29.01.2007
Nordea: Ausblick baltische Länder / Baltikum
Köln, den 29.01.2007 (Investmentfonds.de) - Estland, Lettland, Litauen und Polen
zählen zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt: Die baltischen
Volkswirtschaften wachsen gegenwärtig sogar schneller als im Boomjahr 1997. Doch
dieses Mal wird für die internationale Wirtschaft eine weiche Landung prognostiziert.
Dass die baltischen Länder einen ähnlichen Crash erleben wie im Jahr 1998, ist daher
eher unwahrscheinlich. Der Immobilienmarkt stabilisiert sich endlich, und das
Kreditwachstum hat einen Höchststand erreicht, so dass ein Faktor, der für Insta-
bilität sorgen könnte, nicht mehr gegeben ist.
Allerdings ist das Potenzial noch nicht erschöpft, und es besteht noch Spielraum für
erhebliches Wachstum. - Die baltischen Länder und Polen entwickeln sich zum Wirt-
schaftszentrum von Morgen in Westeuropa. "Man muss nicht bis nach Asien blicken, um
von Tigerstaaten zu sprechen - sie liegen direkt vor unserer Haustür", sagt Senior
Analyst Mika Erkkilä, Experte für das Baltikum und Polen bei Nordea.
Das Wirtschaftswachstum in Estland wird sich auf 9,5 % im Jahr 2007 verlangsamen nach
12 % in diesem Jahr. Die Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik greifen, denn das
Kreditwachstum scheint seinen Zenit erreicht zu haben. Auch die Immobilienpreise
stabilisieren sich. Die Inflation wird relativ hoch bleiben, so dass ein EWU-Beitritt
frühestens für 2009 oder 2010 realistisch erscheint.
In Lettland sind erste Anzeichen für einen eventuellen baldigen Rückgang der
zweistelligen Wachstumsraten auszumachen. Wenn sich das Wachstum wie erwartet
abschwächt, dürfte dies auch für den Immobilienmarkt eine weiche Landung zur Folge
haben. Das Risiko, dass die Wirtschaft zu rasant weiter wächst, besteht nach wie
vor. Der angespannte Arbeitsmarkt wird den Löhnen weiter Auftrieb geben und folglich
für anhaltenden Inflationsdruck sorgen.
Litauen zeigt Anzeichen für eine Überhitzung, allerdings ist trotz einer Wachstumsrate
von 8 % kein größerer Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit zu verzeichnen. Darüber hinaus
haben sich die Immobilienpreise in letzter Zeit stabilisiert. Eine weiche Landung
scheint daher am wahrscheinlichsten. Die Regierung dürfte erneut den EWU-Beitritt
anpeilen, dieses Mal eventuell für das Jahr 2010. Der Ausgang ist erneut ungewiss.
In Polen sind sowohl die privaten Haushalte als auch die Unternehmen in guter
Verfassung. Die wachsende Bedeutung der Inlandsnachfrage wird die Wirtschaft
widerstandsfähiger gegen die erwartete weltweite Wachstumsverlangsamung im nächsten
Jahr machen. Die Inflation zieht angesichts des steigenden Lohndrucks an und wird zu
einer ersten Zinserhöhung führen. Die Politik spielt eine Joker-Rolle.
Pläne zum EWU-Beitritt der baltischen Länder wurden zunächst auf Eis gelegt. Wann sie
den nächsten Versuch unternehmen, ist ungewiss. Die Regierungen können einen Beitritt
nicht auf ewig aufschieben, da damit auch Risiken verbunden sind. Wenn sie einen
Beitritt in nicht allzu ferner Zukunft anstreben, sind nach Aussage von Mika Erkkilä
heute rasche Entscheidungen gefragt.
Quelle: Investmentfonds.de