22.11.2006
Helaba-Volkswirtschaft / Ausblick 2007: Kapitalmärkte zwischen "Boom" und "Bust"
Frankfurt am Main (ots) -
Helaba-Volkswirte erwarten für 2007 in Euroland Anstieg der
Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen auf 4,5 Prozent
Nach einem äußerst dynamischen Start hat sich das Wachstum in den
USA seit dem zweiten Quartal dieses Jahres verlangsamt. Die teilweise
im Markt vorhandenen Befürchtungen einer Rezession sind nach Meinung
der Helaba-Volkswirte jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt
unangebracht. Die aktuelle Entwicklung ist lediglich die Anpassung
der Unternehmen und Haushalte an den erfolgten Zinserhöhungszyklus
der Fed sowie den sektoralen Schock vom Immobilienmarkt. Der robuste
Unternehmenssektor ist die Basis für einen stabilen Arbeitsmarkt und
befördert somit die Konsumnachfrage. Auch der Wachstumsmotor Asien
befindet sich in guter Verfassung, so dass die Basis für ein solides
Exportwachstum auch in 2007 gelegt ist.
Das konjunkturelle Muster in Deutschland wird maßgeblich durch die
Mehrwertsteuererhöhung geprägt: In diesem Jahr bringen Vorzieheffekte
in Kombination mit einem sich bessernden Arbeitsmarkt deutliche
Impulse, so dass ein Wachstum von 2,7 Prozent erwartet werden kann.
2007 wird die Erhöhung der Mehrwertsteuer das Wachstum auf 1,6
Prozent dämpfen. Ein Einbruch unter Potenzial ist nicht zu erwarten.
Einerseits führt die mit der höheren Investitionstätigkeit verbundene
Besserung am Arbeitsmarkt zu einer anhaltenden Expansion der
Binnennachfrage. Andererseits kann weiterhin mit positiven Impulsen
von der Weltwirtschaft gerechnet werden.
Derzeit sind die Konjunkturindikatoren für die USA noch
ambivalent. Deshalb rechnet die Mehrheit der Marktteilnehmer mit
einer kräftigen Wachstumsdelle, was sich gegenwärtig in einem
Rückgang der Kapitalmarktzinsen widerspiegelt. Diese Zinsdelle wird
sukzessive auslaufen, da sich einerseits das US-Wachstum auf Sicht
von sechs Monaten nicht ausreichend abschwächen wird, um den
vorhandenen Inflationsdruck zu dämpfen. Andererseits zeigen sich die
europäischen Wachstumskräfte robust genug, um hinreichend Schwung ins
kommende Jahr zu retten.
"Wir haben drei unterschiedliche Szenarien entwickelt, wobei wir
unserem Hauptszenario 'Stagflation light' mit 70 Prozent eine relativ
hohe Eintrittswahrscheinlichkeit beimessen", erläutert Dr. Gertrud R.
Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. "In der Gleichgewichtung der
beiden Alternativszenarien mit jeweils 15 Prozent bringen wir zum
Ausdruck, dass je nach Richtung und Ausmaß der US-Geldpolitik sowohl
'Boom' als auch 'Bust' nicht unwahrscheinlich sind."
In ihrem Hauptszenario "Stagflation light" gehen die
Helaba-Volkswirte davon aus, dass sich die damit einhergehende
Zinsphantasie für die Geldpolitik der Fed und der EZB in den
kommenden Monaten ebenso als Belastungsfaktor für die Rentenmärkte
erweisen wird wie die weiterhin präsenten Inflationsrisiken,
insbesondere in den USA. Sowohl die US-Notenbank als auch die EZB
werden ihren Zinserhöhungszyklus fortsetzen, auch wenn die Fed
derzeit eine Pause im Anhebungszyklus einlegt. Bis zum Spätsommer
nächsten Jahres erwarten die Helaba-Volkswirte einen Leitzins von
5,75 Prozent in den USA und 4 Prozent in Euroland. Die Zinsen für
zehnjährige Staatsanleihen werden im Zuge dessen mit ansteigen und in
den USA bis auf 5,8 Prozent und in Euroland bis auf etwa 4,5 Prozent
klettern, um dann wieder etwas nachzugeben.
Die Zinsdifferenz am kurzen und langen Ende wird den US-Dollar im
kommenden Jahr begünstigen. Bis zur Jahresmitte ist ein Anstieg auf
1,20 Dollar je Euro wahrscheinlich.
Der Aktienmarkt befindet sich derzeit in einer fundamental guten
Verfassung. Solange von Seiten der US-Notenbank noch keine Signale
einer Wiederaufnahme des Zinserhöhungszyklus ausgehen, ist mit einer
Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung zu rechnen. Da der nächste
Zinsschritt der Fed im zweiten Quartal erwartet wird, wird der
Aktienmarkt voraussichtlich im ersten Quartal seinen Höhepunkt
herausbilden.
Originaltext: Landesbank Hessen-Thüringen
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