23.03.2007
Rohöllager: Pendel schlägt in die erwartete Richtung aus - jedoch überraschend kräftig
Köln, den 23.03.2007 (Investmentfonds.de) • Die US-Rohöllagerbestände wurden um
3,9 Mio. Barrels aufgebaut. Die Benzinvorräte setzten mit -3,4 Mio. Barrels ihren
Sinkflug fort. Auch die Heizöl- und Diesellagerbestände sanken um 1,7 Mio. Barrels
und dürften sich in den nächsten Wochen ihren saisonbedingten Jahrestiefständen
nähern.
• Die jüngsten Rohölpreisrückgänge dürften die verstärkte Wahrnehmung globaler
makroökonomischer Risiken der Märkte widerspiegeln, die nicht zuletzt durch die
Ereignisse an den US-Hypothekenmärkten ausgelöst wurden. Mittelfristig bleibt
unsere Einschätzung einer merklichen fundamentalen Verengung am Rohölmarkt und
damit einhergehendem Preisaufwärtsdruck hiervon unberührt.
1. Diese Woche lag der Markt mit seinen Erwartungen für die US-Lagerbestandszahlen
bezüglich des Vorzeichens der Veränderung zwar richtig, unterschätzte jedoch deren
Ausmaß. Die US-Rohöllagerbestände stiegen um 3,9 Mio. Barrels kräftig an (Bloomberg-
Median: 1,0 Mio. Barrels). Die Benzinvorräte wurden hingegen erneut merklich abgebaut:
Sie sanken um 3,4 Mio. Barrels (Bloomberg-Median: -2,0 Mio. Barrels). Die Kapazitäts-
auslastung der US-Ölraffinerien stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 86,3 % an. Zu dieser
Zeit des Jahres erreicht die Kapazitätsauslastung überlicherweise den tiefsten Stand.
Je früher sie wieder ansteigt – angesichts der näher rückenden Sommermonate, in denen
die Benzinnachfrage tendenziell kräftig zunimmt –, desto weniger Aufwärtsdruck ist
auf Sicht der kommenden Monate seitens der Produktnachfrage auf den Rohölpreis zu
erwarten. Auch die Heizöl- und Diesellagerbestände nähern sich saisonbedingt ihren
Jahrestiefständen und sanken in der vergangenen Woche erwartungsgemäß um 1,7 Mio.
Barrels (Bloomberg-Median: -1,5 Mio. Barrels).
2. Die vergangenen Tage waren durch Rohölpreisrückgänge gekennzeichnet, die unseres
Erachtens jedoch kein Zeichen für eine fundamentale Entspannung darstellen. Vielmehr
wurden zuletzt – auch aufgrund der Ereignisse an den US-Hypothekenmärkten – vermehrt
globale makroökonomische Risiken wahrgenommen, die die Märkte zu der Erwartung einer
schwächeren Rohölnachfrage verleiteten und somit zu einem Rückgang des Ölpreises bei-
getragen haben. Auch die Entscheidung der OPEC-Länder, ihre Fördermengen unverändert
zu lassen, nahmen die Märkte positiv auf. Zwar stimmen wir mit den OPEC-Ländern in
der Einschätzung einer „stabilen und gesunden“ Marktsituation zum jetzigen Zeitpunkt
überein. Wir sehen jedoch auf Sicht der kommenden Monate durch die weitere Umsetzung
der bereits beschlossenen OPECFördermengenkürzungen bei gleichzeitig dynamisch expan-
dierender Nachfrage nachhaltige Verengungstendenzen – und somit merklichen Preisauf-
wärtsdruck – am Rohölmarkt.
3. Ein weiterer leichter Aufbau der Netto-Long-Positionierung der nicht-kommerziellen
Händler an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) vermochte in der vergangenen
Woche dem sinkenden Rohölpreis nichts entgegenzusetzen. Wir rechnen damit, dass sich
die Netto-Long-Positionierung der Spekulanten, nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen
makroökonomischen Risikowahrnehmung der Märkte, in der kommenden Woche verringern
dürfte.
Quelle: Investmentfonds.de