10.04.2007
Templeton: Kommentar zu den Emerging Markets
Köln, den 10.04.2007 (Investmentfonds.de) - Überblick
Viele Schwellenländer beschlossen das Quartal trotz
der im Berichtszeitraum gestiegenen Volatilität im
Plus. Die Investoren nutzten die Korrektur zum Aufbau
von Positionen zu günstigeren Kursen. Die Sorge um
den US-Markt für nicht-erstklassige Hypotheken und
seine Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft
sowie die kurzfristige Auflösung von Carry-Trades und
die Stärke des Japanischen Yen veranlassten die
Investoren zu mehr Risikoscheu, was Anfang März
erhebliche Mittelabflüsse auslöste. Angesichts der
Verbesserung des Anlegervertrauens haben sich
diese allerdings seither stabilisiert. Die asiatischen
Märkte entwickelten sich unterschiedlich. Während
Singapur, Malaysia und Pakistan beträchtliche
Gewinne verbuchten, beschlossen China und Indien
das Quartal mit Verlusten. Als wichtige
lateinamerikanische Märkte standen Brasilien und
Mexiko weiterhin in der Gunst von Investoren, die in
der Region engagiert bleiben wollten. In Europa
schnitten die Türkei, Polen und Tschechien im
Schwellenländervergleich überlegen ab. Auch der
südafrikanische Markt konnte seinen Aufwärtstrend
fortsetzen.
Aktuelles aus den Regionen
In China fand im März die jährliche Tagung des
Nationalen Volkskongresses statt, auf der
bahnbrechende Gesetze zu Eigentum und
Unternehmensbesteuerung gebilligt wurden. Erstmals
wurde in China ein Gesetz zum Schutz von
Privateigentum vorgeschlagen. Das Gesetz fordert
gleichen Schutz für private und öffentliche
Vermögenswerte und ist für den Endwert von
Eigentum und die Entwicklung der Wirtschaft im
Allgemeinen förderlich. Das 2008 in Kraft tretende
Steuergesetz wird die Unternehmenssteuern für inund
ausländische Unternehmen vereinheitlichen.
Beide Gesetze wurden mit überwältigender Mehrheit
verabschiedet. Die Regierung hielt an ihrem BIPWachstumsziel
von 8% für 2007 fest, obwohl das im
letzten Jahr verzeichnete Wachstum mit 10,7% das
gesetzte 8%-Ziel übertroffen hatte. Die
Abkühlungsmaßnahmen wurden fortgesetzt. Die
People's Bank of China hob die Zinsen um 27
Basispunkte an, um Investitions- und Kreditwachstum
zu drosseln. Die Anlageinvestitionen stiegen in den
ersten beiden Monaten des Jahres 2007 im
Jahresvergleich um 23,4% und damit schneller als im
letzten Quartal 2006, als die Rate 18,5% betragen
hatte.
In Südkorea beschleunigte sich das BIP-Wachstum
2006 auf 5,0% gegenüber 4,2% im Vorjahr. Doch die
in den kommenden zwölf Monaten anstehenden
Präsidenten- und Parlamentswahlen könnten die
Aufmerksamkeit vom Wirtschaftsaufschwung im Land
ablenken. Obwohl zu Beginn des Berichtszeitraums
erhebliche Fortschritte erzielt wurden, mussten
Südkorea und die USA die Freihandelsgespräche bis
zum 2. April 2007 verlängern. Es gab Differenzen in
Bereichen wie Landwirtschaft, Autoindustrie und
Textilien. Die Inflation entwickelte sich 2007 bisher
verhalten, weshalb die Zentralbank die Zinsen im
Quartal unverändert belassen konnte.
Die Devisenreserven erreichten Ende Januar einen
Rekordwert von 242,8 Milliarden US-Dollar, was die
Finanzposition des Landes stärkte. Das kontinuierliche
Anwachsen der Reserven veranlasste die Zentralbank
zur Erwägung von Investitionen in internationale
Aktien aus Industrieländern, um die Erträge zu
steigern.
Brasilien korrigierte die historischen BIPWachstumszahlen
seit 2000, was Beobachter zu dem
Schluss brachte, dass die Wirtschaft rascher
gewachsen war als ursprünglich erwartet.
Der Beitrag des Dienstleistungssektors und des
privaten Verbrauchs waren zuvor allem Anschein nach
unterschätzt worden. Die Wirtschaft wuchs im Jahr
2006 im Jahresvergleich um korrigierte 3,7%,
getragen von robuster Binnennachfrage, insbesondere
aber vom Verbrauch der Privathaushalte und von den
Investitionen. Obwohl die Wachstumsrate damit
gestiegen war – 2005 hatte sie bereinigt noch 2,9%
betragen –, gehörte sie im Regionalvergleich zu den
schwächsten. Von den Maßnahmen, die die
Regierung Anfang des Jahres angekündigt hat, wird
dennoch eine Ankurbelung des Wirtschaftswachstums
erhofft. Im Zuge ihrer währungspolitischen
Lockerungen senkte die Zentralbank die Zinsen im
Berichtsquartal um 50 Basispunkte, da die Inflation
auch weiterhin unter Kontrolle blieb.
Mexikos Wirtschaft wuchs im letzten Quartal 2006 im
Jahresvergleich um 4,3%, zum Teil infolge der
Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion um
9,8%. Fürs ganze Jahr belief sich das Wachstum
damit auf 4,8%, was den Erwartungen der Zentralbank
entsprach. Ferner stiegen die ausländischen
Direktinvestitionen (FDI) mit 18,9 Milliarden US-Dollar
auf ihr höchstes Niveau seit 2001, da das Land
weiterhin mit den globalen Märkten um ausländisches
Kapital konkurrierte. Die Inflation kletterte im Februar
vor allem aufgrund der höheren Preise für
Grundnahrungsmittel im Vergleich zum Vorjahr auf
4,1%, nachdem sie im Januar ein Fünfmonatstief von
4,0% verzeichnet hatte. Die Zentralbank beließ die
Zinsen im Quartal zwar unverändert, warnte jedoch
vor einer Anhebung für den Fall, dass die
Verbraucherpreise nicht wieder nachgaben. An der
politischen Front wählte die drittgrößte Partei Mexikos,
Partido Revolucionario Institucional (PRI), im
Berichtsquartal einen neuen Vorsitzenden. Die Wahl
der ehemaligen Gouverneurin des Bundesstaats
Tlaxcala Beatriz Paredes könnte zu besserer
Zusammenarbeit innerhalb der Partei führen, die das
Land vor ihrer Niederlage im Jahr 2000 71 Jahre lang
regiert hatte.
Die südafrikanische Wirtschaft wuchs im letzten Jahr
um 5,0%. 2005 war die Rate mit 5,1% ähnlich
ausgefallen. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern
zählten Finanzen, Immobilien,
Unternehmensdienstleistungen, Handel, Gastronomie
und Produktion. Nachdem die Notenbank die Zinsen
in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 um insgesamt
200 Basispunkte angehoben hatte, beließ sie sie bei
ihrer ersten Sitzung im Februar dieses Jahres
unverändert. Die Einzelhandelsumsätze legten jedoch
trotz der höheren Zinsen im Januar von 6,7% im
Dezember auf 9,4% zu. Zum Ausbau ihrer bilateralen
Beziehungen unterzeichneten Präsident Thabo Mbeki
und Chinas Präsident Hu Jintao während Hus
Südafrikareise im Februar Energie- und
Wirtschaftsverträge. Im März wurde ein
Fünfjahresplan zur Bekämpfung der im Land um sich
greifenden HIV-Epidemie vorgestellt. Das mit 6,4
Milliarden US-Dollar finanzierte Programm soll die
Zahl der Neuinfektionen bis 2011 halbieren und die
Bereitstellung antiretroviraler Medikamente deutlich
verbessern.
Das BIP-Wachstum in Russland betrug 2006 6,8%,
was vor allem den robusten Sektoren Bau,
Investitionen und Handel zu verdanken war. Das Land
verzeichnete in den ersten beiden Monaten des
Jahres 2007 erneut starke makroökonomische Daten.
Einzelhandel, Anlageinvestitionen und Reallöhne
wuchsen mit zweistelligen Raten. Das
Exportwachstum ging jedoch im Januar im
Jahresvergleich aufgrund der gefallenen Ölpreise
spürbar zurück – nämlich um 0,7%. Die Importe legten
dagegen im Jahresvergleich um weitere 31,5% zu.
Nach Unterzeichnung einer Reihe von Verträgen zur
Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Weltraum
und Wissenschaft während seines Indienbesuchs im
Januar reiste Präsident Wladimir Putin im Februar in
den Nahen Osten, wo er in Saudi-Arabien und Katar
mit führenden Vertretern von Politik und Wirtschaft
zusammentraf. Auf politischer Ebene wurden im März
die Regionalparlamente gewählt. Dabei schnitt die
kreml-freundliche Partei Geeintes Russland in 13 von
14 Regionen erfolgreich ab, während die neu
gegründete Partei Gerechtes Russland in der
verbleibenden Region den Sieg davontrug.
Infolgedessen werden die Anhänger Präsident Putins
bei der bevorstehenden Unterhauswahl im Dezember
2007 erwartungsgemäß die Oberhand behalten.
Die Türkei verzeichnete 2006 kräftige FDI-Zuflüsse in
Höhe von 20,2 Milliarden US-Dollar und damit mehr
als doppelt so viel wie im Vorjahr mit 9,8 Milliarden
US-Dollar. Im Januar 2007 beliefen sich die Zuflüsse
insgesamt auf 6,1 Milliarden US-Dollar, was zum Teil
auf die 20%-Beteiligung der Citibank an der Akbank
zurückzuführen war. Während der Internationale
Währungsfonds (IWF) die sechste Überprüfung im
Rahmen des Standby-Abkommens mit der Türkei
mit einem positiven Ausblick abschloss, betonte
er die Notwendigkeit der Beibehaltung von
Haushaltsdisziplin, der Eindämmung des
Inflationsdrucks und der Wiederaufnahme
der ausgesetzten Sozialversicherungsreformen. Die
Inflation stieg auf ein Fünf-Monats-Hoch:
Der Verbraucherpreisindex legte im Februar um
10,2% zu. Trotz seiner Tendenz zu einer Verschärfung
beließ der währungspolitische Ausschuss die Zinsen
im Quartal angesichts rückläufiger
Inflationserwartungen fürs zweite Quartal unverändert.
Im Wahljahr könnte sich die Aufmerksamkeit des
Marktes verstärkt auf die anstehenden
Präsidentenwahlen im April/Mai 2007 und die
Parlamentswahlen im November verlegen.
Ausblick
In einem Bullenmarkt, der – mit wenigen
Unterbrechungen – nun schon seit rund vier Jahren
anhält, sind Korrekturen und Mittelabflüsse zu
erwarten und im Grunde auch gesund. Die
Fundamentaldaten der Schwellenländer präsentieren
sich heute deutlich stärker als etwa vor zehn Jahren,
sodass sie solche Abflüsse viel leichter verkraften
können. Außerdem hat die jüngste Korrektur die
Bewertungen interessanter gemacht. Wir beobachten
die Märkte auch weiterhin aufmerksam und achten auf
Möglichkeiten zum Ausbau unseres Engagements in
Aktien, die überverkauft wirken, weil die
Marktstimmung schlecht ist – und nicht, weil sie
fundamental schwach sind. Insofern betrachten wir die
Schwellenländer auf lange Sicht nach wie vor
optimistisch. Wir rechnen jedoch kurzfristig auch
weiterhin mit Volatilität, da die Investoren ihre
Portfolios umschichten und neu bewerten.
Quelle: Investmentfonds.de