05.01.2007
Schroders: US Small Caps - Nichtzykliker bevorzugt
Köln, den 05.01.2007 (Investmentfonds.de) - Immer wieder zu Jahresbeginn werden
Fondsmanager mit Bitten um ihre Prognosen für die Trends der Aktienmärkte im neuen
Jahr überhäuft. Mit anderen Worten: Wo lohnt sich die Investition? Meine Prognosen
für 2007 orientieren sich weniger an der Anlageform, sondern vielmehr an Fonds
allgemein. Ich wage zu behaupten, dass Manager, die bei der Aktienauswahl geschickt
vorgehen, den Markt übertreffen werden. Das hatte ich übrigens auch schon letztes
Jahr prophezeit.
Wenn wir uns den amerikanischen Aktienmarkt anschauen, fallen einige zentrale Themen
auf, die die Volkswirtschaft und den Konjunkturzyklus betreffen. Das BIP-Wachstum
lässt zweifelsohne nach – die entscheidende Frage jedoch ist: wie stark? Wir rechnen
für 2007 mit einer Verlangsamung des Wachstums auf 2,8 Prozent von gegenwärtig rund
3,4 Prozent. Diese Entwicklung ist zum Teil auf den rückläufigen Wohnimmobilienmarkt
zurückzuführen. Bei fallenden Immobilienpreisen und sinkender Nachfrage gehen auch
die Ausgaben für Bau und Einrichtung neuer Wohnhäuser zurück. Dies wirkt sich auch
auf die Konsumausgaben in anderen Bereichen aus. Die Folgen dieses Abschwungs werden
bereits von vielen Ertragsprognosen eingepreist.
Langsamere Gangart gut für den Markt
Ein von rückläufigem Wachstum geprägtes Umfeld sollte sich insgesamt als recht positiv
für den Aktienmarkt erweisen. So würde ein Wachstum unter der Trendrate Notenbankchef
Ben Bernanke und dem Offenmarktausschuss eindeutig die Arbeit erleichtern. Schließlich
hatte man diese Entwicklung bereits erwartet und in diesem Jahr entsprechend eine
Zinspause eingelegt. Angesichts des allmählich nachlassenden Wachstums sollte sich
auch die Kerninflationsrate leichter zügeln lassen – besonders wenn der Ölpreis nicht
wesentlich über das derzeitige Niveau von 60 Dollar pro Barrel steigt. Die Fed könnte
sich sogar schon im nächsten Sommer für eine Lockerung der geldpolitischen Zügel
entscheiden, sofern der Inflationsdruck ihrer Meinung nach ausreichend gesunken und
die konjunkturelle Dynamik stärker als gewünscht abgekühlt ist. Vor diesem Hintergrund
würden wir ein vergleichsweise positives Abschneiden des US-Aktienmarktes erwarten.
Die Konsumfreude der amerikanischen Verbraucher wird voraussichtlich auch im nächsten
Jahr ungebrochen sein. Angesichts der in diesem Jahr ins Negative abgerutschten
Sparquote ist allerdings mit einer gewissen Zügelung zu rechnen. Das Gewinnwachstum
reicht aus, um den Konsum zu stützen und ist – jedenfalls außerhalb des Bereichs
Corporate Banking – noch nicht auf ein Niveau gestiegen, an dem es eine Gehaltsinflation
schüren würde. Unserer Einschätzung nach ist für die konjunkturelle Dynamik nur ein
vernünftiges Maß an Verbraucherausgaben notwendig, da die Ausgabenentwicklung ohnehin
vor allem von Wirtschaft und öffentlicher Hand angetrieben wird. Die Unternehmens-
landschaft ist durch gesunde Bilanzen und hohe Liquidität geprägt. Die Zinsen liegen
unter den Kapitalkosten, ein günstiges Klima für Fusionen und Übernahmen. Die Aufnahme
von Fremdkapital (und damit der Erwerb anderer ertragsstarker Firmen) ist für
Unternehmen und Private-Equity-Häuser jetzt vergleichsweise kostengünstig. Daher ist
in verschiedenen Branchen und Sektoren mit einer Fortsetzung des Konsolidierungspro-
zesses zu rechnen, einschließlich grenzüberschreitender Transaktionen.
Für mich als Managerin eines US-Aktienfonds bedeutet das, dass bestimmte Sektoren
insgesamt wohl besser abschneiden werden als andere. Anfällig für Verluste sind vor
allem Unternehmen mit hohem Engagement im Immobilienbereich, angesichts der
gegenwärtigen Situation auf dem Immobilienmarkt und dem allgemeinen Konjunkturab-
schwung. Auch stark auf den Konsumgütermarkt ausgerichtete Unternehmen sind im
derzeitigen Umfeld anfällig. Ein Risiko besteht grundsätzlich bei den Unternehmen,
deren zukünftige Erträge von einer dynamischen Konjunktur abhängen – ihre Ergebnisse
könnten in den kommenden Quartalen eher enttäuschend ausfallen.
Ausgabenentwicklung in der Wirtschaft ungebrochen
Positiv abschneiden sollten dagegen Zuliefer- und Serviceunternehmen der Wirtschaft
sowie konjunkturunabhängige Sektoren. Letztere profitieren davon, dass ihre
Ertragsspitzen und Tiefstände sich im Laufe des Konjunkturzyklus glätten. Ansonsten
dürfte die anhaltende Dollar-Schwäche auch diejenigen Unternehmen begünstigen, die
ihre Einkünfte in anderen Währungen als dem US-Dollar bilanzieren. Das soll
allerdings nicht heißen, dass wir nur deswegen nicht in ein Unternehmen investieren
würden, weil seine Erträge auf die „falsche“ Währung lauten. Derartige Erwägungen
sind lediglich Teil unserer Gesamtbeurteilung. Wir orientieren uns beim Investment
auch weniger an Themen, sondern beurteilen Aktien vielmehr auf individueller Basis
vor dem Hintergrund der konjunkturellen Lage und der Marktsituation.
Unternehmen mit Gewinnpotenzial
Wir halten vor allem nach unterbewerteten Wachstumsunternehmen Ausschau, wobei wir
Optimismus und Realismus in Balance halten. Wir kaufen einerseits „Dauerbrenner“,
die für Stabilität im Portfolio sorgen und Volatilität senken, andererseits aber
auch Werte, bei denen nach starken Kursverlusten wieder eine steigende Tendenz zu
erwarten ist. Jedes Unternehmen, in das wir investieren, wird gründlich durchleuchtet.
Dabei setzen wir je nach Branche unterschiedliche Bewertungs-Tools und Wachstumsmes-
sgrößen ein. Bei der Mehrzahl der Titel konzentrieren wir uns auf den freien
Cashflow. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die liquiden Mittel, die
Unternehmen mit ihrem Geschäft generieren.
Als Beispiel für ein Unternehmen, von dem wir uns einiges versprechen, sei die
Corrections Corporation of America genannt. Dabei handelt es sich um den größten
privaten Haftanstalt-Betreiber in den USA. Das Unternehmen befindet sich in einer
idealen Position, um von der anhaltenden Privatisierung des Strafvollzugs zu
profitieren. Die Gefängnisse sind bereits überfüllt und die Mittel für den Bau
neuer Haftanstalten knapp. Dies gilt umso mehr, wenn eine Zuweisung von Mitteln
zu Lasten des Budgets für Gesundheitswesen oder Bildung geht oder mit Steuererhöhungen
verbunden wäre.
Ferner haben wir in ACCO Brands investiert, einen Anbieter von Bürobedarf und
Computerzubehör. Wir rechnen damit, dass das Unternehmen infolge einer kürzlich
erfolgten Fusion Kostensynergien realisieren und seinen Marktanteil durch globale
Expansion ausweiten wird. Interessant ist auch Time Warner Telecom. Das
Telekommunikationsunternehmen konzentriert sich auf den Mittelstand und profitiert
von der steigenden Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen. Der jüngste
Konsolidierungsprozess auf diesem Markt hat in gewissem Maß den Preisverfall in
diesem Sektor aufgehalten und seine Perspektiven insgesamt verbessert.
Die Spreu vom Weizen trennen
Als Faustregel gilt, dass Investoren das nötige Vertrauen mitbringen müssen, wenn sie
in kleinere Unternehmen investieren wollen. In ungewissen Zeiten setzt man in der
Regel auf die relative „Sicherheit“ von Large Caps, die eine höhere Liquidität und
daher vermutlich berechenbarere Erträge bieten. Dies war ganz klar der Trend während
der vergangenen sechs Monate, auch wenn die Zuflüsse zu Small und Mid Caps in letzter
Zeit zugenommen haben. Die Volatilität wird voraussichtlich noch eine Weile anhalten
und dürfte attraktive Kaufgelegenheiten bieten. Dabei kommt es vor allem darauf an,
die Spreu vom Weizen zu trennen.
Aus historischer Sicht gibt es allen Grund für Optimismus. Traditionell sind die
Perioden, die direkt auf einen Zinsstraffungszyklus der Fed folgen und eine sanfte
Landung der Konjunktur einleiten, besonders positiv für den amerikanischen Aktienmarkt.
Auch wir gehen von einer sanften Landung aus, den entscheidenden Unterschied macht in
diesem Jahr jedoch die kluge Aktienauswahl, davon sind wir überzeugt.
Quelle: Investmentfonds.de