13.04.2007
USA: Fed-Minutes deuten nicht auf Leitzinssenkungen hin
Köln, den 13.04.2007 (Investmentfonds.de) • Die Minutes zum FOMC-Meeting am
20. und 21. März haben gezeigt, dass die Notenbanker mit den seinerzeit vor-
genommenen Änderungen am Statement nicht darauf hinweisen wollten, dass sie
eine baldige Senkung der Leitzinsen in Erwägung ziehen. Hintergrund für den
neutraler formulierten Ausblick auf die zukünftige Geldpolitik war vielmehr die
Wahrnehmung einer größeren Unsicherheit sowohl bezüglich des Wirtschaftswachstums
als auch der Inflation.
• Die größten Risiken für das Wirtschaftswachstum sieht das FOMC in den zuletzt
schwachen Investitionen und der Krise am Subprime-Hypothekenmarkt. Letztere hatte
bisher jedoch noch keine Auswirkungen auf die Konditionen an anderen Kreditmärkten
und dürfte die Erholung des Immobiliensektors daher allenfalls verzögern.
• Die jüngsten Zahlen zu den Verbraucherpreisen haben das FOMC unsicherer in Bezug
auf den Inflationsausblick gemacht. Auch dies unterstützt unsere Prognose, dass die
Fed die Leitzinsen noch für längere Zeit unverändert lassen wird.
1. Die Minutes zum FOMC-Meeting am 20. und 21. März haben gezeigt, dass die Notenbanker
mit den seinerzeit vorgenommenen Änderungen am Statement zum Zinsentscheid nicht auf
die Möglichkeit baldiger Leitzinssenkungen hinweisen wollten. Hintergrund für den
neutraler formulierten Ausblick auf die zukünftige Geldpolitik, der nicht mehr einseitig
nur von der Möglichkeit potenzieller weiterer Leitzinserhöhungen sprach, war vielmehr
die Wahrnehmung einer größeren Unsicherheit sowohl bezüglich des Wirtschaftswachstums
als auch der Inflation. Trotz der größeren Risiken hält das FOMC aber an seiner
grundsätzlichen Einschätzung fest, dass für die kommenden Quartale mit einer Zunahme
des Wachstums in Richtung der Potenzialrate und einem allmählichen Rückgang der Kern-
inflation zu rechnen ist. Auch schließt es nach wie vor nicht aus, dass sich eine
weitere Straffung der Geldpolitik als notwendig erweisen könnte, um einen Rückgang
der Kerninflation sicherzustellen, auch wenn es dies im jüngsten Statement weniger
explizit formuliert hat als noch bei den vorangegangenen Zinsentscheiden. Ebenso
lassen die veränderten Aussagen des Statements zur Entwicklung am Immobilienmarkt
nicht auf eine starke Neigung zur Senkung der Leitzinsen schließen. Zwar hatte das
FOMC im März, anders als im Januar, nicht mehr auf Anzeichen einer Stabilisierung
hingewiesen, sondern von einer sich fortsetzenden Anpassung am Immobilienmarkt
gesprochen. Aus den Minutes geht jedoch hervor, dass die Mitglieder des FOMC nach
wie vor von einer sich stabilisierenden Nachfrage nach Wohnimmobilien ausgehen.
2. Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum sieht das FOMC infolge der zuletzt
schwachen Unternehmensinvestitionen und der Entwicklung am Subprime-Hypothekenmarkt.
Der Rückgang der Investitionstätigkeit im vierten Quartal 2006 hat die Mitglieder
des FOMC überrascht, und die niedrigen Werte der Auftragseingänge und Auslieferungen
für Kapitalgüter in den vergangen Monaten hat den Mitarbeiterstab des Board of Gover-
nors veranlasst, die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im ersten
Quartal 2007 zu senken. Das FOMC ist aber nach wie vor der Ansicht, dass hohe
Unternehmensgewinne, der gute Zustand der Bilanzen, ein absehbares Wachstum der
Umsätze und günstige Finanzierungsbedingungen zu einem Anziehen der Investitionen
führen werden. Die Schwäche der Investitionstätigkeit könnte allerdings darauf zurück-
zuführen sein, dass Unternehmer und Manager eine größere Unsicherheit über die
zukünftige wirtschaftliche Entwicklung verspüren oder nur von einem bescheidenen
Umsatzwachstum ausgehen. Die Möglichkeit anhaltend träger Unternehmensinvestitionen
bildet daher ein wichtiges Abwärtsrisiko im wirtschaftlichen Ausblick des FOMC.
3. Die Zunahme der Zahlungsverzögerungen am Subprime-Hypothekenmarkt und die aufgrund
dessen zu erwartende Verschärfung der Kreditkonditionen in diesem Bereich dürften
sich nach Einschätzung des FOMC nachteilig auf die Nachfrage nach Wohnimmobilien
auswirken und die Erholung am Immobilienmarkt möglicherweise verzögern. Wichtig ist
jedoch, dass von der Verschlechterung der Kreditqualität der Subprime-Hypotheken
bisher keine Ansteckungseffekte ausgegangen sind, weder auf die Kreditkonditionen
in den übrigen Teilen des Hypothekenmarktes noch auf das Angebot an Verbraucher-
krediten.
4. Wie bereits im Statement zum jüngsten Zinsentscheid konstatiert wurde, war der
Anstieg des Verbraucherpreisindex ohne Lebensmittel und Energie in den Monaten Januar
und Februar stärker als vom FOMC erwartet. Es sei daher schwierig abzuschätzen, ob
sich der im Herbst vergangenen Jahres begonnene Abwärtstrend der Kerninflation fort-
setzen werde. Vorteilhaft dürften sich nach Ansicht des FOMC die stabilen
Inflationserwartungen, ein langsamerer Anstieg der Wohnungsmieten und ein absehbarer
Rückgang in der Auslastung der produktiven Ressourcen auswirken. Aufwärtsrisiken
resultieren dagegen aus steigenden Energiepreisen sowie höheren Importpreisen für
einige Nicht-Energiegüter. Zudem birgt die im historischen Vergleich immer noch hohe
Auslastung der Ressourcen die Gefahr, dass der Inflationsdruck erneut zunimmt.
Insbesondere besteht die Möglichkeit, dass sich die Enge am Arbeitsmarkt in stärker
steigenden Lohnkosten niederschlägt. Infolgedessen sehen die Mitglieder des FOMC die
Risiken um den erwarteten Abwärtspfad der Kerninflation nach wie vor auf der oberen
Seite.
5. Unserer Einschätzung nach stehen diese Minutes in engem Einklang mit unserer
Leitzinsprognose. Solange das FOMC die Sorge vor einer zu hohen Inflation als das
dominante Risiko betrachtet und von einem moderaten Wirtschaftswachstum ausgeht,
besteht für die Notenbanker keine Veranlassung, eine Senkung der Leitzinsen in
Erwägung zu ziehen. Eine Zunahme der Risiken um den wirtschaftlichen Ausblick
dürfte sich zwar in der Rhetorik der Fed, aber nicht in den tatsächlichen Leitzins-
entscheidungen niederschlagen, solange sich diese Risiken nicht materialisieren. Wir
gehen daher weiterhin davon aus, dass die Fed die Leitzinsen noch für einen längeren
Zeitraum auf ihrem derzeitigen Niveau belassen wird.
Quelle: Investmentfonds.de