04.04.2007
Deka Euroland: Einkaufsmanagerindex – Abwärtstrend noch nicht...
Köln, den 04.04.2007 (Investmentfonds.de) - • Der Einkaufsmanagerindex für das
verarbeitende Gewerbe in Euroland hat sich im März unerwartet verschlechtert:
Er sank von 55,6 auf 55,4 Punkte. Die Entwicklung in den einzelnen Ländern war
einmal mehr heterogen.
• Der Anstieg in Frankreich kam nicht unerwartet. Die französische Industrie startet
zu einer Aufholjagd, um den im vergangenen Jahr verpassten Aufschwung in der Industrie
nachzuholen.
• Die deutschen Unternehmen haben im März ihre Vormateriallager wieder stärker
gefüllt. Das heißt, sie setzen weiter auf eine Fortsetzung des Aufschwungs. Dennoch
sank der Gesamtindex.
1. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Euroland hat sich im
März unerwartet verschlechtert: Er sank von 55,6 auf 55,4 Punkte (Reuters-Median:
55,7 Punkte; DekaBank: 55,8 Punkte). Nur in drei Ländern konnten Anstiege ver-
zeichnet werden, in Griechenland, den Niederlanden und in Frankreich. In Deutschland
sank der Indikator von 57,2 auf 56,9 Punkte.
2. Die seit Juni 2006 währende tendenzielle Eintrübung der Stimmung unter den
Einkaufsmanagern in Euroland setzte sich im März fort. Allein die Komponente der
Zulieferzeiten wies nach oben, das heißt, die Unternehmen müssen etwas länger auf
ihre Zulieferungen warten, was aus konjunktureller Sicht positiv zu bewerten ist.
Ansonsten gab es keine guten Nachrichten: Die Auftragseingangskomponente gab nach,
nicht zuletzt weil auch die Auslandsaufträge nicht mehr so rund laufen. Hier macht
sich die langsamere Gangart der Weltwirtschaft im ersten Quartal bemerkbar.
3. Der Anstieg in Frankreich kam nicht unerwartet. Die französische Industrie startet
zu einer Aufholjagd, um den im vergangenen Jahr verpassten Aufschwung in der
Industrie nachzuholen. Diese wurde möglich, da die Sorgenkinder der französischen
Industrie – die Automobil- sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie – wieder Boden
unter die Füße bekommen haben.
4. Der Rückgang in Deutschland war allerdings nach den Vorgaben der ifo-Umfrage,
bei der die Lagebeurteilung zulegen konnte, etwas überraschend. Auch die Tatsache,
dass die Beschäftigungskomponente zum zweiten Mal in Folge rückläufig ist, passt
nicht zur gefühlten Wahrnehmung der Arbeitsmarktentwicklung. Die Beurteilung der
deutschen Auftragsbestände ist seit geraumer Zeit im Vorjahresvergleich rückläufig
und spiegelt sich in dem Verhältnis der Vorjahresveränderung von Produktion und
Aufträgen wider: Über einen längeren Zeitraum wuchs die Produktion schneller als
der Auftragseingang, d.h. die Unternehmen haben Altaufträge abgearbeitet oder auf
Lager produziert. Letzteres tun sie im Vertrauen auf die Fortsetzung des Aufschwungs.
Dies zeigt sich auch in den Beschaffungskomponenten des Einkaufsmanagerindex: Die
Unternehmen haben im März ihre Vormateriallager wieder stärker gefüllt und melden
auch wieder längere Lieferzeiten.
5. Die Einkaufsmanagerindizes in Euroland befinden sich nach wie vor auf einem
hohen Niveau. Die Rückgänge müssen daher auch nicht beunruhigen. Sie passen viel-
mehr in das Bild einer temporären Wachstumsverlangsamung, die wir für das erste
Quartal prognostizieren. Diese geht von den großen Volkswirtschaften Italien und
Deutschland aus, die beide unter fiskalischen Belastungen zu Jahresbeginn leiden.
Die Eurolandkonjunktur schaltet daher einen Gang zurück, bleibt aber auf Expan-
sionskurs.
Quelle: Investmentfonds.de