05.03.2007
Commerzbank-Börsenbericht (Wochenausblick)
Frankfurt (ots) - Weltweit kannten die Aktienmärkte in der
vergangenen Woche nur eine Richtung - es ging deutlich nach unten.
Der Dax verlor an den letzten fünf Handelstagen insgesamt 5,6%,
nachdem am Montag noch die Marke von 7.000 Zählern überschritten
wurde. Seitdem hat der Dax gut 500 Punkte eingebüßt. Das europäische
Pendant EuroStoxx50 gab rund 5,5% nach und beendete die Handelswoche
nur knapp über der Marke von 4.000 Punkten. Ähnlich war die Situation
in Tokio - der Nikkei 225 verlor gut 5%. Amerikanische Anleger
verbuchten kumuliert Verluste von 4,2%, Technologietitel gaben sogar
um 6% nach.
Auslöser für die weltweit deutlichen Kursrückgänge gibt es mehrere.
Nachdem die westlichen Aktienmärkte seit vier Jahren ohne große
Unterbrechung gestiegen sind, suchten Investoren nach einer
Begründung, um Gewinne realisieren zu können - und fanden sie in
Shanghai, wo der A-Share-Index am vergangenen Dienstag um gut 9%
nachgab. Allein in den letzten 12 Monaten stieg der Index um nahezu
130% und entwickelte sich zu einem spekulativen Segment, was sich
auch in einem momentanen KGV von 35 widerspiegelt. Obwohl es sich
global gesehen um eine eher unbedeutende Börse handelt (im Gegensatz
zur Börse in Hongkong, die "nur" gut 3% verlor), sorgte der Kurssturz
für eine weltweite Kettenreaktion. Als Grund wurden Befürchtungen um
staatliche Restriktionen am chinesischen Aktienmarkt genannt.
Aufgrund der herausragenden Bedeutung der chinesischen Wirtschaft ist
es wichtig zu konstatieren, dass die Auslöser nicht Befürchtungen
einer nachlassenden Konjunktur im Reich der Mitte waren. Als weiterer
Grund wurden immer wieder so genannte "Carry Trades" erwähnt. Hier
werden vor allem billige Yen-Kredite aufgenommen, um dann mit diesem
Geld eine höher verzinsliche Anlage (Anleihen, Aktien) zu kaufen.
Viele Anleger erinnern sich nun an die Situation aus dem Frühjahr
2006, als die Börsen weltweit innerhalb weniger Wochen über 10% an
Wert verloren. Nachdem allein in der vergangenen Woche global rund
1.500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtet wurden, ist ein
Vergleich zum Vorjahr angebracht. Im Mai/Juni 2006 waren die Ängste
der Börsianer fundamental begründet, denn aufgrund steigender
Inflationsdaten in den USA befürchtete man, dass die Fed die Zinsen
noch deutlich anziehen könnte. Kombiniert mit Angst um eine deutlich
abnehmende Wirtschaftsaktivität bei hoher Inflationsrate
("Stagflation") drückten Anleger den Dax um gut 900 Punkte nach
unten. Ein Jahr später sind die Befürchtungen nicht fundamental
begründet. Denn Auswirkungen auf die zukünftigen
Unternehmensergebnisse und andere aktienkursbestimmende Faktoren
lassen sich derzeit nicht ableiten.
Die Frage, die sich nun stellt, ist: Sehen wir gerade das lange
erwartete und seit längerer Zeit prognostizierte reinigende Gewitter
oder ist dies der Anfang vom Ende einer vierjährigen Aktienboomphase?
Kurzfristig dürfte die Nervosität hoch bleiben, was sich u.a. in
der Entwicklung des Volatilitätsindex (VDAX) zeigt, der binnen
Wochenfrist von knapp 14 auf über 22 Prozentpunkte anstieg.
Mittelfristig werden sich die Investoren wieder auf die nach wie
vor günstigen Fundamentaldaten konzentrieren, dies dürfte die
aktuelle Marktphase dann auch als eine gesunde Korrektur im intakten
Bullenmarkt erscheinen lassen. Die Aktienbewertung und
Unternehmensgewinne sind weiterhin positiv, speziell in Deutschland
und Europa. Da für die Kursverluste keine Veränderungen der
Rahmenbedingungen verantwortlich waren, ändert sich auch nichts am
prognostizierten Jahresendziel von 7.400 Punkten für den Dax.
Die internationalen Rentenmärkte erfüllten in diesem Umfeld einmal
mehr ihre sprichwörtliche Funktion als "sicherer Hafen". Nach
mehreren Wochen eher getrübter Stimmung an den Bondmärkten stiegen
die Rentenfutures in den USA sowie im Euroraum deutlich an und nähern
sich alten Höchstständen. Mehrere Faktoren trafen bei dieser
Entwicklung aufeinander: Nach dem Einbruch der Aktienmärkte wurde
Kapital in sicherere Anlagen wie Anleihen umgeschichtet, was zu
rückläufigen Renditen am US-amerikanischen und in der Folge auch am
europäischen Rentenmarkt führte. Auch technisch war mit einer
Erholung zu rechnen. Zudem sorgten die Kommentare des ehemaligen
Fed-Präsidenten Alan Greenspan für Verunsicherung auf den Märkten.
Die amerikanische Wirtschaft könnte laut Greenspan bis zum Ende des
Jahres in eine Rezession rutschen. In den USA führten zusätzlich
neben der gestiegenen Risikoaversion der Marktteilnehmer
enttäuschende Konjunkturdaten zu Gewinnen an den Bondmärkten.
An den europäischen Rentenmärkten war in der vergangenen Woche
wieder ein stärkerer Einfluss der US-Vorgaben festzustellen, nachdem
sich die europäischen Renditen - vor allem im längeren
Laufzeitenbereich - in der letzten Zeit zunehmend von den US-Renditen
abkoppeln konnten.
Der Einfluss der Aktienmärkte auf den Rentenhandel dürfte in den
nächsten Tagen weiterhin groß sein, gleiches gilt für die Volatilität
der Märkte. Von der volkswirtschaftlichen Seite dürften die Daten der
kommenden Woche die langsam abschwächende US-Konjunktur bestätigen.
Im Euroraum steht die Zinsentscheidung der EZB im Mittelpunkt des
Interesses - es wird allgemein eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte
auf ein Niveau von 3,75% erwartet. Die Volkswirte der Commerzbank
erwarten nach dem Zinsschritt am Donnerstag noch eine weitere
Zinserhöhung auf ein Niveau von 4% Mitte des Jahres.
Eine Korrekturbewegung an den Aktienmärkten sollte nach einem vier
Jahre
andauernden Aufwärtstrend nicht verwundern, lediglich die Heftigkeit
der Bewegung überrascht ein wenig. Wir gehen derzeit davon aus, dass
die Märkte in naher Zukunft ihren mittel- bis langfristigen
Aufwärtstrend wieder aufnehmen werden. Kurzfristig dürfte die
Nervosität der Anleger allerdings anhalten und für weiter volatile
Märkte sorgen. Anleger mit einem mittelfristigen Anlagehorizont
bieten sich derzeit gute Einstiegsmöglichkeiten, um erste (Nach-)
Käufe zu tätigen. Sofern die potenziellen Risikofaktoren keine
Änderung der fundamentalen Rahmenbedingungen erfordern, hat unser
positiver Ausblick für den Aktienmarkt weiterhin Bestand.
Privatanlegern wird die Aktie von Canon empfohlen.
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