18.04.2007
Deka USA: Kerninflation sinkt im März unerwartet stark auf 2,5 %
Köln, den 18.04.2007 (Investmentfonds.de) • In der Abgrenzung ohne Lebensmittel
und Energie sind die Verbraucherpreise im März lediglich um 0,1 % mom gestiegen. Während
die Wohnungsmieten, die wichtigste Triebfeder der Kerninflation seit gut einem Jahr,
allenfalls eine geringe Abschwächung verzeichneten, sind die Preise für Hotelübernach-
tungen und für Bekleidung im Monatsvergleich deutlich zurückgegangen.
• Der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise einschließlich Lebensmittel und Energie
um 0,6 % mom ist im Wesentlichen auf eine starke Verteuerung von Energiegütern und -
dienstleistungen um 5,9 % mom zurückzuführen. Die Zunahme der Lebensmittelpreise, die
schon im Januar und Februar zu beobachten gewesen ist, hat sich im März dagegen leicht
abgeschwächt.
• Der Rückgang der Jahresrate der Kerninflation von 2,7 % auf 2,5 % dürfte von der
Fed zwar mit Erleichterung zur Kenntnis genommen werden. Da die monatlichen Veränderungs-
raten des Verbraucherpreisindex ohne Lebensmittel und Energie zuletzt jedoch ungewöhn-
lich volatil gewesen und die heutigen Zahlen in nicht unerheblichem Maße durch Sonder-
faktoren gekennzeichnet sind, bleibt die Unsicherheit über den Inflationsausblick hoch.
Eine baldige Leitzinssenkung ist durch die heute veröffentlichten Verbraucherpreiszahlen
somit nicht deutlich wahrscheinlicher geworden.
1. In der Abgrenzung ohne Lebensmittel und Energie sind die Verbraucherpreise im März
lediglich um 0,1 % mom gestiegen. Die Jahresrate der Kerninflation ging dadurch
überraschend stark von 2,7 % auf 2,5 % zurück. Der schon seit dem Frühjahr 2006 zu
beobachtende kräftige Anstieg der Wohnungsmieten ließ im März nur unwesentlich nach.
Sowohl die tatsächlichen Wohnungsmieten (rent of primary residence) als auch die
kalkulatorischen Mieten für selbst genutzte Eigenheime (owners´ equivalent rent)
verzeichneten Zuwachsraten von 0,3 % mom. Diese lagen damit lediglich wenige Hunderts-
tel Prozentpunkte unterhalb des Durchschnitts der vorangegangenen sechs Monate. Eine
wesentliche Ursache für den geringen Preisauftrieb in der Abgrenzung ohne Lebensmittel
und Energie war dagegen ein ungewöhnlich starker Preisrückgang um 2,3 % mom in der
Komponente „lodging away from home“, die hauptsächlich Hotelübernachtungen umfasst.
Der zweite Grund für die im Monatsvergleich geringe Kerninflation waren Preissenkungen
bei Bekleidung um durchschnittlich 1,0 % mom. Wichtig ist in diesem Zusammenhang
jedoch, dass die Abnahme der Preise sowohl für Hotelübernachtungen als auch für
Bekleidung in erster Linie auf die Saisonbereinigung zurückzuführen ist. Nicht saison-
bereinigt wiesen beide Komponenten im März Preissteigerungen um 2,2 % mom bzw. 3,0 %
mom auf, die jedoch geringer ausfielen als das zur Saisonbereinigung verwendete Verlaufs-
profil für diese Jahreszeit vorsieht. Es wird sich daher erst in den kommenden Monaten
herausstellen, ob die heute veröffentlichten Zahlen eine Abschwächung der Kerninflation
oder eine Unzulänglichkeit der Saisonbereinigung widerspiegeln. Darüber hinaus hat sich
der Aufwärtstrend der Preise für medizinische Dienstleistungen, die im Januar und
Februar kräftige Zuwächse verzeichneten, im Februar mit einer Zunahme um nur 0,2 %
mom nicht fortgesetzt. Schulgebühren und Kinderbetreuung wiesen dagegen erneut eine
relativ kräftige Verteuerung um 0,5 % mom auf.
2. Der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise einschließlich Lebensmittel und Energie
um 0,6 % mom und die Zunahme der Inflationsrate von 2,4 % yoy auf 2,8 % yoy sind im
Wesentlichen auf eine starke Verteuerung von Energiegütern und -dienstleistungen
um 5,9 % mom zurückzuführen. Insbesondere die Benzinpreise stiegen um 10,6 % mom.
Aber auch Heizöl (3,5 %), Erdgas (3,0 %) und Elektrizität (0,5 %) wiesen im Monats-
vergleich Preissteigerungen auf. Die Zunahme der Lebensmittelpreise, die schon
im Januar und Februar zu beobachten gewesen ist, hat sich im März dagegen leicht
abgeschwächt. Dies geht vor allem darauf zurück, dass sich der im Februar verzeichnete,
ungewöhnlich starke Preisanstieg bei Obst und Gemüse im März zum Teil wieder umgekehrt
hat. Andere Lebensmittel, vor allem Fleisch und Geflügel sowie Molkereiprodukte,
verzeichneten auch im März eine kräftige Teuerung.
3. Die hohe Jahresrate der Kerninflation wurde von Seiten der Fed in der jüngeren
Vergangenheit regelmäßig als besorgniserregend bezeichnet, sodass ihr Rückgang jetzt
sicherlich mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen wird. Die monat-
lichen Veränderungsraten des Verbraucherpreisindex ohne Lebensmittel und Energie
waren in den vergangenen Monaten jedoch sehr volatil und die heutigen Zahlen sind
in erheblichem Ausmaß durch die oben beschriebenen Sonderfaktoren gekennzeichnet.
Es wird der Fed daher – ähnlich wie uns – schwer fallen, eindeutige Schlussfolge-
rungen über die trendmäßige Entwicklung der Kerninflation zu ziehen. Die u.a. in
den Minutes zum FOMC-Meeting am 20. und 21. März zum Ausdruck gekommene Unsicherheit
über den Inflationsausblick bleibt somit bestehen. Insofern haben die heute veröffent-
lichten Verbraucherpreiszahlen das Tor zu einer Leitzinssenkung nicht wesentlich
weiter aufgestoßen.
Quelle: Investmentfonds.de