26.09.2006
DWS: Rohstoffsektor geprägt von Übernahmefieber
Köln, den 26.09.2006 (Investmentfonds.de) - Nachdem sich der Goldpreis eine Woche
lang um die 650 US-Dollar bewegt hatte, schloss er den August mit 627,30 US-Dollar.
Bemerkenswert an der Rallye des gelben Metalls in den vergangenen zwölf Monaten
war eine gesunkene Korrelation zur Dollar-Schwäche bemerken die DWS Experten in
ihrer aktuellen Markteinschätzung. Allerdings könnte die Beziehung wieder enger
werden, wenn auch nicht auf dem gewohnten Niveau. Goldminenaktien verteuerten sich
im August im globalen Durchschnitt auf Dollar-Basis um 2,5 Prozent. Unterdessen
will Goldcorp mittels eines 21,3 Mrd. US-Dollar schweren Aktientausches den
Konkurrenten Glamis übernehmen und damit die größte Goldminengesellschaft der Welt
formen.
Volatil auf hohem Niveau bewegten sich weiterhin die Preise für Basismetalle. Bei
einer Zunahme der Bestände um fast 29 Prozent gab der Kupferpreis um gut 3 Prozent
nach. Auslöser war das Streikende in der chilenischen Mine Escondia, die von BHP
Billiton und Rio Tinto betrieben wird. Zuvor war kurzfristig die Marke von 8.000
US-Dollar erreicht worden. Die Notierung von Nickel stieg binnen Monatsfrist um
fast 19 Prozent, trotz gut 25 Prozent höherer Bestände. Ansonsten war es das Fusions-
bzw. Übernahmethema, das den Markt in Aufruhr versetzte: Einem Zeitungsbericht
zufolge erwägen die brasilianische CVRD, die schweizerische Xstrata und Rio Tinto,
den weltweit drittgrößten Minenbetreiber Anglo American zu kaufen – für 80 Mrd.
US-Dollar. In Russland soll der größte Aluminiumhersteller der Welt entstehen. Der
dortige Marktführer Rusal übernimmt mit Sual seinen größten Rivalen und zudem die
Aluminiumsparte des Schweizer Konzerns Glencore. Der neue Riese soll in London an
die Börse gehen. Das Übernahmefieber verwundert nicht, erzielen die Unternehmen
doch Spitzen- und Rekordergebnisse. Zum Beispiel hat der weltgrößte Bergbaukonzern
BHP Billiton im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/2006 sein Nettoergebnis um 63
Prozent auf 10,45 Mrd. US-Dollar gesteigert.
Abwärts ging es Ende August mit dem Ölpreis, erstmals seit Ende Juni sogar wieder
bis unter 70 Dollar pro Barrel. Die Sorte WTI notierte 5,5 Prozent niedriger, Brent
sogar um mehr als 7 Prozent. Zuvor hatten allerdings die politische Instabilität im
Nahen Osten, die Angst vor dem Hurrikan Ernesto und das Desaster von BP auf dem
Ölfeld Prudhoe Bay in Alaska für die Rekordnotierung von fast 79 US-Dollar gesorgt.
Der Erdgaspreis sackte im August um mehr als 28 Prozent ab. Ölaktien notierten im
August sowohl in Nordamerika als auch in Europa leichter, besonders stark verloren
Ölservice-Gesellschaften.
Knüppeldick trifft es derzeit BP. Die maroden, rostigen Leitungen auf dem größten
Ölfeld der USA haben nicht nur zu signifikanten Förderausfällen und hohen Reparatur-
kosten geführt, wovon auch die Co-Förderer Exxon-Mobil und Conoco-Phillips betroffen
sind. Fast noch schlimmer wiegt der politische und der Imageschaden, zumal BP-
Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber das Zurückhalten brisanter Prüfdaten vorgeworfen
haben. Damit nicht genug: US-Behörden untersuchen mögliche Manipulationen auf den
Öl- und Benzinmärkten seitens BP. In puncto Übernahmen wollte auch die Ölbranche
nicht abseits stehen: Der US-Raffineriekonzern Western Refining plant seinen
Konkurrenten Giant Industries zu schlucken. Dadurch würde das viertgrößte Erdölunter-
nehmen der USA entstehen.
Quelle: Investmentfonds.de