen wir kurz
vor dem Punkt, an dem er auf den privaten Konsum überspringen sollte. Risiken gibt
es (Tariflohnentwicklung, Euroaufwertung und weitere Zinssatzsteigerungen), doch bislang
sieht es so aus, als ob der Aufschwung robust genug ist, sie zu verkraften.
Quelle: Investmentfonds.de