23.03.2007
Bankenverband Konjunkturbericht – März 2007
Köln, den 23.03.2007 (Investmentfonds.de) - Die Weltwirtschaft befindet sich nach wie
vor in einer sehr guten Verfassung. Trotz zuletzt eher gemischter Konjunktursignale
ist für die USA weiterhin keine Rezession zu befürchten. Die jüngsten Korrekturen an
den Finanzmärkten haben allerdings die potenziellen Risiken für die Weltwirtschaft
wieder stärker ins Bewusstsein gerückt.
Im Euro-Raum haben sich die konjunkturellen Frühindikatoren auf einem hohen Niveau
stabilisiert. Dies spricht für eine Fortsetzung des Aufschwungs. Die schwächere
US-Konjunktur, die Euro-Aufwertung sowie der zurückgenommene Expansionsgrad der
Geldpolitik dürften das Wirtschaftswachstum in der Währungsunion 2007 allerdings
auf 2 ¼ % dämpfen, nach 2,6 % im vergangenen Jahr.
Angesichts der sehr dynamische Industrieproduktion, des milden Winters und der sehr
behutsame Weitergabe der höheren Mehrwertsteuer durch die Unternehmen sollte sich
das Wirtschaftswachstum in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres weniger
stark abschwächen als zunächst befürchtet. In den kommenden Monaten könnten
mehrwertsteuerbedingte Anpassungen bei den Verbraucherpreisen zum Teil aber noch
nachgeholt werden. Außerdem befinden sich die Aufträge in der Industrie seit Herbst
2006 in einer Seitwärtsbewegung. Vor diesem Hintergrund ist 2007 mit einer Verlang-
samung des Wirtschaftswachstums auf rund 2 % zu rechnen.
Am deutschen Arbeitsmarkt hat sich die anziehende Konjunktur im vergangenen Jahr
relativ schnell und deutlich bemerkbar gemacht. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst
der moderaten Lohnpolitik und der ersten Arbeitsmarktreformen. Die beschäftigungs-
orientierte Lohnpolitik sollte daher grundsätzlich fortgesetzt werden. Arbeitnehmer
könnten jedoch verstärkt über Einmalzahlungen an der guten Ertragslage der Unternehmen
partizipieren. Die Chancen stünden dann gut, dass die Zahl der Arbeitslosen im Durch-
schnitt des laufenden Jahres auf weniger als 3,9 Millionen zurückgeht.
Niedrigere Ölpreise im zweiten Halbjahr 2006 haben zu einer sichtlichen Entspannung
bei der Inflationsentwicklung im Euro-Raum und in Deutschland geführt. Wegen der
höheren Mehrwertsteuer, wieder leicht steigenden Ölpreisen und einem negativen statis-
tischen Basiseffekt dürfte vor allem in Deutschland der Preisauftrieb in den kommenden
Monaten aber wieder etwas zunehmen. Gleichwohl sollte die Inflationsrate im Jahres-
durchschnitt sowohl in Deutschland als auch im Euro-Raum leicht unter der 2 %-Marke
liegen.
Die Europäische Zentralbank hat die im Dezember 2005 begonnene Zinserhöhungsphase bis
zuletzt fortgesetzt. Die Anhebung der Leitzinsen auf ein konjunkturneutrales Niveau
dürfte allerdings spätestens bei einem Leitzins von 4 % beendet sein. Für die euro-
päischen Währungshüter würde sich dann eine neue Situation ergeben, der sie beispiels-
weise mit einer längeren Zinspause zur Beobachtung der bisherigen Zinseffekte und
einer weiteren Analyse der Preisrisiken Rechnung tragen könnten. Zu den potenziellen
Preisrisiken gehört aber auf jeden Fall auch das hohe Geldmengenwachstum, selbst wenn
sich der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation offenbar gelockert hat.
Quelle: Investmentfonds.de