13.03.2007
Templeton: Kommentar zu den Emerging Markets
Köln, den 13.03.2007 (Investmentfonds.de) -
Im Februar tendierten die Märkte in den
Schwellenländern zunächst weiter aufwärts,
unterstützt durch anhaltende Portfolio-Zuflüsse und
hohes Anlegerinteresse. Am 26. Februar 2007 lag der
MSCI Emerging Markets Index mit 4,4% im Plus. Doch
der Einbruch um knapp 9% am 27. Februar in China,
der den Aktienmarkt von Shanghai und in Shenzhen
notierende „A“-Aktien betraf, trat eine Verkaufswelle
los, die selbst in so weit entfernten Märkten wie
Brasilien erhebliche Einbußen verursachte. Sogar
Industrieländer wie die USA und Großbritannien
verzeichneten deutliche Korrekturen. Die Korrektur auf
dem Markt für chinesische „A“-Aktien erfolgte vor dem
Hintergrund der Ungewissheit vor der Jahrestagung
des Nationalen Volkskongresses und der rekordhohen
Bewertungen. Diese Korrektur zehrte die im
Monatsverlauf im Schwellenländersegment
erwirtschafteten Gewinne auf und drückte den Index
Ende Februar in US-Dollar um 0,6% ins Minus.
Die asiatischen Märkte rentierten uneinheitlich. Der
teurere indische Markt brach um rund 9% ein,
während die Märkte in Korea und Thailand mit
Erträgen von 4,5% bzw. 6,6% überdurchschnittliche
Ergebnisse brachten. Die meisten osteuropäischen
und lateinamerikanischen Märkte beschlossen den
Monat mit Verlusten. In der Türkei und Südafrika gab
es dagegen kaum Veränderung.
Aktuelles aus den Regionen
Asien
Der chinesische Außenhandelsüberschuss nahm im
Januar im Jahresvergleich um 67% zu und kletterte
auf 15,9 Milliarden US-Dollar. Das starke
Wirtschaftswachstum in China machte das Land
erneut zum beliebtesten Anlageziel ausländischer
Investoren. Die ausländischen Direktinvestitionen
legten im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 14% zu
und schwollen auf 5,2 Milliarden US-Dollar an. Die
Überhitzung erregte jedoch nach wie vor Besorgnis
und die Maßnahmen zur Eindämmung des allzu
üppigen Wachstums in heiß gelaufenen Sektoren
wurden fortgesetzt. Die Zentralbank hob den
Mindestreservesatz im Februar um weitere 50
Basispunkte an, um Kreditwachstum und Investitionen
zu bremsen. Während der Inflationsdruck anhält,
verlangsamte sich die Steigerung der
Verbraucherpreise im Januar von 2,8% im Dezember
auf 2,2%. China bemühte sich im Februar weiter um
den Ausbau seiner politischen und wirtschaftlichen
Beziehungen zu Afrika. Präsident Hu Jintao reiste zum
dritten Mal seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2003 in
die Region. Neben der Unterzeichnung zahlreicher
Handelsabkommen kündigte Hu auch Darlehen und
Zuschüsse an, um die Entwicklung auf dem
afrikanischen Kontinent zu fördern.
Südkoreas Devisenreserven beliefen sich Ende
Januar insgesamt auf 240,2 Milliarden US-Dollar, was
vor allem kräftigen Zahlungsbilanzströmen zu
verdanken war. Das kontinuierliche Anwachsen der
Reserven, mit denen Südkorea gegenwärtig weltweit
an fünfter Stelle liegt, veranlasste die Zentralbank zur
Erwägung von Investitionen in internationale Aktien
aus Industrieländern, um die Erträge zu steigern. Da
die Inflation den niedrigsten Stand seit über sechs
Jahren verzeichnet, verhielt sich die Bank of Korea
neutral und beließ die Zinsen im Februar unverändert.
Zwar stellt der starke Won potenziell ein Risiko für die
Wettbewerbsfähigkeit der koreanischen Exporteure
dar, doch im Januar nahmen die Exporte mit 21%
noch kräftig zu. Die Stimmung auf der koreanischen
Halbinsel hellte sich auf, als Nordkorea bei den
Sechsparteiengesprächen in Peking in China eine
erste Vereinbarung unterzeichnete.
Zu den politischen Meldungen gehört der Austritt
Präsident Roh Moo-hyuns aus der Uri-Partei.
Parteikollegen hatten die geringe Popularität ihrer
Partei mit den schlechten Sympathiewerten des
Präsidenten begründet. Auf sein Ansehen als
Präsident sollte sich das nicht auswirken.
Lateinamerika
Mexikos Leistungsbilanzdefizit sank 2006 von 4,9
Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf 1,5 Milliarden
US-Dollar. Das war vor allem auf das geschrumpfte
Außenhandelsdefizit und höhere
Auslandsüberweisungen zurückzuführen. Das
Handelsdefizit vergrößerte sich jedoch im Januar
durch die gesunkenen Ölpreise und den Rückgang
des Autoexports auf 1,7 Milliarden US-Dollar.
Während die Exporte im Jahresvergleich um 1%
zurückgingen, blieben die Importe robust und
verzeichneten im Berichtsmonat 11% Zuwachs. Die
FDI hielten sich 2006 mit 18,9 Milliarden US-Dollar auf
hohem Niveau. Das Land trat im Wettbewerb um
ausländisches Kapital auch weiterhin in Konkurrenz
mit den globalen Märkten. Die Zentralbank beließ die
Leitzinsen unverändert bei 7,0%, was den
Markterwartungen entsprach. Während die Inflation im
Januar mit 4% ein Fünf-Monats-Tief verzeichnete,
kündigte die Bank für den Fall, dass die Inflation nicht
weiter zurückging, eine Verschärfung der
Währungspolitik an.
Die brasilianische Wirtschaft wuchs im
Jahresvergleich im letzten Quartal 2006 3,8%. Fürs
ganze Jahr belief sich das Wachstum auf 2,9%.
Obwohl die Wachstumsrate damit gestiegen war –
2005 hatte sie noch 2,3% betragen –, gehörte sie im
Regionalvergleich zu den schwächsten. Die
Regierung senkte ihre Prognosen für den BIPZuwachs
2007 von 4,75% auf 4,5%. Von den
Maßnahmen, die die Regierung Anfang des Jahres
angekündigt hat, wird dennoch eine Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums erhofft. Durch das starke
Importwachstum im Januar ging der
Außenhandelsüberschuss von 5 Milliarden US-Dollar
im Dezember 2006 auf 2,5 Milliarden US-Dollar
zurück. Für den fortlaufenden 12-Jahres-Zeitraum
betrug er damit 45,8 Milliarden US-Dollar gegenüber
46,1 Milliarden US-Dollar im Dezember 2006.
Brasiliens Devisenreserven stiegen bis zum 23.
Februar auf bislang unerreichte 98,9 US-Dollar und
dürften die 100-Milliarden US-Dollar-Markt in Kürze
überschreiten, da die Zentralbank weiter US-Dollar
kauft, um den Aufwärtstrend des Real zu bremsen.
Die internationale Rating-Agentur Fitch hob ihren
Ausblick für Brasilien als Schuldnerland angesichts
der hohen Reserven von neutral auf positiv. Politisch
konnte die Koalition Präsident Lulas an Einfluss
gewinnen, da regierungsfreundliche Kandidaten den
Vorsitz im Abgeordnetenhaus und im Senat errangen.
Afrika
Südafrikas BIP-Wachstum beschleunigte sich im
vierten Quartal 2006 im Jahresvergleich von 4,7% in
der vorangegangenen Drei-Monats-Periode auf 6,1%.
Robustes Wachstum der Bau-, Produktions- und
Bergbauindustrie stützte die Wirtschaft. Ferner
meldete das Finanzministerium für das Haushaltsjahr
2006/2007 den ersten Haushaltsüberschuss in der
Geschichte des Landes. Der Überschuss dürfte
2007/2008 von derzeit 0,3% des BIP auf 0,6%
ansteigen, da die Regierung ihre umsichtige
Fiskalpolitik weiterverfolgt. Außerdem beließ der
währungspolitische Ausschuss die Zinsen im Februar
angesichts der freundlicheren Inflationsaussichten
unverändert. Um die bilateralen Beziehungen
auszubauen, besuchte der chinesische Präsident Hu
Jintao im Berichtsmonat Südafrika. Präsident Thabo
Mbeki und Hu unterzeichneten anlässlich dieses
Besuches Energie- und Wirtschaftsverträge.
Europa
Russlands Wirtschaft wuchs erneut robust. Die
Schätzungen zum BIP-Wachstum im Jahresvergleich
liegen bei 6,8%. Dieses Wachstum war hauptsächlich
auf die Sektoren Bau, Investitionen und Handel
zurückzuführen.
Exporte wie Importe verzeichneten 2006 zweistellige
Wachstumsraten. Insgesamt ergab sich ein
Überschuss von 140,6 Milliarden US-Dollar.
Anlageinvestitionen und Bauwirtschaft expandierten
2006 um 14%. Im Februar besuchte Präsident Putin
den Nahen Osten, wo er in Saudi-Arabien und Katar
mit führenden Politikern und Vertretern der Wirtschaft
zusammentraf. Es war die erste Reise eines
russischen Staatsoberhaupts in diese Region und
verdeutlicht die wachsende politische und
wirtschaftliche Bedeutung des Landes.
Die Türkei konnte bessere Haushaltszahlen
ausweisen. Die höheren Einnahmen der Regierung
trieben den Primärüberschuss für 2006 auf über 7%
des BIP. Damit übertraf er die IWF-Vorgabe von 6,5%.
Leistungsbilanz und Außenhandelsdefizit
verbesserten sich 2006 ebenfalls, was den Erfolg der
in den letzten Jahren umgesetzten Strukturreformen
belegt. Auch die FDI strömten 2006 mit 18,9 Milliarden
US-Dollar wieder kräftig. Der internationale
Währungsfonds dürfte die sechste Prüfung seines
Stand-by-Abkommens mit der Türkei im März
durchführen und wird sich dabei auf die Fiskalpolitik
der Regierung konzentrieren, aber auch auf das
Programm zur Wirtschafts- und Strukturreform. Der
währungspolitische Ausschuss tendiert weiter zu einer
Verschärfung, drehte aber vorerst nicht an der
Zinsschraube.
Thema des Monats: Mark Mobius im Gespräch
über die Schwellenländer
Werden sich Ihre Fonds auch 2007 wieder auf dem
türkischen Aktienmarkt engagieren? Was halten
Sie von der starken Entwicklung der Währung und
von der auf hohe Realzinsen ausgerichteten Politik
in der Türkei?
Ja, wir werden auch 2007 wieder in türkische Aktien
investieren. Die türkische Währung ist gegenüber dem
US-Dollar leicht überbewertet. Die Nominalzinsen sind
in der Türkei ausgesprochen hoch, doch das liegt am
Kampf der Regierung gegen die hohen Inflationsraten,
die wiederum auf die hohen Öl- und Gaspreise
zurückzuführen sind.
Das Ergebnis ist eine Verstärkung des „Carry Trade”
(ausländische Investoren nehmen in Yen oder Euro
billig Kredite auf, um das Geld dann zu höheren
Zinsen in der Türkei anzulegen). Das treibt den
Wechselkurs natürlich nach oben.
Langfristig gibt es erste Anzeichen für eine Abkehr
von der Hochzinspolitik, denn die Inflation lässt nach.
Das Inflationsziel liegt allerdings bei der Hälfte der
aktuellen Inflationsrate, sodass noch ein weiter Weg
zurückzulegen ist. Kurzfristig rechnen wir daher
weiterhin mit hohen Zinsen. Im Zuge der Wahlen
dürfte die Zentralbank die sinkenden Inflationsraten
jedoch durch eine Anpassung der Zinsen nach unten
berücksichtigen.
Vor allem aber gilt, dass türkische Aktien billig zu
haben sind, kräftig zulegen und viele türkische
Unternehmen exzellent geführt werden. Mit sinkenden
Zinsen werden auch die Umsätze im Inland und im
Export steigen. Die türkischen Banken vergeben trotz
der hohen Zinsen auch weiterhin immer mehr Kredite,
was ihnen Ertragssteigerungen beschert.
Wie ist es Ihrem Eindruck nach im neuen Jahr um
die Risikobereitschaft in Bezug auf die asiatischen
Märkte bestellt? Wie wird sie sich entwickeln?
Es gibt Bedenken, dass Überinvestition in China und
eine Überhitzung des Immobilienmarktes in Korea
weitere Drosselungsmaßnahmen nach sich ziehen
könnten, die das Wirtschaftswachstum schwächen
würden. Auch in anderen Teilen der Region lösten
etwa die übertriebenen Bewertungen indischer Aktien
und die politischen und regulatorischen
Ungewissheiten in Thailand Ängste aus. Wie es
scheint, sind diese Themen aber bereits eingepreist.
Zwar könnte es kürzerfristig durch die starken
Schwankungen der Wechselkurse und der
Rohstoffpreise zu Volatilität kommen, doch wir halten
die ganze Palette asiatischer Aktien langfristig nach
wie vor für aussichtsreich.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die asiatischen
Länder wachsen schnell. Darunter sind Länder wie
China und Indien mit einer riesigen Bevölkerung,
deren Pro-Kopf-Einkommen steigt. Hinzu kommt, dass
sich die Kapitalmärkte dieser Länder rapide
entwickeln. Das Wirtschaftswachstum ist und bleibt in
vielen asiatischen Ländern hoch, die Pro-Kopf-
Einkommen sind gestiegen, die Bewertungen nach
wie vor reizvoll und die Reformen gehen weiter, was
das Geschäfts- und Investitionsklima in der Region
verbessert. Darüber hinaus treiben die asiatischen
Länder nicht mehr nur mit Industrieländern wie den
USA Handel, sondern auch verstärkt untereinander,
was ihre Abhängigkeit von den USA verringert hat. So
exportieren Taiwan und Südkorea mittlerweile mehr
nach China als in die USA. Auch dieser Trend dürfte
sich fortsetzen.
Mittlerweile sind viele der augenfälligen
Schwellenländer in der Fondsplatte stark
repräsentiert (etwa China/Indien/Russland).
Welche Schwellenländer sind Ihres Erachtens ‚im
Kommen? (Manche denken hier ja zum Beispiel an
Vietnam.) Und wie kann sich ein Privatanleger auf
solchen weniger überschaubaren Märkten
engagieren?
Wir investieren in allen Schwellenländern und sind
derzeit weltweit in fast 40 dieser Märkte engagiert. Es
gibt viel mehr Märkte, auf denen man investieren kann
und wo wir uns früher engagiert haben oder jetzt
engagieren. Dazu gehören Jordanien, Ägypten,
Marokko, Kenia, Ghana, Namibia, Vietnam,
Kambodscha und andere mehr.
Für Privatanleger ist es möglicherweise nicht ganz
einfach, sicheren und effizienten Zugang zu diesen
Märkten zu erhalten. Daher empfiehlt sich die
Investition in einen breit gestreuten Fonds, der über
die entsprechenden Zugangsmöglichkeiten verfügt.
Der neu aufgelegte Templeton Emerging Markets
Small Cap Fund kann in die erwähnten kleineren
Märkte investieren und verfolgt noch viele weitere
Märkte als potenzielle Anlageziele.
Ist der Klimawandel mittlerweile ein Faktor, der bei
einer Anlage in Schwellenländern zu
berücksichtigen ist?
Ja, er gewinnt zunehmend an Bedeutung, da
Regierungen in aller Welt unter dem Druck stehen,
etwas gegen die Umweltverschmutzung und ihre
Auswirkungen auf den Klimawandel zu unternehmen.
So werden etwa in China Fabriken geschlossen, weil
sie Umweltauflagen nicht erfüllt haben. Der Besitzer
einer Textilfabrik sagte, dass sein Unternehmen in
gewisser Hinsicht davon profitiert habe, da seine
kleineren Konkurrenten nicht über die Mittel verfügten,
ihre Fertigungsanlagen entsprechend umzurüsten.
Folglich wurden sie geschlossen, was die
Konsolidierung in der Branche vorangetrieben hat.
Glauben Sie, dass Emerging-Markets-Investoren
längerfristig verantwortungsbewusster investieren
werden, also verstärkt in solche Unternehmen, die
Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel
suchen?
Das wird auf die wirtschaftlichen Aspekte des
Klimawandel-Phänomens ankommen. Wenn sich die
Anleger von der Investition in Unternehmen, die sich
um Lösungen für diese Problematik bemühen, höhere
Renditen versprechen, werden sie solche Anlagen
stärker nachfragen.
Welche besonderen Gefahren erkennen Sie für
2007 und später im Hinblick auf die geopolitischen
Risiken für die Schwellenländer?
Besonders gefährlich wäre meines Erachtens:
• Eine drastische politische Kursänderung in einem
wichtigen Schwellenland wie Russland, China, Indien,
Brasilien, Südafrika, der Türkei oder anderen, die zur
Abkehr der betreffenden Regierung vom
marktwirtschaftlichen Modell und fortgesetzter
Liberalisierung führen würde. In diesem Fall würden
die Mittelflüsse in solche Märkte natürlich verebben
und das Ergebnis wäre allgemein langsameres
Wirtschaftswachstum.
• Fortgesetzte Präsenz der USA im Nahen Osten und
vor allem ein Ausbau dieser Präsenz ohne die
Kooperation europäischer und anderer Verbündeter.
• Eine Abschwächung der Konjunktur in den USA,
verbunden mit einem Rückgang der US-Importe.
• Global zunehmender Protektionismus.
05. März 2007
Mark Mobius, Singapur
Quelle: Investmentfonds.de