25.04.2007
Ergebnisse der Umfrage "Konjunktur und Wirtschaftspolitik"
Köln, den 25.04.2007 (Investmentfonds.de) - I. Weltwirtschaftliches Umfeld
Weltwirtschaft in guter Verfassung …
Bei der Beschreibung der Weltwirtschaft scheinen viele Ökonomen zurzeit nur noch
den Superlativ zu kennen. Um Missverständnissen entgegenzutreten: Auch wir sehen
die Weltkonjunktur in einer guten Verfassung und sind für 2007 und 2008 durchaus
optimistisch. Denn ungeachtet der schwächeren Konjunktur in den USA steht das
globale Wirtschaftswachstum auf einer breiten regionalen Basis: Der Wachstumstrend
in den asiatischen Schwellenländern ist solide, im Euro-Raum sowie in Japan wird
die Erholung immer stärker von den binnenwirtschaftlichen Kräften getragen, und
in vielen Rohstoff exportierenden Ländern bleiben die ökonomischen Rahmenbedingungen
günstig.
Allerdings sollte man bei den besonders optimistischen Einschätzungen doch beachten:
Die Unsicherheit über das Ausmaß der Wachstumsverlangsamung in den USA ist nach wie
vor hoch. Nach unserer Auffassung ist die Stimmung etwas zu euphorisch. In jedem
Fall sollten die Risiken für die Weltwirtschaft nicht leichtfertig ignoriert werden.
… Risiken aber nicht ausblenden
Unser Hauptszenario ist nach wie vor eine „weiche Landung“ der US-Konjunktur. Für das
laufende Jahr prognostizieren wir bei der Wachstumsrate eine Zwei vor dem Komma.
Aber bei den weltwirtschaftlichen Risiken messen wir inzwischen einer möglichen
Rezession in den USA das größte Gewicht bei. Das liegt vor allem daran, dass es
inzwischen auch erste Signale für eine nachlassende Investitionstätigkeit der
US-Unternehmen gibt. Bislang haben sich die Schwierigkeiten in den USA fast ausschließ-
lich auf den Immobiliensektor beschränkt. Über zunehmende Zahlungsausfälle, eine
geringere Investitionsdynamik und einen schwächeren Konsum könnten sich die Belastungen
jedoch auf die gesamte Wirtschaft ausbreiten. Zumal der Wechselkurs des Euro sowohl
gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem japanischen Yen überbewertet ist.
Hauptszenario: von glänzend auf gut
Unterm Strich rechnen wir bei einer „sanften Landung“ der US-Wirtschaft wegen des
von vielen Notenbanken reduzierten Expansionsgrads der Geldpolitik mit einer moderaten
Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Nach dem außerordentlich guten
5,4 % im vergangenen Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum 2007 bei 4 ½ % bis 4 ¾ %
liegen.
II. Konjunktur und Geldpolitik im Euro-Raum
Euro-Raum: leichte Abschwächung bei solider Wachstumsbasis
Für die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum gilt Ähnliches wie für die Weltwirt-
schaft: Nach dem überraschend guten Jahr 2006 wird sich das hohe Expansionstempo 2007
nicht ganz halten lassen. Zwar steht die Konjunktur auf einer soliden Basis – allen
voran die weiterhin gute Gewinnsituation der Unternehmen, die die Investitionen stützt
sowie der Beschäftigungsaufbau, der dem privaten Konsum mehr Zugkraft gibt. Die etwas
langsamer wachsende Weltwirtschaft, die höheren Leitzinsen und der recht hohe Euro-Kurs
dürften das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum in diesem Jahr aber auf 2,4 % reduzieren,
bevor es sich dann im nächsten Jahr auf dem Trendwachstum von 2 ¼ % stabilisiert.
Geldpolitik: EZB braucht nicht auf die Bremse zu treten
Der anhaltende Produktivitätsfortschritt sollte dafür sorgen, dass die Lohnstückkosten
nur moderat steigen. Bei einer vergleichsweise ruhigen Entwicklung der Rohstoffmärkte
wird die Inflationsrate im Euro-Raum sowohl 2007 auch 2008 geringfügig unter der
längerfristigen Stabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank von knapp 2 % liegen. Vor
diesem Hintergrund gehen die Chefvolkswirte der privaten Banken davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im
Juni dieses Jahres eine abwartende Haltung einnimmt, also die Leitzinsen für eine
längere Zeit unverändert lässt. Denn bildlich gesprochen wird die EZB bei einem Leit-
zins von 4 % den Fuß vollständig vom Gaspedal genommen haben; angesichts der aktuellen
Preis- und Wachstumsprognosen braucht sie aber nicht auf die Bremse zu treten. Das gilt
erst recht, wenn man die jüngste Aufwertung des Euro sowie die in den letzten Monaten
gestiegenen Kapitalmarktzinsen in der Währungsunion mit in den Blick nimmt. Während
der steigende Eurokurs auf die Wirtschaft ähnlich wie eine Leitzinserhöhung wirkt,
zeigen die anziehenden Langfristzinsen, dass die bisherigen Zinsstraffungen allmäh-
lich greifen.
Da der EZB offenbar das starke Geldmengenwachstum im Euro-Raum Unbehagen bereitet,
gehen die Spekulationen an den Märkten inzwischen über einen Leitzins von 4 % hinaus.
Wir sehen in der Geldmengenexpansion zurzeit jedoch kein besonderes Handlungspotenzial
für die EZB, da die immer noch sehr flache Zinsstrukturkurve das Wachstum der Geldmenge
M3 überzeichnet.
Unseres Erachtens besteht daher die Gefahr, dass die EZB mit der Zinsstraffung zu weit
läuft und dadurch auch den Euro-Kurs weiter nach oben drückt. Bei ausgelasteten Produk-
tionskapazitäten und sinkender Arbeitslosigkeit können die Unternehmen im Euro-Raum
die Aufwertung aber nicht mehr so leicht durch Kostensenkungen kompensieren wie in
den vergangenen Jahren.
Zinspause würde Aufwertungsdruck des Euro reduzieren
Kurzfristig spricht einiges dafür, dass der Euro tendenziell weiter an Wert gewinnt.
Hierbei dürfte auch die bereits erwähnte Spekulation eine Rolle spielen, dass die EZB
den Zinsstraffungszyklus auch nach der nächsten Zinserhöhung fortsetzt. Sollten diese
Spekulationen weitere Nahrung erhalten, könnte der Euro gegenüber dem Dollar bald schon
die Marke von 1,40 US-$ erreichen bzw. überschreiten. Spätestens dann dürfte aber die
Wahrscheinlichkeit einer Zinspause deutlich steigen. Unter der Voraussetzung, dass die
EZB den Leitzins nicht über 4 % anheben wird, sollte der Euro unseres Erachtens im
Verlauf der zweiten Jahreshälfte daher wieder etwas nachgeben. Zum Jahresende 2007
prognostizieren wir deshalb einen Euro-Dollar-Kurs von 1,35 US-$.
Quelle: Investmentfonds.de